Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Demostlienisclie  Studien.  II.

479

vermochte.  1  Wahrscheinlich  ging-  sie  wie  alle  Massregeln  dieser
verfallenden  Zeit  aus  einem  Compromiss  der  Parteien  hervor
und  hatte  nur  wie  alle  falschen  Compromisse  neues  Misstrauen
und  grössere  Zwietracht  im  Gefolge.  Das  Uebel  sass  tiefer
und  wurde  nicht  von  der  Handvoll  Verräther,  wie  Demosthenes
in  verhängnissvollem  Wahne  zu  glauben  scheint,  nicht  von  jenen
nur,  welche  seine  so  wohlgemeinten  Intentionen  kreuzten,  verschuldet. ­
  Ueber  die  Grundbedingungen  der  Existenz  des  Staates,
hellenischer  Freiheit  und  Unabhängigkeit  gab  es  nicht  eine
Meinung  und  Ueberzeugung,  sondern  schroff  einander  gegenüberstehende ­
  Ansichten.  Die  thrakischen  Plätze,  welche  Demosthenes
nicht  ohne  die  lebhafteste  Sorge  um  Athens  Colonialbesitz  und
die  Freiheit  der  See  in  Philipps  Hände  fallen  sieht,  erklärt
Aeschines  für  Nester,  die  er  auf  seiner  Karte  nicht  zu  finden  weiss. 2
Philipps  Intervention  in  Mittelgriechenland,  welche  Demosthenes
um  Athens  und  Hellas’  Freiheit  zittern  macht,  begrüsst  Aeschines
als  eine  heilige  Mission.  Während  Demosthenes  trotz  allem  was
vorgefallen  den  Gedanken  an  eine  Aussöhnung  mit  Theben
nicht  aufgibt  und  in  einer  Verbindung  mit  diesem  Staate,  etwa
wie  sie  im  Jahre  377  zu  Stande  kam  und  kurz  vor  der  Schlacht
von  Chaeroneia  erneuert  wurde,  das  Heil  hellenischer  Freiheit
sah,  arbeitet  Aeschines  auf  eine  weitere  Demüthigung  und
Schwächung  dieses  Rivalen  Athens  hin.  Und  wie  diese  Politiker
denken  die  Parteien,  die  hinter  ihnen  stehen,  und  keine  von
ihnen  ist  mächtig  genug,  die  andere  dauernd  zu  vernichten.
In  voller  Nacktheit  trat  dieser  Zwiespalt  unter  die  Äugen
des  makedonischen  Herrschers,  der  denselben  mit  genialer
Ueberlegenheit  auszunutzen  verstand.  Demosthenes  selbst  musste,
wie  wir  sahen,  im  Eingang  der  Rede,  mit  welcher  er  Philipp
den  von  den  Athenern  beschworenen  Bundesvertrag  übergab,
constatiren,  dass  die  Gesandten  untereinander  nicht  gleicher
1  Diese  Spielweite  der  Instruction  betont  Aeschines  ausdrücklich  und
Demosthenes  widerspricht  mit  keiner  Thatsache.  RvdGes.  §  104  el  p.Xv
oüv  ^yaO’  o  8r)p.o;  «ütw  xaXfos  l'j'Eiv  e^svEyxETv  p.STa  Kxpprjaltx;  7tpo?  <I>iXu;-ov
0rjßod(ov  p.sv  rapiEXsiv  xr;V  ußptv,  ßoiwxfiv  8’  dvaoTrjaai  t«  teIpj,  Taut’  av
vjiJuxxEv  sv  tS>  •  vuv  8 1  aurot;  iiiv  /.atsXi~ov  xrjv  ei?  to  a-pave?  ava-«popav,
  av  u.'/j  ti  jEsiOwaiv,  iv  rjp.Tv  3’  ajroxivSuvsiEiv  m^Orjaav  8eTv.
2  Aesch.  RgKtes.  §  82  outo;  ian'i,  w  a.  ’A.,  b  r.p&to;  E?Eupwv  Ss'ppsiov  xsij(os
xai  Aoplaxov  xai  ’Epy(ax»)V  xai  Mupxr|vbv.  xai  Tavov  xat  TaviaSa  ywplx,  wv
ou8i  xa  ovop.ar’  7)os{xev  7:poT£pov.

31*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.