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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Zur  Kaiserwahl  1619.

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sie  zur  Sitzung-  des  kurfürstlichen  Collegiums  zugelassen,  welche
jedoch,  da  es  bereits  zu  Mittag  ging,  beendet  und  die  nächste
auf  den  29.  d.  M.  angesetzt  wurde.
Den  folgenden  Tag,  d.  i.  am  28.  Juli,  wurden  die  sächsischen ­
  Gesandten  zum  Kurfürsten  von  Mainz  auf  Nachmittag
2  Uhr  geladen  und  als  sie  erschienen  waren,  theilte  ihnen  der
Kurfürst  mit,  dass  an  demselben  Tage  früh  der  kurpfälzische
Gesandte  Hans  Albrecht  von  Solms  bei  ihm  erschienen  sei  und
im  Namen  des  Kurfürsten  ersuchte,  dass  mit  der  Kaiserwahl
nicht  geeilet,  sondern  dass  die  Composition  der  böhmischen
Unruhe  der  Wahl  vorhergehen  möchte.  Die  sächsischen  Gesandten ­
  erklärten  nun  ihrerseits,  dass  sie  in  ihrer  Instruction
gleichergestalt  angewiesen  seien,  ,mit  allem  Fleiss  zu  erinnern,
dass  früher  wegen  Beilegung  der  böhmischen  Unruhen  verhandelt ­
  und  alsdann  die  Wahl  befördert  werden  möchte'.  Der
Kurfürst  antwortete  ihnen  darauf,  dass  er  ihnen  nicht  übel
nehmen  könne,  wenn  sie  nach  der  ihnen  ertheilten  Instruction
bandeln,  ersuchte  sie  aber,  ,sie  mögen  den  Pfälzischen  und
anderen,  wenn  sich  etwa  Difficultäten  über  Verhoffen  ereignen
sollten,  freundlich  zusprechen,  damit  das  Ende  (d.  h.  die
Wahl),  darum  diese  Tagfahrt  principaliter  angesetzt,  erreichet,
Fried  und  Ruhe  im  Reich  gestiftet  und  alle  besorgenden  Ungelegenheiten ­
  abgewendet  werden  möchten'.
An  demselben  Tage  (28.  Juli)  kam  König  Ferdinand  in
Frankfurt  an. 1  Auch  von  den  Böhmen  waren  mittlerweile  Gesandte ­
  in  der  Nähe  der  Stadt  eingetroffen,  um  die  Rechte  der
böhmischen  Kur  in  Anspruch  zu  nehmen  und  auszuüben  und
hatten  an  den  Erbmarschall  und  an  den  Stadtrath  die  Bitte  um
Einlass  gestellt.  Da  die  Frankfurter  Bürgerschaft  ihrerseits  bei
den  Kurfürsten  anfrug,  was  sie  thun  solle,  so  mussten  die
letzteren  schon  jetzt  in  der  böhmischen  Frage  Stellung  nehmen.
Es  handelte  sich  nun  zuerst  darum,  ob  überhaupt  die  böhmische
Gesandtschaft  nach  Frankfurt  einzulassen  und  ob  vom  kurfürstlichen ­
  Collegium  ihre  Botschaft  anzuhören  sei.  Dies  glaubten
die  weltlichen  Kurfürsten  durchsetzen  zu  können,  obwohl  sie
nicht  im  geringsten  Zweifel  darüber  sein  konnten,  dass  das

1  Ueber  den  Tumult  dabei  berichten  die  säebs.  Gesandten  dd.  22.  Juli
1.  August  1619.
            
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