Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Idee  des  deutschen  Erbreichs  und  die  ersten  Habsburger.

675

Reichsitalien  gegeben  werden  sollte,  möchte  ich  annehmen  nach
der  Art  und  Weise,  wie  Rudolf  später  gerade  auf  ihn  gerechnet
zu  haben  scheint.  Volle  Klarheit  wird  man  schwerlich  je  über
diese  Dinge  gewinnen.  Wir  haben  freilich  noch  nicht  alles
urkundliche  Material,  das  Aufschluss  bieten  könnte  —  so  z.  B.
kennen  wir  von  vier  nach  ihren  Anfangsworten  citirten  päpstlichen ­
  Urkunden,  die  Nicolaus  in  seiner  Instruction  für  seinen
Gesandten,  den  Bischof  von  Tripolis,  in  bestimmter  Reihenfolge
zu  übergeben  befiehlt,  nur  eine  einzige.  1  Aber  es  scheint  mir
fraglich,  ob  gerade  die  wichtigsten  und  auch  heikelsten  Fragen
bereits  urkundlich  fixirt  waren,  ob  man  nicht  eher  Vieles  der
Erledigung  durch  vertrauliche  mündliche  Verhandlung  überlassen ­
  hat.  Namentlich  einem  päpstlichen  Legaten,  dessen
Entsendung  nach  Deutschland  Rudolf  von  Nicolaus  III.  begehrte
und  zugesichert  erhielt, 2  mag  in  dieser  Richtung  eine  bedeutende ­
  Rolle  zugedacht  gewesen  sein.
Papst  Nicolaus  III.  starb  mitten  in  seiner  rastlosen
politischen  Thätigkeit.  Allen  unerwartet  wurde  der  kräftige
und  rüstige  Mann  am  22.  August  1280  vom  Tode  dahingerafft.
Sein  Tod  musste  verhängnissvoll  werden  für  das  grosse  Werk,
das  er  unvollendet  lassen  musste.  Das  hat  man  in  Deutschland
allem  Anscheine  gleich  eingesehen.  Während  Rudolf  den  von
Nicolaus  III.  noch  zum  Abschluss  gebrachten  Theil  der  politischen ­
  Verhandlungen,  nämlich  die  Herstellung  eines  geregelten ­
  modus  vivendi  mit  dom  Anjou  vollkommen  ausführt,
also  namentlich  seine  Tochter  Clementia  nach  Italien  geleiten
lässt  zum  Vollzug  der  Ehe  mit  Karl  Marteil  von  Anjou,  sehen
wir  ihn  zugleich  heraustreten  aus  der  Reserve,  die  er  sich  bisher
bei  Lebzeiten  Nicolaus  III.  bezüglich  Toscanas  auferlegt  hatte
—  den  Hofkanzler  Rudolf  und  den  Bischof  von  Gurk,  welche
den  Auftrag  erhielten,  die  Prinzessin  Clementia  nach  Italien
zu  führen,  ernannte  er  zugleich  zu  Reichsvicaren  in  Toscana. 3
Wenn  er  aber  so  auch  in  diesem  einen  Punkte  nicht  mehr  auf
dem  Boden  des  dargelegten  Gesammtplans  steht,  so  hat  er
%
1  Von  den  in  der  Urk.  ICopp  Reichsgeschichte  II,  3  S.  333  —  s.  oben
S.  655  n.  1  —  angeführten  Stücken  ist  der  Brief:  In  aliis  identisch  mit
Potthast  Nr.  ‘21334.
2  Kopp  Reichsgeschichte  I,  307  n.  3.
3  Kopp  Reichsgeschichte  II,  3  S.  184  n.  1.
SitzongBber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXXVIII.  Bd.  III.  Hft.

44
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.