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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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Busson.

Rudolf  hat  in  dieser  Zeit  besonders  Wenzel  von  Böhmen  viele
Beweise  seiner  Huld  gegeben,  wohl  in  der  Absicht,  dadurch
diesen  für  die  Wahl  Albrechts  zu  gewinnen.  Aber  zwischen
König  Wenzel  und  Herzog  Albrecht  bestand  eine  persönliche
Spannung,  die  Rudolfs  Absichten  hindernd  in  den  Weg  trat. 1
Bei  den  geistlichen  Kurfürsten  konnte  der  alte  König
noch  viel  weniger  auf  ein  Entgegenkommen  rechnen.  Rudolfs
getreuester  Diener  und  thätigster  Staatsmann  Heinrich  von
Isny,  Erzbischof  von  Mainz,  war  bereits  am  19.  März  1288
gestorben. 2  Sein  Nachfolger  Gerhard  von  Eppenstein  bot  dem
König  in  keiner  Weise  Ersatz  für  den  Verlust.  Er  stand  dem
König,  wenn  auch  nicht  gerade  feindlich  gegenüber,  doch  entschieden ­
  fern.  Rudolf  hatte  sich  früher  bei  der  zwiespältigen
Wahl  nach  dem  Tode  des  Erzbischofs  Werner  von  Mainz  für
den  Gegencandidaten  Gerhards,  den  Propst  Peter,  beim  Papste
verwendet.  Erzbischof  Gerhard  war  ausserdem  verfeindet  mit
dem  nächst  Heinrich  von  Isny  hervorragendsten  Staatsmann
Rudolfs,  Heinrich  von  Klingenberg,  auch  mit  dem  König  selbst
hatte  er  Anstände  wegen  der  Rechte  seiner  Kirche.  Der  Erzbischof ­
  von  Cöln,  Sigfried  von  Westerburg,  der  auf  dem
Würzburger  Concil  besonders  die  Verhandlungen  zum  Scheitern
gebracht  hatte,  war  von  altersher  ein  Gegner  Rudolfs.  Der
neue  Erzbischof  von  Trier,  Boemund  von  Warnesberg,  stand
dem  König  zum  mindesten  ganz  fern.
Trotz  aller  Ungunst  der  Verhältnisse  aber  musste  Rudolf
doch  noch  einen  Versuch  wagen  —•  die  Zeit  drängte,  da
Rudolfs  Befinden  sein  baldiges  Ende  voraussehen  liess. 3  Und
noch  einmal  taucht  in  diesen  letzten  Tagen  des  Königs  eine
schwache  Spur  auf  von  jenen  alten  Plänen,  die-  ihn  unter
1  S.  Ko  pp  a.  a.  O.  II,  3  S.  294  fl'.
2  Kopp  a.  a.  O.  I,  169  n.  3.
3  In  dem,  einer  Einsiedler  Formelsammlung  entnommenen  Brief  Acta
imperii  S.  366  Nr.  481  schreibt  Rudolf  dem  Erzbischof  von  Cöln,  es
werde  ihm  bekannt  sein,  dass  er,  von  der  Last  der  Jahre  gedrückt,  die
Regierung  niederzulegen  beabsichtige,  und  bittet,  den  Erzbischof,  mit  den
anderen  Kurfürsten  an  seiner  Stelle  seinen  Sohn  zu  wählen.  Der  Brief
ist  so,  wie  er  vorliegt,  kaum-authentisch,  z.  B.  wegen  des  staatsrechtlich
ungenauen  Ausdrucks  honus  imperialis  diadomatis  doponondo;  sonst  wäre
er  am  ehesten  als  Einladungsschreiben  zu  dem  Frankfurter  Tage  vom
20.  Mai  1291  —  s.  unten  —  anzusehen.
            
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