Demostlicnische Studien. II.
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abgefassten Anträge an den Schreiber unterliess, verzichtete
selbstverständlich auf die Vornahme der Abstimmung über dieselben,
Demosthenes hatte aber diese Förmlichkeit nicht etwa
schon am ersten Tage erfüllen können, schon deshalb nicht, weil
ihre definitive Formulirung ohne Verhandlung mit Philipps
Gesandten gar nicht möglich war. Es kann also ganz richtig sein,
dass er an dem zweiten Tage sich mit politischen Freunden
berieth, ob er dennoch den Versuch einer Abstimmung riskiren
solle, der freilich nur dann Aussicht auf Verwirklichung hatte,
wenn der Entwurf des Philokrates, den die Gesandten gebilligt
hatten, bei der Abstimmung abgelehnt worden wäre, dessen
Gelingen- aber dann auch mit dem Abbruch der Verhandlungen
gleichbedeutend sein musste. Wenn diese Combination richtig ist,
so sehen wir Demosthenes am zweiten Verhaudlungstage nahe
daran, das von ihm in gutem Glauben und mit redlichem Eifer
aufgeführte Werk der Versöhnung zu zerstören. Dieser Umschwung
war in der That über Nacht erfolgt. Es lag darin
für den oberflächlichen und übelwollenden Beurtheiler eine arge
Inconsequenz, welche Aeschines mit grossem Geschick auszu-.
beuten weiss; für jenen, der sich der Ueberzeugung nicht verschliessen
will, dass es Demosthenes nicht auf den Frieden um
jeden Preis, nicht auf den Frieden als solchen, sondern auf die
durch den Frieden zu erlangende Sicherstellung Athens für die
Zukunft ankam, liegen die Motive dieser Schwenkung klar genug
vor, wenn er nur einen vorurtheilsfreien Blick auf die Verhandlungen
des ersten Tages wirft, so unentwirrbar und widerspruchsvoll
die Berichte darüber auch lauten mögen.
Als die Gesandten Philipps in Athen erschienen, erhielten
sic, wie das üblich war, zunächst Zutritt zu der Bule, 1 um
ihres Königs Botschaft zu bestellen. Dass dieselbe die guten
Hoffnungen, an denen Demosthenes bis dahin festgehalten hatte,
völlig vernichten musste, ersieht man aus dem Friedensentwurf,
den Philokrates im Einklang mit der Antwort Philipps und auf
Grund dieser ersten Verhandlung mit den Gesandten ausarbeitete
und am ersten Verhandlungstage der Volksversammlung,
in welcher jene von dem Rathe vorgestellt wurden, empfahl
1 Vgl. die oben S. 440 besprochene Inschrift CIA. II nr. 49 jrepi «>v Ärpouaiv
iv xrj ßouXrj ol 7;ps'aßei<;, allerdings mit starker, aber nicht unsicherer Ergänzung,
und Pollux VITI 95,