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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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Lorenz.

sichern.  Wenn  man  fürchtet,  dass  die  relativen  Werthe  als
Maasstab  der  ßeurtheilung  des  Einzelnen  Willkür  und  Parteien
in  das  ,objective  Verfahren'  der  Wissenschaft  zu  bringen  vermöchten, ­
  so  wäre  erst  zu  beweisen,  dass  es  früher  anders  war
und  dass  etwa  Kant,  Schlosser  oder  Schiller  mit  ihrem  absoluten
Maasse  zu  einer  allgemeinen  Zustimmung  gelangt  wären.  Allerdings ­
  aber  wird  die  Forschung  nach  den  Werthen  erst  dann
der  Willkür  und  Laune  des  Einzelnen  mit  Nachdruck  entgegentreten ­
  können,  wenn  diese  Forschung  systematisch  und  methodisch ­
  und  nach  logischen  Gesetzen  geordnet  als  ein  gesicherter
Zweig  der  Wissenschaft  dasteht. 1  So  gut  man  aber  heute

1  Dass  Letzteres  durchaus  fehlt,  wird  nicht  bestritteu  werden  können  und
ich  möchte  ein  leises  Eingeständnis  davon  in  den  Worten  Sybel’s  erblicken, ­
  wenn  er  von  Niebuhr  sagt:  ,Eine  andere  Consequenz  seines
höchsten  Grundsatzes  ist  der  jetzigen  deutschen  Geschichtswissenschaft
vielleicht  etwas  weniger  gegenwärtig  geworden  oder  geblieben 4 .  Das  was
Herr  von  Sybel  mit  Thiers  als  die  erforderliche  ,Einsicht 4  in  die  Dinge
bezeichnet,  würde  ohne  Zweifel  bei  näherer  Ausführung  uns  mit  von  Sybel
auf  dem  fast  gleichen  Boden  der  Anschauung  iinden;  wie  wir  denn  kaum
hinzuzufügen  brauchen,  dass  ja  specielle,  auf  Werthe  gerichtete
Untersuchungen  wirklich  mit  dieser  ausdrücklichen  Tendenz  von
Sybel  unternommen  worden  sind.  Denn  man  kann  über  die  Resultate  der
Untersuchung,  wie  sich  von  selbst  versteht,  mit  Herrn  von  Sybel  streiten,
aber  seine  bekannte  Abhandlung  über  einige  neuere  Darstellungen  der
Kaisergeschichte  war  eine  Untersuchung  nach  dem  factischen  historischen
Werth  zum  Zwecke  der  Werthbeurtheilung  und  daher  eine  eminente
Leistung  auf  dem  Gebiete,  von  welchem  wir  sprechen.  Hierauf  schritt
bekanntlich  Ficker  zu  einer  methodisch  gleich  hochstehenden  Untersuchung ­
  über  den  allgemeinen  Werth  des  Kaiserthums  und  die  Controverse
beider  gelehrten  Männer  bleibt  in  der  angedeuteten  Richtung  der  Werthuntersuchungen ­
  eines  der  bedeutendsten  und  epochemachendsten  Ereignisse
der  modernen  Historiographie.  Leider  sind  nachher  die  in  dem  höchst
interessanten  historiographisch  unbedingt  wichtigsten  gelehrten  Streite
der  Neuzeit  aufgetauchten  Fragen  fast  gänzlich  fallen  gelassen  worden,
als  wenn  sie  gleichsam  gar  nicht  zur  Sache  gehört  hätten,  oder  wie  wenn
man  dergleichen  Dinge  eben  nur  ,pour  la  bonne  bouche 4  geschrieben  hätte,
ln  den  ungemein  zahlreichen  Untersuchungen,  welche  seit  zwanzig  Jahren
die  Geschichte  der  Kaiserzeit  erfuhren,  ist  oft  kaum  die  Existenz  einer
solchen  fundamentalen  Controverse  zu  bemerken.  Man  hätte  vielmehr  erwarten ­
  können,  dass  nun  die  im  Grossen  aufgestellten  Fragen  im  Einzelnen ­
  in  gleicher  Richtung  verfolgt  werden  würden,  zumal  als  besonders
Ficker  auf  Grund  seiner  grossen  Detailkenntniss  dieser  Dinge  die  Stellen
wohl  bezeichnet  hatte,  von  welchen  aus  die  Erörterung  über  den  allge-
            
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