Die Idee des deutschen Erbreichs und die ersten Habsburger.
641
von Montferrat und andern Ghibellinen Oberitaliens, später
auch mit dem mächtigen Genua, seinem römischen Königthum
einige Bedeutung verschafft hatte, bewog, seine Ansprüche auf
das römische Reich aufzugeben. 1
Gregor war höchst zufrieden, dass wieder ein allgemein
anerkannter römischer König existirte, er hoffte denselben, da
Rudolf sich ihm gegenüber äusserst zuvorkommend bewies, mit
grösstem Nutzen für seine Lieblingsidee eines allgemeinen
Kreuzzugs verwenden zu können. Er war gern bereit, ihm die
Kaiserkrone aufzusetzen, um die Eintracht zwischen Papstthum
und Kaiserthum vollständig herzustellen, und so die altehrwürdigen
Ordnungen der Christenheit neu zu begründen. Aber
die unerlässlichen Vorbedingungen für die Erreichung dieser
schönen Ziele hat er nie begriffen, er hat vor allem nicht eingesehen
, dass es eine italienische Frage gab, die unbedingt
gelöst werden musste, sollte anders die einfache Restaurationspolitik,
die er betrieb, Erfolg haben.
In Italien war an die Stelle der mehr und mehr verschwindenden
deutschen Herrschaft der Einfluss der neuen
französischen Dynastie Siciliens getreten, in Oberitalien ebenso
wie in Mittelitalien. Karl von Anjou, den die Curie nach
Italien berufen hatte, um das schlimmste Schreckbild der
päpstlichen Politik, die Einigung der ganzen Halbinsel unter
einem Scepter, das Ziel der Staufer, zu bannen, war auf dem
besten Wege selbst die einheitliche Herrschaft über Italien
herzustellen. Man kann mit gutem Grund behaupten, dass er
mit seinem erfolgreichen Streben nach diesem Ziel der Curie
gefährlicher war als einst Friedrich II.
Der erste französische König Siciliens ist gewiss eine
höchst unliebenswürdige Persönlichkeit, aber er ist ein bedeutender
Politiker. Nirgends treten seine staatsmännischen Eigenschaften
glänzender zu Tage, als in seinem Verhältniss zur
Curie. Karl von Anjou ist stets von ganz tadelloser Devotion
gegen das Oberhaupt der Christenheit, das für ihn auch noch
die Stelle eines obersten Lehnsherrn einnimmt. Aber er besitzt
zugleich das eigenthümliche Geschick, das oft französische
1 S. meine ,Doppehvahl des Jahres 1257' 8. 107 ff. und Ko pp Reichsgeschichte
II, 3. S. 6 ff.