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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Idee  des  deutschen  Erbreichs  und  die  ersten  Habsburger.

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konnte.  1  An  ähnliche  Pläne,  wie  die  ersten  Habsburger  sie
verfolgt,  um  die  Erblichkeit  des  Reichs  herzustellen,  hat  Heinrich ­
  nicht  gedacht,  er  war  zu  eingenommen  von  der  Vorstellung
kaiserlicher  Allmacht,  um  auf  Aehnliches  einzugehen,  auch
wenn  die  Verhältnisse  es  ihm  nahegelegt  hätten. 2
Was  die  Habsburger  nach  Albrechts  Tode  gar  nicht
versucht  haben,  nach  Heinrichs  Tode  haben  sie  es  gethan,  das
Anrecht  ihres  Hauses  auf  die  deutsche  Krone  geltend  zu  machen
sich  bemüht.  Anfangs  schien  es,  als  sollten  sie  Erfolg  haben,
die  Verhandlungen,  die  besonders  der  energische  Leopold
führte,  nahmen  guten  Verlauf.  Schliesslich  aber  sind  sie  doch
gescheitert.  Die  Gegner  hatten  Anfangs  den  Sohn  des  verstorbenen ­
  Kaisers,  der  die  böhmische  Königskrone  trug,  als
Candidaten.  Als  sie  die  Unmöglichkeit  einsahen,  seine  Wahl
durchzusetzen,  haben  sie  schliesslich  ihrer  negativen  Parole
,keinen  Habsburger'  so  viel  Anhang  gewonnen,  dass  die  Doppelwahl ­
  des  Bayern  Ludwigs  und  Friedrichs  von  Oesterreich  das
Endergebniss  war.
Es  folgt  nun  in  Deutschland  eine  Zeit,  wo  das  schwache
Königthum  in  der  Hand  eines  schwachen  Herrschers  wie  Ludwig
neben  dem  Streit  mit  dem  habsburgischen  Gegner  von  Neuem
einen  erbitterten  Kampf  mit  dem  Papstthum  auszufechten
hat,  und  in  diesem  Kampf  eine  Stütze  sucht  an  dem  Collegium ­
  der  Kurfürsten.  Gerade  in  diesen  Kämpfen  hat  das  Kurcolleg
  seine  Stellung  so  befestigt,  dass  seitdem  Versuche  zur
Umkehr  zu  den  alten  Verhältnissen,  wie  die  ersten  Habsburger ­
  sie  noch  wagen  konnten,  wenig  Aussicht  zum  Gelingen

1  Pöhlmann  Der  Römerzug  Kaiser  Heinrich  VII,  Göttingen  1875.
2  Es  haben  unter  Vermittlung  Clemens  V.  Verhandlungen  stattgefunden
zwischen  Heinrich  VII.  und  Frankreich  über  die  Abtretung  des  arelatischen
  Reichs  an  letzteres,  wenigstens  hat  nach  Angabe  des  Mussatus
Frankreich  die  Forderung  gestellt,  aber  wir  wissen  nichts  über  die
Heinrich  VII.  dafür  etwa  gebotene  Compensation,  s.  Pöhlmann  a.  a.  O.
S.  45,  40  ff.  Robert  von  Neapel  hat  nacli  dem  Besitz  Toseanas  unter
dem  Titel  eines  Reichsvicars  getrachtet,  zugleich  verlangt,  dass  Heinrich
zum  Reichsvicar  in  der  Lombardei  nur  eine  ihm  genehme  Persönlichkeit ­
  einsetze:  ibid.  S.  170  ff.  Von  ähnlichen  Plänen  wie  unter  Rudolf
und  Albreeht  verlautet  nichts.
            
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