Friedrich Christoph Schlosser.
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hindurchgetrieben worden, welche mehr Entmuthigung, Enttäuschung
und Gleichgiltigkeit als wirkliche Resultate zurückgelassen
hatten. 1 Die Frage der Werthbourtheilung wurde zwar
von keinem bedeutenderen Geschichtschreiber bei Ausübung
seines historischen Berufes umgangen, aber zu einer klaren
Lösung des Begriffes und der Aufgabe der Geschichtschreibung
ist es in dieser Beziehung auch heute durchaus nicht gekommen.
Blicken wir ohne auf die Stadien der historiographischen Entwickelung
Rücksicht zu nehmen, nur auf das was heute der
Geschichtschreiber gewöhnlich über die Werthbeurtheilung zu
denken pflegt, so schallt von allen Seiten der Ruf nach Sittlichkeit
sofort entgegen. Eine gewisse Hochachtung sogenannter
sittlicher Grundsätze wird gewöhnlich als ein Hauptmoment der
Geschichtschreibung verlangt. Soweit sich neuere Geschichtsforscher
über Principienfragen ausgesprochen haben, — es geschah
aber selten — ermangelten sie fast nie an die Grundsätze
der Sittlichkeit zu appelliren. Man wird sich vielleicht erinnern,
dass der jetzt längst verstummte Streit gegen Buckle von
deutschen Historikern hauptsächlich im Namen des Sittengesetzes
geführt worden ist. 2 Freilich von was für einer
1 Als Hegel’s Philosophie der Geschichte erschienen war, wunderte sich
Alexander von Humboldt, dass der Philosoph ,fabelt“, das europäische
Rindfleisch sei besser als das amerikanische, an Varnhägen 1. Juli 1837.
Um Weniges später wollte kein Historiker mehr davon wissen, dass die
Völker, ein jedes etwas repräsentiren müssen, ,damit erfüllet werde“, ,was
der Philosoph verheisst“, wie auch Alexander von Humboldt gleich anfänglich
bemerkte. Ob man von diesen Erscheinungen die volle Loslösung
der Geschichtswissenschaft von der Speeulation datiren will, muss
dem Geschichtschreiber der Historiographie zu entscheiden überlassen
bleiben. Darin werden alle einverstanden sein, dass die letzte Phase unserer
historiographischen Entwickelung mit der allgemeinen Ueberzeugung beginnt,
dass die Geschichtsforschung auf sich selbst gestellt, in eigener und
eigenständiger Methode ihre wissenschaftlichen Aufgaben fasst und löst.
Darüber ist, so viel wir sehen, kein Streit, welches aber sind die Aufgaben?
2 Es ist nicht entfernt unsere Absicht, in die Prüfung der Ansichten des
wunderlichsten Geschichtsphilosophen Englands einzutreten, der das Verdienst
hatte, die Historiker Deutschlands einigermassen aufgerüttelt zu
haben. Wir erwähnen ihn hier nur insofern, als Droysen in dem Protest
gegen dessen Ansichten (historische Zeitschrift IX. 1—22, allerdings etwas
kurz geschürzt) die Bedeutung des sittlichen Verständnisses (?) der Geschichte
sehr entschieden betonte. Leider sprach sich aber Droysen über
das, was Ethik sei, nicht aus, und wir gestehen unsererseits, es durchaus