Demosthetiisclie Studien. II.
457
bestimmten, liegen so klar und vollständig zu Tage, dass es zu
ihrem Verständniss der unerwiesenen und unerweisbaren Annahme
der Bestechung nicht bedarf. Wie hätte der Staat ohne
Heer, ohne Bundesgenossen, mit zerrütteten Finanzen, der nach
Demosthenes’ eigenem G-eständniss an dem Tage, da sich der
erste Hoffnungsschimmer auf Frieden zeigte, abgerüstet, der
im günstigen Fall zu einer kostspieligen Defensive stark genug
war, in dem Augenblick den Kampf gegen Philipp erfolgreich
wieder aufzunelnnen hoffen können, da Philipp mächtiger als
je dastand und nach Olynths Fall völlig unbelästigt seine ganze
Kraft gegen Athen concentriren konnte, da Thebaner wie Phokier
ihn mit offenen Armen zu empfangen bereit waren und auch
im Peloponnes eine mächtige Partei sich für ihn rührte? Zudem
operirte Philipp in Thrakien in der Nähe der athenischen Besitzungen,
welche auf die erste Nachricht von dem Abbruch
der Verhandlungen in Athen unvorbereitet und ungeschützt
das Ziel seines Angriffs werden mussten. Es ist eine Kühnheit,
welche nur der Erfolg entschuldigt, in einem so durchaus
ungleichen Kampfe nicht vom Platze zu weichen; aber nicht
verwerflich zur Besonnenheit zu rathen. Aeschines’ und Eubulos’
Erwägungen siegten. Der philokratische Entwurf ward angenommen.
Ein wichtiges Amendement setzte aber doch die
Opposition durch; die Phokier und Halier wurden nicht ausdrücklich
vom Frieden ausgeschlossen. 1 Praktische Bedeutung
konnte dasselbe zunächst nicht haben, so lange es nicht gelang,
[J.'sv outoc, syparj/E 8’ o ß8sXupo; ilnXozpön];, in txlaypm avt' rar;; auvsßrj
ye'/iaOai ttjv elprjVTjv, oütoi oe toi? p.ETa txut 1 dSixijpaat "ävr' d-oAu>Xs’zaai,
T7]'nxauTZ 8njXXal;ai.
1 Dem. vdGes. § ,159 T)jv te yap siprjvajv, ouyi ouvt]Oevtii)v ü>; |ji£y_slpj)aav
oütoi [to "protov| ,ttXtjv 'AXktov xal <l>toxctüv‘ ypd'iat, äXX’ ävayxacOkvTo;
op 1 ’ju.ro'j tou ibiAoxpdrou; Taüta d7TaXeit|<at, ypatl/at o 1 avTizpu; ’AO^valou;
zai tou? ’AGrjvaitov tjujjtpdyoju; 1 . Vgl. § 278 und Hegesippus RvHal. § 31.
Demnach unterscheidet auch Demosthenes genau zwischen dem Entwurf
des Philokrates und dom beschlossenen Frieden, vgl. EvdGes. § 101 Xe'ys
.... stra to ( l>tXozpaTou; r|r7]cpiop.a zai to tou oprj.ou. — Dass die Gesandten
Philipps den Athenern in der phokischen Frage jede Illusion benahmen,
ergibt sich, abgesehen von der früher festgestellten Bedeutung der demosthenischen
Erklärung am zweitenVerhandlungstage, auch aus anderen Stellen,
z. B. Dem. RvdGes. § 09 zat o u.kv ’AvTtuaTpo; zat o Happ-Evltov SsaTton]
otazovouvTE; zat oü p.=XXovTE; üu.Tv p.ETa tzjt 1 EVTEU^saOat, ou.co; touO’' süpovTO,
[J-'ö. Bl’ auTojv üp.S; E'aTaTpOi|vat ZT/..