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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

P.90

Buss  on.

Schon  am  3.  April  1287  starb  Honorius  IV.  War  er
wirklich,  wie  ich  vermuthete,  gewonnen  gewesen  für  die  Pläne,
die  man  in  Deutschland  betrieb,  so  war  sein  Tod,  ähnlich  wie
früher  der  Nicolaus  III.,  ein  schwerer  Schlag  für  die  bei
denselben  Interessirten.  Es  folgte  zunächst  eine  lange  Vacanz
des  päpstlichen  Stuhles  —  erst  am  22.  Februar  1288  wurde
der  Cardinalbischof  von  Präneste  zum  Papst  gewählt.  Der
Neugewählte  war  von  Nicolaus  III.  ins  h.  Collegium  aufgenommen ­
  worden,  1  und  nannte  sich  auch  jetzt  diesem  zu
Ehren  Nicolaus  IV.  Aber  zu  den  Anhängern  der  Politik
Nicolaus  III.  gehörte  er  nicht; 2  was  man  von  einer  heimlichen
Freundschaft  des  neuen  Papstes  mit  den  Ghibellineu  zu  erzählen
weiss,  ist  unbegründet,  begründet  nur,  dass  er  die  ghibellinische
Familie  Colonna  vielfach  begünstigte,  in  einem  Maasse,  dass
er  dadurch  sogar  in  Gegensatz  trat  zum  Hause  Nicolaus  III.,
den  Orsini. 3  Gegen  die  Anjous  war  er  besonders  freundlich
gesinnt.  4
Allem  Anschein  nach  hat  Rudolf  nach  dem  Scheitern
des  Würzburger  Concils  die  Pläne,  die  er  unter  dem  Pontific.at
Nicolaus  III.  und  Honorins  IV.  verfolgt  hatte,  zunächst  ganz
fallen  lassen.  Er  greift  zurück  auf  die  Politik,  die  er  im
Anfang  seiner  Regierung  betrieben  hat,  er  sucht  jetzt  wieder
mit  grossem  Eifer  die  Kaiserkrönung  zu  erreichen,  zweifellos,
wie  wir  hinzusetzen  dürfen,  in  der  Absicht,  dadurch  die  Wahl
1  Potthast  Nr.  21309.
2  In  dieser  Beziehung  ist  beaclitenswerth,  dass  bei  der  oben  S.  683  erwähnten
Sendung*  Heinrich  von  Basel  an  ihn,  der  damals  Cardinalbischof  von
Prärieste  war,  kein  Empfehlungsschreiben  erhielt.
3  Gregorovius  Rom  V,  500  ff.
4  Am  28.  Mai  1276  wurde  er,  damals  Hieronymus,  General  der  Minoriten,
vom  Papst  und  Karl  von  Anjou  als  gemeinsamer  Gesandter  zu  Verhandlungen ­
  mit  dem  griechischen  Kaiser  nach  Constantinopel  geschickt:
Urkunde  im  Auszug  bei  Rico  io  II  regno  di  Carlo  d’Angio  etc.  Arch.
storico  XXV,  38.  —  Der  Colmarer  Dominikaner  erzählt:  Ann.  Colm.
maior.  M.  G.  XVII,  216  zu  1289:  Papa  Nicolaus  expellitur  de  Roma,
quia  filium  Caroli  in  regem,  eis  eontradicentibus,  consecravit,  und  weiter:
Rome  pars  pape  a  Romanis  violenter  eiicitur  et  ex  utraque  parte  plusquam
  quingenti  numero  perierunt.  Wenn  auch  der  vom  Colmarer  angegebene ­
  Grund  vielleicht  nicht  ganz  erschöpfend  ist  —  s.  Gregorovius
a,  a.  O.  S.  501  —  so  zeigt  docli  der  Autor  hier  wie  überall  seine  genaue
Kenntniss  der  Verhältnisse  in  Rom  und  bei  der  Curie.
            
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