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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Xieber  die  possessiven  Adjectiva  auf  oin>  (ho),  uva,  uvu  im  Slaviscbon.  ‘231
tiven,  ohne  dass  in  diesem  ov  die  individualisirende  Beziehung ­
  läge.
6.  Schleicher  meint  ferner,  dass  man  bei  der  bisherigen  Ansicht, ­
  ov  sei  aus  u  (y,  h)  entstanden,  eine  totale  Desorganisation
in  der  Sprache  statuiren  müsste,  da  man  bei  den  i'-Stämmen  einzelne ­
  Formen,  wie  z.  B.  patevi,  für  sehr  unorganisch  erklären
müsste,  bei  den  Adjectiven  dagegen,  die  in  der  That  mit
«-Stämmen  Zusammenhängen  (wie  z.  B.  chytn  lith.  Jcytrils,  sytb
litli.  sotus)  und  ganz  organisch  ov  hätten  entwickeln  können,
die  Formen  mit  ov  vermisse.  —  Dagegen  führe  ich  nur  Folgendes
an.  Wenn  es  auch  im  Sanskrit  Adjectiva  gibt,  deren  Stamm
auf  u  auslautet,  und  wenn  man  demnach  auch  nach  den
lithauischen  Formen  kytrus  und  sotils  schliessen  könnte,  dass
auch  im  Slavischen  die  Adjectiva  chytn  und  syU  als  «-Stämme
aufzufassen  seien,  so  ist  es  doch  sicher,  dass  das  Slavische
einen  Unterschied  zwischen  den  aus  «-  und  zwischen  den  aus
«-Stämmen  hervorgegangenen  Adjectiven  cliytn,  syto  nicht
kennt;  denn  hätte  die  Sprache  einen  Unterschied  gemacht,  so
würde  das  Femininum  und  Neutrum  von  den  angeführten  Adjectiven ­
  cliytn,  syU  nicht  nach  den  «-Stämmen  chytra,  cliytro
—  syta,  syto  lauten  können.  Die  Bildung  des  Femininums  und
Neutrums  bezeugt  eben,  dass  die  Sprache  im  Slavischen  chytn
und  sytb  ursprünglich  als  «-Stämme  gefühlt  hat,  und  die
lithauischen  Formen  kytvils  und  soths  legen  nur  ein  günstiges
Zeugnis  für  meine  Auffassung  vor,  dass  nämlich  die  «-Stämme,
bevor  sie  im  Masculinum  ?,  eintreten  Hessen,  in  der  Urzeit  schon
das  «,  zu  u  schwächten.  Warum  weder  die  aus  a  zu  u  (später
im  Nom.  Sing,  zu  ^)  geschwächten  Adjectiva,  noch  die  Adjectiva ­
  mit  ursprünglichem  n,  wenn  sie  im  Slavischen  (obwohl
es  nicht  erwiesen  ist)  vorkämen,  die  Silbe  ov  annehmen,  haben
wir  schon  unter  2.  beleuchtet.  Wenn  nun  Schleicher  bei  den
/-Stämmen  männlichen  Geschlechtes  z.  B.  gospodb,  harte  Formen
gospoda,  gospodu,  für  ganz  regelrecht  durch  das  Umspringen
der  immer  selteneren  /-Declination  in  die  Declination  der  ursprünglichen ­
  a-Stämme  erklärt  und  darin  keine  Desorganisation
in  der  Sprache  sieht,  so  kann  man  umsoweniger  darin  eine
Desorganisation  in  der  Sprache  sehen,  wenn  bei  den  i-Stämmen
hie  und  da  auch  Fälle  Vorkommen,  wo  (wie  z.  B.  in  patevi)
die  /-Stämme  nach  den  ursprünglichen  weichen  «-Stämmen  —
            
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