Ueber die possessiven Adjeetiva auf oui (uv), ova, ovo im Slavisclien.
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Mühlhausen bis an Pribram hinziehe, seien diese Adjeetiva mit
unbestimmter Endung ganz gewöhnlich (souseduj dum, bratruj
kabdt, Pepikuj statek, tatinkuj syn u. s. w.). Hier muss ich
dem Herrn Prusik widersprechen. Herr Prusik lebt gegenwärtig
in Pribram, 1 und dort mag er solche Formen gehört
haben; in Poöätek und in Stitne hört man sie nicht.
Auch hinter Poöätek bis Iglau kommen diese Formen nicht
vor. Die Gegend von der mährischen Westgrenze über
Poöätek kenne ich genau und kann versichern, dass weder
ich noch meine Schüler aus jener Gegend diese Formen je
gehört haben. Auch aus Stitne oder aus der Umgebung von
Stitne stammende Schüler kennen diese Formen nicht. Wie
ist also Herr Prusik auf diesen Gedanken gekommen? Weil
er eben die oben angeführten Adjeetiva streduji und hoduji,
die bei Tomäs ze Stitneho Vorkommen, mit der Spracheigenthümliellkeit
bei Pribram und Mühlhausen in Verbindung
brachte, glaubte er, dass eben diese Formen in Stitne üblich
sind, was jedoch nicht der Fall ist. Dass er im Jahre 1875
selbst davon nichts wusste und erst jetzt durch die Formen
hoduji und streduji, die bei Tomäs ze Stitneho Vorkommen,
auf den Gedanken gebracht wurde, erhellt aus der Zeitschrift
Filologicke Listy, wo er selbst S. 231 bei dieser Spraclierscheinung
nur auf Pribram und Mühlhausen hinweist und
von Pocätek und Stitne keine Erwähnung thut. Da in Stitne
Formen auf uj (üj) nicht zu hören sind, und in den genug zahl-1
Die Abhandlung ist im Juni 1877 vorgelegt und absichtlich nicht geändert
worden. Meine neuerdings angesteilten Nachforschungen in Pocätek
und Stitne durch den Septimaner Joseph Nemec aus Pocätek und durch den
Sextaner Franz Bednär aus Stitne bestätigen, dass man die Formen auf uj
in Poöätek und Stitne nirgends hört. Beide Schüler stimmten darin überein,
dass man dort — sowie in der Volkssprache überhaupt — das v abwirft
(z. B. bratrü kabdt) und die Länge wenig beachtet. (Vgl. auch den Dat.
Plur. auf üm z. B. chlap'äm, wo die Länge des Vocals in der Volkssprache
ebenfalls nicht beachtet wird.) Bei Schriftstellern fand ich diesen Vorgang
zuerst bei Personennamen in der böhmischen Kosmographie des Sigmund
z Puchova J. 1554 z. B. S. 251 dva obrazy, jeden Scipionu a druliy
Hannibalu v. S. 708 Darius . . syn Hystaspu. Bei gewöhnlichen Schreibern,
wie z. B. im Neuhauser Grundbuche Nr. T, findet man Formen auf
n (neben vov und uo) sowohl im Genitiv Plur. als beim Adjectiv (z. B.
Ptäcku) schon um das Jahr 1485.
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