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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich  Christoph  Schlosser.

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Ideen  sagten,  gleichsam  von  selbst  auch  bei  der  Geschichte
des  18.  Jahrhunderts  erwarten  Hessen.  Die  grössere  Fülle  der
Ereignisse,  die  ihm  für  die  neuere  Geschichtsepoche  zu  Gebote
standen,  erleichterte  ihm  gewissermassen  den  Versuch,  die  Ereignisse ­
  des  Staatslebens  in  ihre  psychologischen  Voraussetzungen
aufzulösen  und  die  Ideen  des  wirklichen  Geschehens  aus  dem,
was  man  kurzweg  den  ,öffentlichen  Geist'  zu  nennen  pflegte,
zu  entwickeln.  Dass  gerade  in  dieser  Beziehung  einzelne  Schilderungen ­
  ,  wie  der  Abschnitt  über  die  Pariser  geistreichen
Kreise,  einen  packenden  Eindruck  niemals  verfehlen  werden,
wäre  wahrlich  überflüssig,  im  Besonderen  zu  zeigen.  Was
jedoch  das  Werk  über  das  18.  Jahrhundert  gegenüber  allen
anderen  bezeichnet,  ist  das  bestimmte  Hervortreten  mit  einem
politischen  Standpunkt  —  der  Hinzutritt  der  politisch  staatlichen ­
  Gesichtspunkte  zu  der  Werthbcurtheilung  der  Ereignisse.
Wenn  man  es  kurz  bezeichnen  wollte,  so  dürfte  man  sagen,
dass  der  kategorische  Imperativ,  welcher  als  steter  Werthmesser
und  Regulator  die  geschichtliche  Erscheinung  in  allen  Zeiten
und  Ländergeschichten  begleitet  hatte,  bei  der  Geschichte  des
18.  Jahrhunderts  einen  speciflsch  politischen  Charakter  angenommen ­
  und  dass  das  allgemein  menschlich  gehaltene  und  gestaltete ­
  Sittenprincip,  welches  uns  bei  den  universalhistorischen
Arbeiten  .Schlosser’s  schon  früher  entgegentrat,  nunmehr  mit
einer  speeielleren  politischen  Ueborzeugung  durchsetzt  erscheint.
Man  bezeichncte  Sohlosser’s  Standpunkt  unzählige  Male
als  einen  moralisirenden,  allein  die  Eigentliüinlichkeit  seiner
Beurtheilungen  ist  damit  nicht  erschöpft. 1  Was  seine  Kritik  besonders ­
  in  der  Geschichte  des  18.  Jahrhunderts  auszeichnet,  ist
1  ln  diesem  Punkte  kann  man  wohl  sagen,  dass  Gerviuus,  wenn  er  Schlosser
als  den  Urtypus  des  rein  historischen  Geistes  im  Nekrolog  darstellte,  von
den  Gegenschriften,  insbesondere  in  dem  Aufsätze  der  historischen  Zeitschrift ­
  a.  a.  O.  VIII.  vollständig  und  mit  Grund  widerlegt  wurde.
Gerviuus  scheint  von  den  philosophischen  Grundlagen  Kaufs  nichts  gewusst, ­
  dieselben  nicht  erkannt  oder  nicht  aufgesucht  zu  haben.  Gerviuus
selbst,  dessen  schwache  Seite  die  Geschichte  der  Philosophie  und  diese
selbst  stets  gewesen,  hatte  keine  Ahnung  mehr  davon,  wie  die  nächst
vor  ihm  stehende  Generation  von  der  Aufklärmigsliteratur  im  Allgemeinen
und  von  Kant  im  Speeiellen  geradezu  impreguirt  war.  Weil  davon  nicht
viel  geredet  wurde  —  eben  weil  es  den  älteren  Männern  selbstverständlich
war  —  glaubte  Gerviuus  nicht  an  den  Zusammenhang  seines  Meisters
            
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