Ueber die possessiven Adjectivn auf om> (uv), ova, ovo ira Slavischen. 265
hier vor, der Unterschied bestellt nur darin, dass das Lithauische
das Nominativzeichen s im Auslaute behält, wodurch auch das
i mehr geschützt wird, während im Böhmischen das s nach
slavischen Lautgesetzen schon in dem Pronomen jis abfiel und
i sich sodann abschliff, sowie es der Fall bei müj, tvüj, svüj
ist. Durch das Hinzutreten des Pronomens ji an den complexiven
Genitiv Plur. Havlü wird die plurale Bedeutung des
Genitivs Havlü eben gedämpft und aus dem Complex sozusagen
wieder ein Einzelner gebildet. Jedoch fühlt gut die Volkssprache,
dass die Form Havlüj nur eine Nebenform der Form
Havlü ist, und daher declinirt sie die Form Havlüj nicht, weil
eben die Form Havlü als Genitiv Plur. weiter auch nicht
declinirbar ist. Die Volkssprache ist sich also dessen bewusst
geblieben, dass die Form Havlüj nur eine Abart der Form
Havlü sei. Hat sich nun die Form auf üj statt des Genitivs
auf ü bei Personennamen festgesetzt, so konnte sie dann, da ja
der Genitiv Plur. adjectivisch gebraucht wurde, auch in sousedüj,
bratrüj . . eintreten. Jedoch wird diese Form auch in solchen
Fälleu nie declinirt. Dass auch das entsprechende Femininum
zu ihr (etwa Havlüja) nicht gebildet wurde, hat darin seinen
Grund, weil eben der alte Genitiv Sing, auf ova (Havlova) als
Adjectiv sich festsetzte, und hier sodann keine Modification
der Bedeutung, hiemit auch kein Suffix nöthig war, da ja die
Form auf ova nur die Einzahl in sich involvirt, während bei
dem pluralen ü durch das Hinzufügen des ji die Pluralbedeutung
abgeschwächt wurde.
Fragen wir nun, wann die Form auf üj in Gebrauch kam,
so können wir diese Frage lösen, wenn wir der Entstehung
des Genitivs Plur. auf ü unser Augenmerk zuwenden; denn
die Form auf üj konnte sich erst entwickeln, als ü schon da
war. Forschen wir also nach, wie aus dem öv durch den
Uebergang des 6 in wo hier uov, sodann nach Abfall des v nur
wo oder ü entsteht.
Der Uebergang des 6 in uo tritt zunächst in Wurzelsilben
oder in Zusammensetzungen mit Präpositionen ein, während
sich öv im Genitiv Plur. noch lange behauptet. Im 11 äd präva
zemskeho (1848 —1355 lateinisch verfasst, bald darauf in’s
Böhmische übersetzt) und beim Tkadleöek, der in der zweiten
Hälfte des 14. Jahrhunderts literarisch thätig war, findet man