Friedrich Christoph Schlosser.
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wird man sich nur einigermassen in Sclilosser’s Büchern umgesehen
zu haben brauchen, um sofort in den angeführten
Sätzen die wahrhaften Lieblingsmaxinten unseres Geschichtschreibers
wiederzuerkennen. Unter ,den Grundzügen' der Geschichte
des 18. Jahrhunderts hat Weber einmal die demokratische
Färbung' als vorzugsweise charakteristisch mit vielen
Beispielen nachzuweisen gesucht. 1 Schlosser selbst hätte sich
sicherlich nicht gerne als Demokraten bezeichnet gesehen, und
man kann auch wohl nicht anders sagen, als dass es einem
tieferen Geiste gegenüber unfein erscheint, mit einem so vieldeutigen
und zum Theil anrüchigen Begriff die ganze Grundlage
einer sorgfältig durchgearbeiteten Werthbeurtheilung geschichtlicher
Dinge charakterisiren zu wollen. Sollten wirklich
neun Bände nöthig gewesen sein, um in unserer Zeit etwas
demokratische Luft zu verbreiten? Würde man sich ernsthafter
den grossen, geistigen Zusammenhang der Wissenschaften vergegenwärtigen
und sich nicht begnügen mit einigen Schlagworten
zu’ charakterisiren, sondern die Ideen, von welchen die
Geschichtschreibung stets beeinflusst, war in den benachbarten
1 Die Stellen, welche Schlosser’» demokratische Gesinnung beweisen
sollen, stellt Weber a. a. O. S. 331 zusammen; er scheint aber denn
doch empfunden zu haben, dass sich der Meister ebenso häufig gegen
die Demokratie erhebt und sammelt auch die entgegengesetzten Stellen,
indem er sagt: ,Schlosser ist weniger ans demokratischen Grundsätzen
Sachwalter des Volkes, als aus einem echt menschlichen Mitgefühl
mit dem Schwachen und Bedrückten*. Staunenswerth ist, dass sich auch
Gervinus mit der demokratischen Gesinnung Schlosser’s nicht recht zu
helfen wusste: ,Seine demokratische Gesinnung ruhte vielmehr auf den
edelsten menschlichen Grundlagen, auf denen sie überhaupt
gedacht werden kann“. (!) Nekrolog S. 39. Wir denken, seine demokratische
Gesinnung ruhte vielmehr in Immanuel Kant: ,Unter den drei
Staatsformen ist die der Demokratie im eigentlichen Verstände des Wortes
nothwendig ein Despotismus, weil sie eine executive Gewalt gründet, da
Alle über und allenfalls auch wider Einen (der also nicht mitstimmt),
mithin Alle, die doch nicht Alle sind, bescliliessen; welches ein Widerspruch
dos allgemeinen Willens mit sich selbst und mit der Freiheit ist“.
Doch wir müssen es fast für nutzlos halten, aus Kant einzelne Sätze
solcher Art herauszureissen; der Kenner dieses Philosophen und der
Kenner dieses Geschichtschreibers kann — wir sind dessen gewiss —
die Verwandtschaft ihrer Ansichten keinen Augenblick liiugnen, sobald
einmal der gleichsam das Räthsel lösende Hinweis gemacht ist.
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