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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Idee  des  deutschen  Elbreichs  und  die  ersten  Habsburger.

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Negirung  des  herzoglich  bairischen  Kurrechts  bedeuten.  Nach
der  ersten  Anerkennung  seines  Kurrechts  hat  König  Wenzel
von  Böhmen  am  13.  April  1290  eingewilligt  und  Rudolf  Vollmacht ­
  gegeben,  dass  er,  sobald  er  die  Kaiserkrone  erlangt
haben  werde,  selbst  im  Namen  Böhmens  den  Prinzen  Rudolf
zum  König  erwählen  möge  1  —  Dienst  und  Gegendienst  also!
Für  das  Project  Rudolfs  darf  man  auch  den  Herzog  Albrecht
von  Sachsen  als  gewonnen  ansehen,  indem  König  Wenzel
zugleich  für  den  Fall,  dass  Rudolf  früher  mit  Tod  abgehe,
diesem  die  Vollmacht,  den  Prinzen  Rudolf  zu  wählen  übertrug.
König  Rudolf  war  hier  also  bemüht,  auch  unabhängig  von  der
Frage  der  Kaiserkrönung  für  die  Sicherung  der  Nachfolge  zu
sorgen. 2  Wenige  Wochen  nach  Ertheilung  dieser  Zusagen  wurde
der  Prinz  Rudolf,  zu  dessen  Gunsten  dieselben  gemacht  waren,
vom  Tode  dahingerafft.  Wieder  sehen  wir  nun  Rudolf,  wie  er
schon  früher  einmal  kurz  vor  dem  gescheiterten  Concil  von
Würzburg  die  Möglichkeit  einer  zwiespältigen  Wahl  nach
seinem  Tode  ins  Auge  gefasst  hatte, 3  die  Eventualität  einer
Erledigung  des  Reiches  nach  seinem  Ableben  erwägen. 4
Die  Verhältnisse  lagen  jetzt  allerdings  für  Rudolf  ungünstiger ­
  als  jemals.  Einzig  Albrecht,  Herzog  von  Oesterreich,
war  von  des  Königs  Söhnen  noch  am  Leben,  er,  seiner  zu
grossen  Macht  wegen,  für  die  Königskrone  ein  Candidat  mit
sehr  geringen  Aussichten.  Einige  Hoffnungen  konnte  noch
Rudolfs  besonderes  Verhältnis  zu  den  weltlichen  Kurfürsten
erwecken  —-  sämmtliche  vier  weltliche  Wahlstimmen  waren
nun  ganz  oder  zum  Theil  in  den  Händen  von  Schwiegersöhnen
des  Königs  —  Wenzels  von  Böhmen,  Pfalzgraf  Ludwigs  bei
Rhein,  Albrechts  von  Sachsen  und  Ottos  des  Jüngeren  von
Brandenburg.  Rudolf  hat  es  denn  auch  nicht  versäumt,  zu  versuchen, ­
  das  Verhältnis  für  seine  Zwecke  auszunutzen.  Am
19.  August  1290  kam  Herzog  Albrecht  persönlich  nach  Erfurt,
wo  sein  Vater  damals  Hof  hielt  —  hier  wurde  dann  die  Nachfolgefrage ­
  verhandelt.  Aber  mit  geringem  Erfolg  —  bestimmte
Zusagen  scheint  nur  Pfalzgraf  Ludwig  gemacht  zu  haben.
1  Ko  pp  Reielisgescliichte  I,  492.
2  S.  Kopp  a.  a.  O.  II,  3  S.  294  und  die  Noten.
3  S.  ibid.  II,  3  S.  294  n.  1.
4  Ibid.  II,  3  S.  294  und  n.  5.

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