Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich  Christoph  Schlosser.

215

Methoden  hei  Erforschung  derselben  zur  Anwendung  kämen,
die  dem  Begriff  der  Welt  und  Menschheit  in  seinem  ganzen
Umfange  entsprechen.  Da  aber  diese  Methoden  alle  Gebiete
des  menschlichen  Wissens  umspannen  müssten,  weil  sich  in
der  Geschichte  der  Menschheit  alle  Thätigkeit  der  Menschen
mit  allen  Kräften  der  Natur  in  causalem  Zusammenhang  befinden ­
  ,  wenn  es  überhaupt  eine  Wissenschaft  der  Geschichte
in  dem  Sinne  von  allem  Geschehenen  geben  sollte,  so  folgt
weiters,  dass  für  die  blosse  historische  Forschung  ein  grosser
Theil  der  sich  darbietenden  Thatsachen  immer  unerreichbar
sein  wird.  Soll  also  die  historische  Wissenschaft  als  ein  in
sich  ruhendes  Gebiet  der  allgemeinen  Erkenntniss  eine  bestimmte ­
  abgegrenzte  Stelle  einnehmen  und  demgemäss  innerhalb ­
  des  ganzen  Gebietes  von  dem,  was  der  Mensch  überhaupt
weiss  und  erforscht,  auch  eine  erfüllbare  Aufgabe  besitzen,  so
bleibt  sie  darauf  angewiesen,  sich  auf  jene  Wirkungen  zu  beschränken, ­
  deren  Ursachen  auf  ihrem  Wege,  vermöge  ihrer
Methoden  der  Forschung  gefunden  werden  können.  Sie  kann
also  auch  nicht  hoffen,  sofern  sie  auf  dem  Wege  ihrer  Erfahrung ­
  vorgeht,  und  es  unterlässt,  in  andere  Wissenschaften
überzugreifen,  eine  Erklärung  jener  Erscheinungen  zu  finden,
welche  für  den  Bestand  der  Welt  und  der  darauf  wohnenden
Menschheit  in  irgend  einem  gegebenen  Zeitpunkt  maassgebend
wären.
Wenn  aber  das  Forschungsgebiet  der  eigentlichen  Geschichte ­
  nicht  alle  Aeusserungen  und  Wirkungen  des  Welt-  und
Menschenlebens  umspannt,  sondern  nur  auf  gewisse  Erscheinungen ­
  beschränkt  sein  kann,  so  wird  man  schon  auf  dem
analytischen  Wege  der  Ausschliessung  alles  dessen,  was  nur
durch  mathematische,  naturwissenschaftliche,  philologische  und
andere  Methoden  verstanden  werden  kann,  zu  einer  richtigeren
Vorstellung  von  dem,  was  die  eigentlich  historische  Untersuchung ­
  zu  leisten  hätte,  gelangen.  Es  ist  aber  klar,  dass  die
einzelnen  Wissensgebiete  nicht  bloss  negativ  begrenzt  werden
dürfen,  sondern  dass  auch  die  positiven  Momente  ihres  Inhalts
festzustellen  sind.
Welche  Erscheinungen  nun  der  Historiker  zu  erklären
unternimmt,  geht  aus  den  ihm  zu  Gebote  stehenden  Erkenntnissquellen
  hervor.  Im  Allgemeinsten  handelt  es  sich  dabei  um
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.