Demostlienisclie Studien. II.
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vermochte. 1 Wahrscheinlich ging- sie wie alle Massregeln dieser
verfallenden Zeit aus einem Compromiss der Parteien hervor
und hatte nur wie alle falschen Compromisse neues Misstrauen
und grössere Zwietracht im Gefolge. Das Uebel sass tiefer
und wurde nicht von der Handvoll Verräther, wie Demosthenes
in verhängnissvollem Wahne zu glauben scheint, nicht von jenen
nur, welche seine so wohlgemeinten Intentionen kreuzten, verschuldet.
Ueber die Grundbedingungen der Existenz des Staates,
hellenischer Freiheit und Unabhängigkeit gab es nicht eine
Meinung und Ueberzeugung, sondern schroff einander gegenüberstehende
Ansichten. Die thrakischen Plätze, welche Demosthenes
nicht ohne die lebhafteste Sorge um Athens Colonialbesitz und
die Freiheit der See in Philipps Hände fallen sieht, erklärt
Aeschines für Nester, die er auf seiner Karte nicht zu finden weiss. 2
Philipps Intervention in Mittelgriechenland, welche Demosthenes
um Athens und Hellas’ Freiheit zittern macht, begrüsst Aeschines
als eine heilige Mission. Während Demosthenes trotz allem was
vorgefallen den Gedanken an eine Aussöhnung mit Theben
nicht aufgibt und in einer Verbindung mit diesem Staate, etwa
wie sie im Jahre 377 zu Stande kam und kurz vor der Schlacht
von Chaeroneia erneuert wurde, das Heil hellenischer Freiheit
sah, arbeitet Aeschines auf eine weitere Demüthigung und
Schwächung dieses Rivalen Athens hin. Und wie diese Politiker
denken die Parteien, die hinter ihnen stehen, und keine von
ihnen ist mächtig genug, die andere dauernd zu vernichten.
In voller Nacktheit trat dieser Zwiespalt unter die Äugen
des makedonischen Herrschers, der denselben mit genialer
Ueberlegenheit auszunutzen verstand. Demosthenes selbst musste,
wie wir sahen, im Eingang der Rede, mit welcher er Philipp
den von den Athenern beschworenen Bundesvertrag übergab,
constatiren, dass die Gesandten untereinander nicht gleicher
1 Diese Spielweite der Instruction betont Aeschines ausdrücklich und
Demosthenes widerspricht mit keiner Thatsache. RvdGes. § 104 el p.Xv
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