Demosthenisclie Studien. If.
4U5
scharfem Gegensatz. Während Demosthenes in wohlverstandenem
athenischen Interesse für sofortige Inangriffnahme der Verhandlungen
Vorsorge trifft, will das Synedrion unbestimmten Aufschub
derselben, nämlich bis, wie Aeschines sagt, die seit Jahr und
Tag abwesenden athenischen Gesandten, welche die Hellenen
zum Kampf gegen Philipp aufzufordern abgeschickt waren,
zurückgekehrt seien oder, wie wohl richtiger die Meinung der
Bundesgenossen verstanden wird, bis die Gesandten jener beschickten
hellenischen Städte in Athen eingetroffen; aber auch
dann noch nicht einen definitiven Abschluss, sondern es soll
noch weitere drei Monate darüber hinaus jedem hellenischen
Staate der Beitritt zum Frieden offen sein. Allerdings verwahrt
sich das Synedrion nicht ausdrücklich mit Worten gegen das
Biindniss. Aber dieser ganze Inhalt seines Antrags ist doch augenscheinlich
nur unter der Voraussetzung einigermassen verständlich
und annehmbar, wenn es nicht auf den Abschluss eines
Bundesvertrags, sondern auf das Zustandekommen eines einfachen
Friedens abgesehen war: denn die Bestimmung des Volksbeschlusses
von 01. 100, ff über den Seebund (CIA. II 1 nr. 17
Z. 69 sic 3s tyjv (mj[Xr,]v Taöfvp «vaypaipEiv tiov ts oüa[wv] -cäsiov
gu|j.[ax'/J3o)v -ä ovoiAxta xai ['</]"'■; <31v äbXv) cu'-ip-a/oc yiyrqxoa) kann
nicht als ein entsprechendes Analogon betrachtet werden. Damals
handelte es sich um die Vergrösserung eines auf bestimmten
Grundlagen gebildeten Bundesstaates; zwischen Athen und
Makedonien handelte es sich um einen gegenseitigen Staatsvertrag,
welcher durch die Aufnahme einer derartigen Bestimmung
über Nacht ein anderes Gesicht bekommen konnte,
wenn dem einen Paciscenten die Freiheit gewahrt werden sollte,
innerhalb dreier Monate jeden Beliebigen aufzunehmen. Ein
so absonderliches Verlangen konnte das Synedrion nur stellen,
wenn es eben von vornherein den Gedanken an eine Symmachie
mit Philipp ablehnen wollte. Wie aber sollte sie ihren Protest
dagegen deutlicher als durch die Aufstellung solcher Forderungen
aussprechen? Wie sollte das nicht eine förmliche Erklärung
ihrer Absichten sein, wenn sie eine Verhandlung über den
Frieden begehrten, während Athen in Uebereinstimmung mit den
Wünschen Philipps hoffnungsvoll dem Abschluss eines Bündnisses
mit dem mächtigen makedonischen Herrscher entgegensah? Ihr
Schweigen war unter diesen Umständen ein sehr beredtes.