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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich  Christoph  Schlosser.

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Sicherlich  bedurfte  Buckle’s  Behauptung  einer  starken
Correctur,  allein  niemand  fiel  es  ein,  den  eigentlichen  und
wahrhaften  Meister  der  sittlichen  Werthbeurtheilung  den  alten
Schlosser  gegen  ihn  ins  Treffen  zu  führen;  es  wäre  doch  zu
deutlich  gewesen,  dass  sein  Standpunkt  nur  von  den  allerwenigsten ­
  Gelehrten  heute  mehr  getheilt  werden  kann.  Wenn
aber  keiner  die  ethischen  Maasse  ganz  entbehren  will,  1  von

das  Beste  und  Treffendste  mit  wenigen  Worten  gegen  dasselbe  eingewendet
hat:  ,Damit  ist  ein  Grundfehler  von  Buckle  berührt,  der,  wie  in  seiner  Anschauung, ­
  so  in  seiner  Forschung  begründet  ist  Es  ist  ein  oft  begangener
Fehler,  seine  Ansicht  steht  fest,  bevor  er  die  Untersuchung  beginnt,  so  dass
seine  Forschung  sich  darauf  beschränkt,  Material  für  die  Bestätigung  einer
Ansicht  zu  gewinnen,  die  sich  bei  ihm  aus  Lebensanschauungen  und
Studien  auf  zum  Theil  weit  entlegenen  Gebieten  gebildet  hat 1 .  Ob  nun
aber  der  positive  Theil  der  Usinger’sehen  Erörterungen  genügen  könnte,
soll  hier  nicht  untersucht  werden,  da  es  uns  nicht  auf  die  dort  erörterten
Fragen  ankommt.
1  Es  ist  ja  Vieles  und  Vortreffliches  über  die  mannigfaltigsten  Punkte  der
Historik  geschrieben  worden.  Gewiss  liest  Niemand  ohne  die  dankbarste
Belehrung  Giesebrecht’s  Charakteristik  der  heutigen  Geschichtschreibung,
hist.  Zeitschr.  I.  1'.  Ebenso  sind  die  beiden  Vorträge  von  Sybel’s  (Vorträge ­
  und  Aufsätze,  Berlin  1874)  Ueber  die  Gesetze  des  historischen
Wissens  und  Drei  Bonner  Historiker  für  die  Principienfragen  von  allergrösster ­
  Relevanz.  Doch  ist  es  merkwürdig,  dass  in  allen  diesen  trefflichen ­
  Abhandlungen  gewisse  Begriffe  vorausgesetzt  werden,  welche  eben
erst  erläutert  werden  sollten.  So  spricht  Giesebreeht  fortwährend  von
der  Geschichtswissenschaft,  als  ob  das  Gebiet  derselben  gar  nicht  fraglich ­
  wäre.  Hat  man  sich  nicht  vielmehr  die  Frage  zu  beantworten:
Was  ist  denn  Geschichte?  es  kann  doch  nicht  gemeint  sein,  dass  Geschichte ­
  die  Darstellung  von  allem  Geschehenen  ist,  und  wenn  sie
nur  Darstellung  von  einigem  ist,  was  geschah,  woran  erkennt  man  denn,
wo  ihr  Forschungsgebiet  anfängt  und  aufhört.  Ebenso  können  auch  die
angeführten  schönen  Essays  von  Sybel’s  nicht  ohne  die  geheime  Voraussetzung ­
  bestehen,  dass  über  gewisse  Begriffe  eine  Einigung  vorhanden
sei,  welche  aber  in  Wahrheit  fehlt.  Dies  zeigt  sich  insbesondere  in  dem,
was  von  Sybel  aus  Anlass  Niebuhr's  sagt.  Wo  er  mit  trefflichen  Worten
Niebuhr’s  sittliche  Energie  loht,  heisst  es  etwas  allgemeiner  schon  früher:
Die  Quellenkritik,  gerade  wenn  sie  gewissenhaft  und  methodisch ­
  ge  handhabt  wird,  kann  ihrer  Natur  nach  nur  den  Bestand ­
  der  einzelnen  Thatsache  ermitteln:  dann  erst  erscheint ­
  aber  die  eigentliche  Aufgabe  des  Historikers,  aus
dem  äusseren  Bestände  auf  den  inneren  Gehalt  dieser  Facta
zu  schliessen,  ihren  geistigen  Zusammenhang  festzustellen
und  so  zu  ihrer  sittlichen  Würdigung  zu  gelangen 1 .  Goldene
            
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