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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich  Christoph  Schlosser.

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wird  man  sich  nur  einigermassen  in  Sclilosser’s  Büchern  umgesehen ­
  zu  haben  brauchen,  um  sofort  in  den  angeführten
Sätzen  die  wahrhaften  Lieblingsmaxinten  unseres  Geschichtschreibers ­
  wiederzuerkennen.  Unter  ,den  Grundzügen'  der  Geschichte ­
  des  18.  Jahrhunderts  hat  Weber  einmal  die  demokratische ­
  Färbung'  als  vorzugsweise  charakteristisch  mit  vielen
Beispielen  nachzuweisen  gesucht. 1  Schlosser  selbst  hätte  sich
sicherlich  nicht  gerne  als  Demokraten  bezeichnet  gesehen,  und
man  kann  auch  wohl  nicht  anders  sagen,  als  dass  es  einem
tieferen  Geiste  gegenüber  unfein  erscheint,  mit  einem  so  vieldeutigen ­
  und  zum  Theil  anrüchigen  Begriff  die  ganze  Grundlage ­
  einer  sorgfältig  durchgearbeiteten  Werthbeurtheilung  geschichtlicher ­
  Dinge  charakterisiren  zu  wollen.  Sollten  wirklich
neun  Bände  nöthig  gewesen  sein,  um  in  unserer  Zeit  etwas
demokratische  Luft  zu  verbreiten?  Würde  man  sich  ernsthafter
den  grossen,  geistigen  Zusammenhang  der  Wissenschaften  vergegenwärtigen ­
  und  sich  nicht  begnügen  mit  einigen  Schlagworten ­
  zu’  charakterisiren,  sondern  die  Ideen,  von  welchen  die
Geschichtschreibung  stets  beeinflusst,  war  in  den  benachbarten

1  Die  Stellen,  welche  Schlosser’»  demokratische  Gesinnung  beweisen
sollen,  stellt  Weber  a.  a.  O.  S.  331  zusammen;  er  scheint  aber  denn
doch  empfunden  zu  haben,  dass  sich  der  Meister  ebenso  häufig  gegen
die  Demokratie  erhebt  und  sammelt  auch  die  entgegengesetzten  Stellen,
indem  er  sagt:  ,Schlosser  ist  weniger  ans  demokratischen  Grundsätzen
Sachwalter  des  Volkes,  als  aus  einem  echt  menschlichen  Mitgefühl
mit  dem  Schwachen  und  Bedrückten*.  Staunenswerth  ist,  dass  sich  auch
Gervinus  mit  der  demokratischen  Gesinnung  Schlosser’s  nicht  recht  zu
helfen  wusste:  ,Seine  demokratische  Gesinnung  ruhte  vielmehr  auf  den
edelsten  menschlichen  Grundlagen,  auf  denen  sie  überhaupt
gedacht  werden  kann“.  (!)  Nekrolog  S.  39.  Wir  denken,  seine  demokratische ­
  Gesinnung  ruhte  vielmehr  in  Immanuel  Kant:  ,Unter  den  drei
Staatsformen  ist  die  der  Demokratie  im  eigentlichen  Verstände  des  Wortes
nothwendig  ein  Despotismus,  weil  sie  eine  executive  Gewalt  gründet,  da
Alle  über  und  allenfalls  auch  wider  Einen  (der  also  nicht  mitstimmt),
mithin  Alle,  die  doch  nicht  Alle  sind,  bescliliessen;  welches  ein  Widerspruch ­
  dos  allgemeinen  Willens  mit  sich  selbst  und  mit  der  Freiheit  ist“.
Doch  wir  müssen  es  fast  für  nutzlos  halten,  aus  Kant  einzelne  Sätze
solcher  Art  herauszureissen;  der  Kenner  dieses  Philosophen  und  der
Kenner  dieses  Geschichtschreibers  kann  —  wir  sind  dessen  gewiss  —
die  Verwandtschaft  ihrer  Ansichten  keinen  Augenblick  liiugnen,  sobald
einmal  der  gleichsam  das  Räthsel  lösende  Hinweis  gemacht  ist.
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