Friedrich Christoph Schlosser.
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zu beschreiben vermag, und dass hierin zugleich das Merkmal
und die Beschaffenheit dos wahrhaft historischen Geistes zu
erblicken sei, wird wohl von niemand geläugnet werden können;
aber ebenso sicher ist es, dass in dieser höchsten und erforderlichsten
Eigenschaft des Historikers zugleich die häufigste Gefahr
seiner Irrthümer liegt. Denn wenn auch die Lebendigkeit und
Stärke der Reproduction des Geschehenen in dem Geiste des
Historikers von der Antheilnahme unzertrennlich ist, so gibt
es doch eine scharfgezogene Grenze für die letztere, welche in
der subjectiven Operation einer Erzählung und Darstellung nur
durch die äusserste Selbstbeobachtung, Beschränkung und Entsagung
erreichbar ist. Das gewonnene Resultat der lebendigen
Anschauung der Vergangenheit, welches nur durch Mitempfindung
möglich ward, kann erst dadurch wieder rein zur Darstellung
gelangen, dass man sich des eigenen Antheils so viel wie möglich
wieder entschlägt. Aber diese letzte Anstrengung ist oft den
begabtesten und stärksten Geistern am schwierigsten erreichbar
gewesen, während andere Talente sich darin stark erweisen,
dass sie die Fähigkeit der grösstmöglichen Selbstentäusserung
in vorzüglichem Grade im letzten Stadium der historischen
Reproduction besitzen. Wir wollen diesen inneren Vorgängen
der Geschichtsdarstellung nicht weiter nachgehen und nicht im
Einzelnen ausmalen, wie sich die eigenthümlichen Begabungen
der grössten Meister eben in der stärkeren oder geringeren
Kraftanwendung ihres Geistes während der einzelnen Stadien
ihrer langen innerlichen Arbeit bei der Reproduction des Geschehenen
zeigen; nur in Bezug auf jene, welche gerade den
letzterwähnten Vorzug in hohem Maasse besitzen, möchte noch
bemerkt werden, dass derselbe selbst mit den Eigenthümlichkeiten
des Stils aufs innigste verwandt ist, und ohne Zweifel
mit einem besonders ausgeprägten Vermögen plastischer Gestaltung
zusammen hängt, von welchem später noch gesprochen
werden soll.
Die Ungleichheit, welche zwischen den Historikern und
ihren Fähigkeiten im Einzelnen besteht, findet sich aus den
erwähnten Gründen auch zwischen den historiographischen
Perioden im Grossen. Der Mensch des 18. Jahrhunderts, eine
in ihrer Totalität überhaupt noch kaum gewürdigte Erscheinung,
bietet der Geschichtsforschung die mannigfachsten Räthsel und