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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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B  u  ss  o  n.

liehe  Perspective  eröffnet. 1  Das  ganze  Project,  das  gediehen
war  sogar  bis  zur  Festsetzung  des  Hochzeitstages  für  Hartmann
  und  Johanna,  wurde  vollständig  über  Bord  geworfen
mit  der  totalen  Schwenkung,  welche  die  deutsche  Politik
machte,  indem  sie  die  Uebertragung  des  Arelates  an  Karl
Martell  von  Anjou  ins  Auge  fasste.  Das  lebhafte  Bedauern,
das  man  über  das  Aufgeben  dieser  englischen  Combination
geäussert  hat, 2  vermag  ich  nicht  zu  theilen.  Ich  gebe  gerne
zu,  dass  die  Idee,  dem  deutschen  Reich  durch  eine  englischdeutsche ­
  Coalition  in  seinen  südwestlichen  Grenzländern  eine
starke  Vormauer  zu  sichern,  viel  Bestechendes  hat.  Ich  meine
aber,  in  der  Praxis  würde  sich  die  Sache  viel  weniger  rosig
gestaltet  haben,  als  sie  sich  in  der  Theorie  ausnimmt,  in  der
Praxis  würde  Deutschland  von  kräftiger  englischer  Unterstützung
hier  im  Südwesten  wenig  verspürt  haben.
England  hatte  vor  einem  Menschenalter  mit  dem  wirklich
grossartig  concipirten  Project,  gleichzeitig  in  Sicilien  und  in
Deutschland  die  Erbschaft  der  Staufer  antreten  zu  wollen,
kläglich  Fiasco  gemacht,  und  auch  in  diesem  Moment  war  die
innere  Lage  Englands  nicht  so,  dass  sie  einer  immerhin  auch
weit  angelegten  auswärtigen  Politik  genügende  Grundlage  geboten ­
  hätte.  Der  gegen  Rudolf  geäusserte  Tadel  wegen  des
Aufgebens  dieser  Projecte  mit  England  geht  aus  von  der
Voraussetzung,  dass  Rudolf  in  dieser  ganzen  Angelegenheit
von  Nicolaus  III.  und  Karl  von  Anjou  dupirt  worden  sei,
dass  er  blos  für  die  Aussicht  auf  die  Kaiserkrone  dem  einen
die  Romagna,  dem  andern  das  Arelat  aufzuopfern  bereit  gewesen
wäre,  eine  Auffassung,  die  schwerlich  das  Richtige  trifft.  Die
unzweifelhaften  Ansprüche,  die  nach  den  Anschauungen  der
Zeit  Rudolf  als  römischem  König  auf  die  Kaiserkrone  zustanden,
waren  noch  von  Gregor  X.  immer  aufs  bereitwilligste  anerkannt
worden,  und  man  wird  sehr  gegründete  Zweifel  äussern  dürfen,
ob  Rudolf  und  seine  Staatsmänner  für  die  Realisirung  so

1  Heller  a.  a.  O.  S.  69.  Unbegründet  erscheint  mir  aber  Heller’s  Ausführung, ­
  ,dass  Rudolf  ganz  gewiss  nicht  so  weit  aussehende  Pläne  hatte 1 ,
dass  ihm  nur  an  der  Verschwägerung  mit  dem  alten  Hause  Plantagenet
gelegen.  Wir  wissen  über  Rudolfs  persönliches  Verständniss  für  die  Tragweite ­
  dieses  Plans  gar  nichts.
2  Heller  a.  a.  O.  S.  70.
            
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