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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Die  Idee  des  deutschen  Erbreichs  und  die  ersten  Habsburger.

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von  Montferrat  und  andern  Ghibellinen  Oberitaliens,  später
auch  mit  dem  mächtigen  Genua,  seinem  römischen  Königthum
einige  Bedeutung  verschafft  hatte,  bewog,  seine  Ansprüche  auf
das  römische  Reich  aufzugeben. 1
Gregor  war  höchst  zufrieden,  dass  wieder  ein  allgemein
anerkannter  römischer  König  existirte,  er  hoffte  denselben,  da
Rudolf  sich  ihm  gegenüber  äusserst  zuvorkommend  bewies,  mit
grösstem  Nutzen  für  seine  Lieblingsidee  eines  allgemeinen
Kreuzzugs  verwenden  zu  können.  Er  war  gern  bereit,  ihm  die
Kaiserkrone  aufzusetzen,  um  die  Eintracht  zwischen  Papstthum
und  Kaiserthum  vollständig  herzustellen,  und  so  die  altehrwürdigen ­
  Ordnungen  der  Christenheit  neu  zu  begründen.  Aber
die  unerlässlichen  Vorbedingungen  für  die  Erreichung  dieser
schönen  Ziele  hat  er  nie  begriffen,  er  hat  vor  allem  nicht  eingesehen ­
  ,  dass  es  eine  italienische  Frage  gab,  die  unbedingt
gelöst  werden  musste,  sollte  anders  die  einfache  Restaurationspolitik, ­
  die  er  betrieb,  Erfolg  haben.
In  Italien  war  an  die  Stelle  der  mehr  und  mehr  verschwindenden ­
  deutschen  Herrschaft  der  Einfluss  der  neuen
französischen  Dynastie  Siciliens  getreten,  in  Oberitalien  ebenso
wie  in  Mittelitalien.  Karl  von  Anjou,  den  die  Curie  nach
Italien  berufen  hatte,  um  das  schlimmste  Schreckbild  der
päpstlichen  Politik,  die  Einigung  der  ganzen  Halbinsel  unter
einem  Scepter,  das  Ziel  der  Staufer,  zu  bannen,  war  auf  dem
besten  Wege  selbst  die  einheitliche  Herrschaft  über  Italien
herzustellen.  Man  kann  mit  gutem  Grund  behaupten,  dass  er
mit  seinem  erfolgreichen  Streben  nach  diesem  Ziel  der  Curie
gefährlicher  war  als  einst  Friedrich  II.
Der  erste  französische  König  Siciliens  ist  gewiss  eine
höchst  unliebenswürdige  Persönlichkeit,  aber  er  ist  ein  bedeutender ­
  Politiker.  Nirgends  treten  seine  staatsmännischen  Eigenschaften ­
  glänzender  zu  Tage,  als  in  seinem  Verhältniss  zur
Curie.  Karl  von  Anjou  ist  stets  von  ganz  tadelloser  Devotion
gegen  das  Oberhaupt  der  Christenheit,  das  für  ihn  auch  noch
die  Stelle  eines  obersten  Lehnsherrn  einnimmt.  Aber  er  besitzt
zugleich  das  eigenthümliche  Geschick,  das  oft  französische

1  S.  meine  ,Doppehvahl  des  Jahres  1257'  8.  107  ff.  und  Ko  pp  Reichsgeschichte ­
  II,  3.  S.  6  ff.
            
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