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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Ueber  die  possessiven  Adjectivn  auf  om>  (uv),  ova,  ovo  ira  Slavischen.  265

hier  vor,  der  Unterschied  bestellt  nur  darin,  dass  das  Lithauische
das  Nominativzeichen  s  im  Auslaute  behält,  wodurch  auch  das
i  mehr  geschützt  wird,  während  im  Böhmischen  das  s  nach
slavischen  Lautgesetzen  schon  in  dem  Pronomen  jis  abfiel  und
i  sich  sodann  abschliff,  sowie  es  der  Fall  bei  müj,  tvüj,  svüj
ist.  Durch  das  Hinzutreten  des  Pronomens  ji  an  den  complexiven
  Genitiv  Plur.  Havlü  wird  die  plurale  Bedeutung  des
Genitivs  Havlü  eben  gedämpft  und  aus  dem  Complex  sozusagen
wieder  ein  Einzelner  gebildet.  Jedoch  fühlt  gut  die  Volkssprache, ­
  dass  die  Form  Havlüj  nur  eine  Nebenform  der  Form
Havlü  ist,  und  daher  declinirt  sie  die  Form  Havlüj  nicht,  weil
eben  die  Form  Havlü  als  Genitiv  Plur.  weiter  auch  nicht
declinirbar  ist.  Die  Volkssprache  ist  sich  also  dessen  bewusst
geblieben,  dass  die  Form  Havlüj  nur  eine  Abart  der  Form
Havlü  sei.  Hat  sich  nun  die  Form  auf  üj  statt  des  Genitivs
auf  ü  bei  Personennamen  festgesetzt,  so  konnte  sie  dann,  da  ja
der  Genitiv  Plur.  adjectivisch  gebraucht  wurde,  auch  in  sousedüj,
bratrüj  .  .  eintreten.  Jedoch  wird  diese  Form  auch  in  solchen
Fälleu  nie  declinirt.  Dass  auch  das  entsprechende  Femininum
zu  ihr  (etwa  Havlüja)  nicht  gebildet  wurde,  hat  darin  seinen
Grund,  weil  eben  der  alte  Genitiv  Sing,  auf  ova  (Havlova)  als
Adjectiv  sich  festsetzte,  und  hier  sodann  keine  Modification
der  Bedeutung,  hiemit  auch  kein  Suffix  nöthig  war,  da  ja  die
Form  auf  ova  nur  die  Einzahl  in  sich  involvirt,  während  bei
dem  pluralen  ü  durch  das  Hinzufügen  des  ji  die  Pluralbedeutung ­
  abgeschwächt  wurde.
Fragen  wir  nun,  wann  die  Form  auf  üj  in  Gebrauch  kam,
so  können  wir  diese  Frage  lösen,  wenn  wir  der  Entstehung
des  Genitivs  Plur.  auf  ü  unser  Augenmerk  zuwenden;  denn
die  Form  auf  üj  konnte  sich  erst  entwickeln,  als  ü  schon  da
war.  Forschen  wir  also  nach,  wie  aus  dem  öv  durch  den
Uebergang  des  6  in  wo  hier  uov,  sodann  nach  Abfall  des  v  nur
wo  oder  ü  entsteht.
Der  Uebergang  des  6  in  uo  tritt  zunächst  in  Wurzelsilben
oder  in  Zusammensetzungen  mit  Präpositionen  ein,  während
sich  öv  im  Genitiv  Plur.  noch  lange  behauptet.  Im  11  äd  präva
zemskeho  (1848  —1355  lateinisch  verfasst,  bald  darauf  in’s
Böhmische  übersetzt)  und  beim  Tkadleöek,  der  in  der  zweiten
Hälfte  des  14.  Jahrhunderts  literarisch  thätig  war,  findet  man
            
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