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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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Gotthard.

alten  Formreichthum  verlieren.  —  Dass  sich  die  Formen,
d.  h.  die  Endlaute  der  Casus,  immer  mehr  in  der  Sprache
abschleifen,  daran  zweifelt  jetzt  wohl  Niemand.  Dass  auch
StammerWeiterungen  verschwinden  können,  davon  haben  wir
freilich  bei  den  neutralen  Stämmen  auf  es  einige  Beispiele.
So  lautete  z.  B.  von  nebe  (Stamm  nebes)  der  Gen.  Sing,  nebese,
Dat.  Sing,  nebesi  .  .  .,  Nom.  Plur.  nebesa  .  .  .,  später  richtete
sich  die  Sprache  jedoch  nach  dem  Nom.  Sing,  und  declinirte
sodann  nebe  wie  -pole.  Dagegen  haben  wir  bei  den  übrigen  consonantischen
  Stämmen  reichlichere  Fälle,  wo  sich  die  Sprache
nicht  nach  der  bereits  abgeschliffenen  Nominativform  des
Singulars  richtet,  sondern  den  Stamm,  wie  er  im  Plural
sich  vorfindet,  als  Grundlage  nimmt  und  einen  neuen  Singular
ganz  symmetrisch  zum  Plural  bildet.  So  lautet  z.  B.  zu
dem  schon  selteneren  bfime  der  Gen.  Sing,  bremene,  Dat.
Sing,  bremeni  .  .  .,  Nom.  Plur.  bremena.  Im  Laufe  der  Zeit
bildet  nun  die  Sprache  einen  neuen  Nom.  Sing,  bremeno,  und
so  entstehen  Formen,  zu  deren  Entstehen  der  Plural  die  Veranlassung ­
  gab.  Ebenso  sind  dei,  sesti  verschwunden  und  symmetrisch ­
  zum  Plural  deery,  sestry  neue  Nominative  im  Singular,
deera,  sestra  entstanden.  Es  geben  also  Stämme  auf  es,  auf
die  Schleicher  hindeutete,  keinen  Ausschlag,  da  ja  wiederum
andere  Stämme  den  bereits  im  Nom.  Sing,  abgeschliffenen
Stamm  durch  neue  Nominativbildung,  den  sie  dem  Nom.  Plur.
anpassen,  wieder  durch  den  aus  dem  Plural  entlehnten  Stamm
ersetzen.  Jedoch  gebe  ich  zu,  dass  sowohl  bei  den  ursprünglichen ­
  «  Stämmen  als  bei  den  «-Stämmen  die  Vocale  sich  immer
mehr  abschleifen,  bis  sie,  wie  ja  schon  das  Altböhmische
zeigt,  im  Nom.  Sing,  spurlos  verschwinden.  Weil  eben  sowohl
der  a-  als  der  «-Laut  zu  ^  herabsinken,  und  selbst  dieser
Halblaut  in  einigen  slavischen  Sprachen  spurlos  verschwindet,
in  anderen  lebenden  Sprachen  zwar  geschrieben,  aber  nicht
ausgesprochen  wird,  so  ist  es  begreiflich,  dass  auch  die  ursprünglichen ­
  «-Stämme  die  Casus  bilden  konnten,  ohne  dass
in  ihnen  ov  zum  Vorschein  kommt.  Die  Behauptung  Schleieher’s,
dass  in  der  späteren  Sprache  die  Formen  mit  ov  häufiger  auftreten,
  ist  nur  insofern  wahr,  dass  eben  die  Casus,  die  das  ov
entwickelten  und  im  Gebrauche  sich  erhielten,  später  theils  des
grösseren  Gewichtes,  theils  der  etwas  moditicirten  Bedeutung
            
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