Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

256

Gotthard.

Sinne,  d.  h.  einem  Geschlechte  (rodu),  das  aus  mehreren
Familien  im  engeren  Sinne  bestand,  gemeinschaftlich;  alle
Mitglieder  hatten  gleiches  Recht  auf  den  Nutzgenuss,  und
gingen  die  Glieder  auseinander,  so  theilten  sie  Gut  und  Habe
zu  gleichen  Theilen  untereinander.  In  einer  solchen  Zeit
schwand  der  Einzelne,  und  der  Complex  dieser  Glieder  trat  in
den  Vordergrund.  Der  Complex,  dem  der  Einzelne,  der  sich
nur  durch  den  Vornamen  von  den  Uebrigen  unterschied,  angehörte, ­
  trat  in  den  Genitiv  Plur.  Und  diese  Sitte  erhielt
sich  im  gewöhnlichen  Leben  bei  dem  Volke  bis  heutzutage,
obgleich  die  Verhältnisse  schon  seit  vielen  Jahrhunderten  sich
geändert  haben,  und  Jeder  schon  als  einzeln  stehendes  Individuum ­
  im  öffentlichen  Leben  in  den  Vordergrund  tritt.  Wenn
also  in  der  alten  Zeit,  wo  der  Einzelne  in  der  Familie  aufging, ­
  die  Familienglieder  sich  trennten  und  neue  Familiengruppen ­
  gründeten,  so  Messen  die  neuen  Familienglieder,
deren  Gründer  ein  Pavel,  Havel,  Petr  war,  Pavlove,  Ilavlove,
Petrove,  und  nicht  Pavlovi,  Havlovi,  Petrovi;  und  so  entstanden
Familien  der  Pauls,  Peters  .  .  (rodiny  Pavlü,  Havlü,  Petra,  viz
Mill.  ,dum  Pavlöv  slovieSe 1 ,  wo  Pavlöv  Genitiv  Plur.  ist),  und
deshalb  sagt  man  noch  jetzt  u  Pavlü,  u  Havlü,  u  Petrü,  und
nicht  u  Pavlovych,  u  Havlovych,  u  Petrovych;  ebenso  sagt  man
im  Dativ  k  Pavlovilm,  k  Havlovüm,  k  Petrovum  (vgl.  den  altböhmischen
  Dativ  bohovöm  und  den  noch  existirenden  Dativ
k  slddkuvüm),  und  nicht  Ic  Pavlovym,  Je  Havlovym,  k  Petrovym,
wie  wir  ja  erwarten  möchten,  wenn  Pavlü,  Havlü,  Petrü  .  .  .
Adjectiva  wären.  Und  so  gibt  es  noch  heutzutage  Dörfer,  wo
das  Haupt  der  Familie  selbst,  obgleich  es  z.  B.  Paclita  heisst,
von  sich  selbst  sagt:  Ja  jsem  Pachtü,  indem  es  sich  als  ein
Glied  der  Familie  Paclitü  fühlt.  Die  löblichen  k.  k.  Aemter
könnten  am  besten  Zeugniss  ablegen,  wie  oft  diese  Bezeichnung ­
  durch  den  Plural  Schwierigkeiten  macht.  So  nennt  sich
oft  mancher  Landmann  nur  mit  dem  Complexiv-Ausdruck,
z.  B.  tit.arkü,  ob  er  StdreJc  oder  Starlca  heisst,  weiss  er  selbst
nicht  zu  entscheiden.  Und  so  findet  man  unter  Blutsverwandten,
dass  der  Eine  Pavel,  Havel  .  .,  der  Andere  Pavlü,  Havlü  .  .
sich  schreibt,  je  nachdem  er  in  die  Matrik  bei  der  Taufe  mit
dem  Complexiv  Ausdruck  nach  der  Volkssitto,  oder  mit  dem
ihm  entsprechenden  Singular  eingetragen  war.  Diese  Com-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.