Die Idee des deutschen Erhreiclis und die ersten Habsburger.
689
dieselbe hätte sein sollen wie damals, das bleibt fraglich —
von einem Einbeziehen der sicilischen Anjou’s, von der Uebertragung
des arelatischen Reichs an dieselben verlautet nichts,
und so Hesse sich vermuthen, dass man jetzt die Beseitigung
der deutschen Wahlmonarchie ohne die Mitwirkung Siciliens
angestrebt habe.
Dass es sich um Neuerungen bezüglich der Königswahl
handeln sollte, hat man in Deutschland gefürchtet. Fassen wir
nun die einzelnen Punkte ins Auge — die Bereitwilligkeit, mit
der Honorius auf die von deutscher Seite begehrte Entsendung
des Legaten eingeht, die Erhebung des Bischofs von Basel,
des Hauptbeförderers dieser Projecte, auf den Mainzer Erzstuhl
und damit zum ersten der geistlichen Kurfürsten, so
glaube ich in der That Anhaltspunkte genug für die Vermuthung
zu haben, dass es sich hier um einen sehr ernst gemeinten
Versuch gehandelt hat, dass alte Projecte der Umwandlung
des deutschen Wahlreichs in ein Erbreich zu realisiren,
dass Honorius IV. für denselben gewonnen war, 1 und
dass die Erhebung Heinrichs von Basel zum ersten geistlichen
Kurfürsten den Zweck hatte, die Action zu erleichtern. Diese
Action wäre denn Zu Würzburg schon im Keime erstickt
worden — vielleicht so, dass die Opponenten die populäre
Geldfrage in den Vordergrund schoben, um dadurch Alle fortzureissen,
und die den Kurfürsten insbesondere drohende Gefahr
durch Erregung allgemeinen Widerstandes um so sicherer zu
bannen.
Alles Nähere bleibt auch hier wieder dunkel — so
namentlich, ob anderweitig, z. B. bei den weltlichen. Kurfürsten,
vorbereitende Schritte geschehen waren, ob man ihnen
etwa gar schon Concessionen gemacht hatte, die von ihrer
Seite keinen Widerstand mehr befürchten Hessen, und man so
etwa hoffte, da Mainz sicher war, Cöln und Trier durch päpstliche
Pression mürbe zu machen.
1 Die oben S. 687, n. 2 angezogene Stelle Ellenhard’s, dass der Legat
mandato apostolico secundum traditam sibi in sua legatione forraam a
sede praedicta fuisset abusus macht dieser Annahme keine Schwierigkeiten
— einen officiellen Auftrag, auf den er sich hätte berufen können,
zumal dem Nachfolger des inzwischen verstorbenen Honorius gegenüber,
hat der Legat schwerlich gehabt.