Friedrich Christoph Schlosser.
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Es sei gestattet, diese Schlosser’s Absichten gleichsam
von vornherein verurteilenden Anklagen genauer zu besehen
und auf ihr richtiges Maass zurückzuführen. Was nun zunächst
die Frage der Forschung anbelangt, so ist es allerdings richtig,
dass Schlosser’s archivalisches Material mit dem verglichen,
was man heute für nöthig erachtet, um eine Sache spruchreif
zu linden, äusserst dürftig war. Verkehrt wäre es aber, einen
principiellen, auf die methodische Absicht Schlosser’s zurückzuführenden
Gegensatz deshalb zwischen ihm und der sogenannten
diplomatischen Geschichtsforschung anzunehmen. Abgesehen
davon, dass Schlosser zweimal zum Zwecke archivalischer
Forschungen in Paris war, so hat er es auch in deutschen
Landen an vielfachen Nachfragen nicht fehlen lassen, und deshalb,
weil er nach Sachlage jener Zeit eben wenig Erfolg mit
seinen aVchivalischen Studien hatte, einem hochgestellten Geiste
eine thörichte Geringschätzung dieses Stoffes principiell zu
unterschieben, muss man für unerlaubt bezeichnen. Es gehört
wahrlich erschreckend wenig Verstand dazu, um zu begreifen,
dass es nützlich ist, dasjenige zu lesen, was irgend ein Machthaber
geschrieben, geäussert, vertraulich mitgetheilt, wenn man
verstehen will, was er gewollt oder gethan hat. ln einer so
einfachen Frage der historischen Kritik überhaupt einen Unterschied
zwischen zweien das historische Handwerk jahraus
jahrein betreibenden Männern im Principe vorauszusetzen, heisst
in der That die Sache selbst sehr geringschätzen und es wäre
kaum zu begreifen, dass man Schlossern den Vorwurf machte,
er hätte grundsätzlich die Kenntnissnahme geheimer Papiere
verweigert, wenn nicht in der Fülle der Lobrede Gervinus
selbst zu solchen Missverständnissen Anlässe gegeben hätte. 1
Mittheilung von Actenstiicken, Denkschriften, Gesandtschaftsrelationen
war schon in Schlosser’s Jugendzeit nicht nur eine
sehr beliebte, sondern auch begehrte Beschäftigung und das
1 Sehr viel unvorsichtiger, als in seinen eigenen Büchern sprach sich
Gervinus im Nekrolog Schlosser’s besonders S; 24 über dieses Verhältniss
Schlosser’s zur diplomatischen und archivalischeu Geschichtschreibung'
aus. Ich kenne wenigstens keine einzige Stelle in Schlosser’s Werken,
aus der zu ersehen wäre, dass er die archivalische Forschung geringgeschlitzt
hätte. Die jetzt vorliegenden Briefe an Frau Schmidt lassen
sogar das gerade Gegentheil ersehen.