Scliönbacli. Mittheilungen aus altdeutschen Handschriften.
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Mittheilungen aus altdeutschen Handschriften.
Von
Anton Schöntaaeh.
Erstes Stück:
Ueber Andreas Kurzmann.
Einem wüstliegenden Ackerfelde möchte man die deutsche
Litteratur in Oesterreich während des 15. Jahrhunderts vergleichen,
kahl und öde, nur dass in einzelnen feuchten Furchen
Büschel Unkrauts dicksaftig sich zusammendrängen. Findet
man nun hie und da einen spät aufgeschossenen fruchtbaren
Halm, so lohnt es, ihn auszuheben, ist auch die Aehre kümmerlich
und das Korn übel gerathen.
In meiner Schrift ,Ueber die Marienklagen', Graz 1874,
brachte ich im Anhang III ein nach lateinischer Quelle gearbeitetes
deutsches Gedicht, ein fioliloquium Marie cum Jesu‘
(Grazer Hds. Nr. 856), als dessen Verfasser am Schlüsse
Andreas Kurzmann sich nannte. Wie aus einer Notiz des
Schreibers hervorgeht, war Andreas Mönch im steirischen Cistercienserkloster
Neuberg tmd 1428 bereits gestorben. Ich
konnte dort auch schon ein zweites Gedicht desselben Autors
anführen, in einer Salzburger Handschrift erhalten, die Legende
von Amicus und Amelius behandelnd. Seither ist mir ein drittes
zugänglich geworden in der Vorauer Handschrift Nr. 227, 1
eine gereimte Bearbeitung des ,Speculum huvianae salvationis‘.
Der Codex, Folio, Papier, 15. Jahrhundert, enthält 250 Blätter.
Anfangs fehlen ein Paar und damit der erste Theil des Index
zu dem ,püchel genant dy Mmelströss von dem glawien und von
1 M. Pangerl, Die Handschriftensammlung des Chorherrenstiftes Vorau.
Separatabdruck aus dem 4. Jahrgange der ,Beiträge zur Kunde steiermärkischer
Geschichtsquellen 1 , Graz 1867, S. 36.