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Lorenz.
im innigsten Zusammenhänge, dass der Schriftsteller selbst keine
rechte Empfindung davon erlangt, wenn er dem objectiven
Gehalt eines Ereignisses in der Erzählung nicht genug gethan
und das eigene Urtheil nicht an der Stelle angebracht hat, wo
es wirkungsvoller und doch weniger störend wäre. Wer die
historiographischen Geheimnisse einigermassen belauscht hat,
der wird wissen, dass jemand, welcher die Kunst plastischer
Darstellung besitzt, oft nur eine ganz unscheinbare kleine
Lichtöffnung bedarf, um eine ganze Situation in die grellste
Beleuchtung des historischen Urtheils zu setzen, und während
manche geneigt sein werden, in diesen Dingen die Merkmale
der sogenannten objectiven Geschichtschreibung zu sehen, sind
es nichts als Wirkungen eines plastisch angelegten Kopfes,
welche sich im Stil wie in der Darstcllungsweise äussern. Es
wäre leicht die Namen unter den alten und neuen Geschichtschreibern
zusammenzustellen, welche in hervorragendem Maasse
die von Laube so trefflich geschilderten Eigenschaften des
Geistes besitzen, durch welche in der That eine gewisse Verwandtschaft
zwischen einem Theaterdirector und einem Geschichtschreiber
bestehen muss.
Wenn nun aber trotz der ungünstigen Verhältnisse, unter
welchen alle Werthbeurtheilung der Dinge in der Schlosserschen
Geschichtschreibung erscheint, getrübt durch Mängel,
welche wir hauptsächlich auf die Darstellungskunst und den
Stil beziehen mussten, der Eindruck des Werkes doch ein gewaltiger
war und im Ganzen und Grossen auch heute noch
sein wird, so muss man zu der Einsicht gelangen, dass gerade
dieser feste markige Standpunkt, der so vielfach von der Kritik
verlästert worden ist, seine Wirkung macht. Das, was Schlosser
das ,Dantische Element' seiner Geschichtschreibung genannt
wissen wollte, ist es, was das Wohlgefallen an seinen Büchern
hervorrief; dass er mit unerbittlicher Consequenz über den
Häuptern der Mächtigen, wie der Schwachen die Zuchtruthe des
Rechts und des unveräusserlichen Sittengebots zu schwingen
verstand, trug ihm die Bewunderung seiner Leser ein. Man
täusche sich nicht darüber, es gewährte eine trostvolle Genugthuung
zu sehen, wie auch der Geschichtschreiber die
Pfade der Unterwelt zu betreten wagte, in die Plölle verstioss,
und ohne Sorge um Gunst oder Ungunst Könige und