Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Ueber  die  possessiven  Adjeetiva  auf  oui  (uv),  ova,  ovo  im  Slavisclien.

243
Mühlhausen  bis  an  Pribram  hinziehe,  seien  diese  Adjeetiva  mit
unbestimmter  Endung  ganz  gewöhnlich  (souseduj  dum,  bratruj
kabdt,  Pepikuj  statek,  tatinkuj  syn  u.  s.  w.).  Hier  muss  ich
dem  Herrn  Prusik  widersprechen.  Herr  Prusik  lebt  gegenwärtig ­
  in  Pribram, 1  und  dort  mag  er  solche  Formen  gehört ­
  haben;  in  Poöätek  und  in  Stitne  hört  man  sie  nicht.
Auch  hinter  Poöätek  bis  Iglau  kommen  diese  Formen  nicht
vor.  Die  Gegend  von  der  mährischen  Westgrenze  über
Poöätek  kenne  ich  genau  und  kann  versichern,  dass  weder
ich  noch  meine  Schüler  aus  jener  Gegend  diese  Formen  je
gehört  haben.  Auch  aus  Stitne  oder  aus  der  Umgebung  von
Stitne  stammende  Schüler  kennen  diese  Formen  nicht.  Wie
ist  also  Herr  Prusik  auf  diesen  Gedanken  gekommen?  Weil
er  eben  die  oben  angeführten  Adjeetiva  streduji  und  hoduji,
die  bei  Tomäs  ze  Stitneho  Vorkommen,  mit  der  Spracheigenthümliellkeit
  bei  Pribram  und  Mühlhausen  in  Verbindung
brachte,  glaubte  er,  dass  eben  diese  Formen  in  Stitne  üblich
sind,  was  jedoch  nicht  der  Fall  ist.  Dass  er  im  Jahre  1875
selbst  davon  nichts  wusste  und  erst  jetzt  durch  die  Formen
hoduji  und  streduji,  die  bei  Tomäs  ze  Stitneho  Vorkommen,
auf  den  Gedanken  gebracht  wurde,  erhellt  aus  der  Zeitschrift
Filologicke  Listy,  wo  er  selbst  S.  231  bei  dieser  Spraclierscheinung
  nur  auf  Pribram  und  Mühlhausen  hinweist  und
von  Pocätek  und  Stitne  keine  Erwähnung  thut.  Da  in  Stitne
Formen  auf  uj  (üj)  nicht  zu  hören  sind,  und  in  den  genug  zahl-1

  Die  Abhandlung  ist  im  Juni  1877  vorgelegt  und  absichtlich  nicht  geändert ­
  worden.  Meine  neuerdings  angesteilten  Nachforschungen  in  Pocätek
und  Stitne  durch  den  Septimaner  Joseph  Nemec  aus  Pocätek  und  durch  den
Sextaner  Franz  Bednär  aus  Stitne  bestätigen,  dass  man  die  Formen  auf  uj
in  Poöätek  und  Stitne  nirgends  hört.  Beide  Schüler  stimmten  darin  überein,
dass  man  dort  —  sowie  in  der  Volkssprache  überhaupt  —  das  v  abwirft
(z.  B.  bratrü  kabdt)  und  die  Länge  wenig  beachtet.  (Vgl.  auch  den  Dat.
Plur.  auf  üm  z.  B.  chlap'äm,  wo  die  Länge  des  Vocals  in  der  Volkssprache
ebenfalls  nicht  beachtet  wird.)  Bei  Schriftstellern  fand  ich  diesen  Vorgang
zuerst  bei  Personennamen  in  der  böhmischen  Kosmographie  des  Sigmund
z  Puchova  J.  1554  z.  B.  S.  251  dva  obrazy,  jeden  Scipionu  a  druliy
Hannibalu  v.  S.  708  Darius  .  .  syn  Hystaspu.  Bei  gewöhnlichen  Schreibern, ­
  wie  z.  B.  im  Neuhauser  Grundbuche  Nr.  T,  findet  man  Formen  auf
n  (neben  vov  und  uo)  sowohl  im  Genitiv  Plur.  als  beim  Adjectiv  (z.  B.
Ptäcku)  schon  um  das  Jahr  1485.

16*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.