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Lorenz.
sichern. Wenn man fürchtet, dass die relativen Werthe als
Maasstab der ßeurtheilung des Einzelnen Willkür und Parteien
in das ,objective Verfahren' der Wissenschaft zu bringen vermöchten,
so wäre erst zu beweisen, dass es früher anders war
und dass etwa Kant, Schlosser oder Schiller mit ihrem absoluten
Maasse zu einer allgemeinen Zustimmung gelangt wären. Allerdings
aber wird die Forschung nach den Werthen erst dann
der Willkür und Laune des Einzelnen mit Nachdruck entgegentreten
können, wenn diese Forschung systematisch und methodisch
und nach logischen Gesetzen geordnet als ein gesicherter
Zweig der Wissenschaft dasteht. 1 So gut man aber heute
1 Dass Letzteres durchaus fehlt, wird nicht bestritteu werden können und
ich möchte ein leises Eingeständnis davon in den Worten Sybel’s erblicken,
wenn er von Niebuhr sagt: ,Eine andere Consequenz seines
höchsten Grundsatzes ist der jetzigen deutschen Geschichtswissenschaft
vielleicht etwas weniger gegenwärtig geworden oder geblieben 4 . Das was
Herr von Sybel mit Thiers als die erforderliche ,Einsicht 4 in die Dinge
bezeichnet, würde ohne Zweifel bei näherer Ausführung uns mit von Sybel
auf dem fast gleichen Boden der Anschauung iinden; wie wir denn kaum
hinzuzufügen brauchen, dass ja specielle, auf Werthe gerichtete
Untersuchungen wirklich mit dieser ausdrücklichen Tendenz von
Sybel unternommen worden sind. Denn man kann über die Resultate der
Untersuchung, wie sich von selbst versteht, mit Herrn von Sybel streiten,
aber seine bekannte Abhandlung über einige neuere Darstellungen der
Kaisergeschichte war eine Untersuchung nach dem factischen historischen
Werth zum Zwecke der Werthbeurtheilung und daher eine eminente
Leistung auf dem Gebiete, von welchem wir sprechen. Hierauf schritt
bekanntlich Ficker zu einer methodisch gleich hochstehenden Untersuchung
über den allgemeinen Werth des Kaiserthums und die Controverse
beider gelehrten Männer bleibt in der angedeuteten Richtung der Werthuntersuchungen
eines der bedeutendsten und epochemachendsten Ereignisse
der modernen Historiographie. Leider sind nachher die in dem höchst
interessanten historiographisch unbedingt wichtigsten gelehrten Streite
der Neuzeit aufgetauchten Fragen fast gänzlich fallen gelassen worden,
als wenn sie gleichsam gar nicht zur Sache gehört hätten, oder wie wenn
man dergleichen Dinge eben nur ,pour la bonne bouche 4 geschrieben hätte,
ln den ungemein zahlreichen Untersuchungen, welche seit zwanzig Jahren
die Geschichte der Kaiserzeit erfuhren, ist oft kaum die Existenz einer
solchen fundamentalen Controverse zu bemerken. Man hätte vielmehr erwarten
können, dass nun die im Grossen aufgestellten Fragen im Einzelnen
in gleicher Richtung verfolgt werden würden, zumal als besonders
Ficker auf Grund seiner grossen Detailkenntniss dieser Dinge die Stellen
wohl bezeichnet hatte, von welchen aus die Erörterung über den allge-