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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich  Christoph  Schlosser.

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Es  sei  gestattet,  diese  Schlosser’s  Absichten  gleichsam
von  vornherein  verurteilenden  Anklagen  genauer  zu  besehen
und  auf  ihr  richtiges  Maass  zurückzuführen.  Was  nun  zunächst
die  Frage  der  Forschung  anbelangt,  so  ist  es  allerdings  richtig,
dass  Schlosser’s  archivalisches  Material  mit  dem  verglichen,
was  man  heute  für  nöthig  erachtet,  um  eine  Sache  spruchreif
zu  linden,  äusserst  dürftig  war.  Verkehrt  wäre  es  aber,  einen
principiellen,  auf  die  methodische  Absicht  Schlosser’s  zurückzuführenden ­
  Gegensatz  deshalb  zwischen  ihm  und  der  sogenannten ­
  diplomatischen  Geschichtsforschung  anzunehmen.  Abgesehen ­
  davon,  dass  Schlosser  zweimal  zum  Zwecke  archivalischer
Forschungen  in  Paris  war,  so  hat  er  es  auch  in  deutschen
Landen  an  vielfachen  Nachfragen  nicht  fehlen  lassen,  und  deshalb, ­
  weil  er  nach  Sachlage  jener  Zeit  eben  wenig  Erfolg  mit
seinen  aVchivalischen  Studien  hatte,  einem  hochgestellten  Geiste
eine  thörichte  Geringschätzung  dieses  Stoffes  principiell  zu
unterschieben,  muss  man  für  unerlaubt  bezeichnen.  Es  gehört
wahrlich  erschreckend  wenig  Verstand  dazu,  um  zu  begreifen,
dass  es  nützlich  ist,  dasjenige  zu  lesen,  was  irgend  ein  Machthaber ­
  geschrieben,  geäussert,  vertraulich  mitgetheilt,  wenn  man
verstehen  will,  was  er  gewollt  oder  gethan  hat.  ln  einer  so
einfachen  Frage  der  historischen  Kritik  überhaupt  einen  Unterschied ­
  zwischen  zweien  das  historische  Handwerk  jahraus
jahrein  betreibenden  Männern  im  Principe  vorauszusetzen,  heisst
in  der  That  die  Sache  selbst  sehr  geringschätzen  und  es  wäre
kaum  zu  begreifen,  dass  man  Schlossern  den  Vorwurf  machte,
er  hätte  grundsätzlich  die  Kenntnissnahme  geheimer  Papiere
verweigert,  wenn  nicht  in  der  Fülle  der  Lobrede  Gervinus
selbst  zu  solchen  Missverständnissen  Anlässe  gegeben  hätte. 1
Mittheilung  von  Actenstiicken,  Denkschriften,  Gesandtschaftsrelationen ­
  war  schon  in  Schlosser’s  Jugendzeit  nicht  nur  eine
sehr  beliebte,  sondern  auch  begehrte  Beschäftigung  und  das

1  Sehr  viel  unvorsichtiger,  als  in  seinen  eigenen  Büchern  sprach  sich
Gervinus  im  Nekrolog  Schlosser’s  besonders  S;  24  über  dieses  Verhältniss
Schlosser’s  zur  diplomatischen  und  archivalischeu  Geschichtschreibung'
aus.  Ich  kenne  wenigstens  keine  einzige  Stelle  in  Schlosser’s  Werken,
aus  der  zu  ersehen  wäre,  dass  er  die  archivalische  Forschung  geringgeschlitzt
  hätte.  Die  jetzt  vorliegenden  Briefe  an  Frau  Schmidt  lassen
sogar  das  gerade  Gegentheil  ersehen.
            
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