Friedrich Christoph Schlosser.
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geistige Verwandtschaftsgefühl des Geschichtschreibers mit dem
alten Dichter nach dem, was jener selbst darüber äusserte,
zergliedern, so lag es wohl darin, dass Dante ein inneres, sittliches
Bedürfniss Schlosser’s gleichsam in monumentaler Sicherheit
und mit unbeugsamer Zuversicht erfüllte, indem er allem
menschlichen Thun gegenüber die Wage des göttlichen Richters
gegenübersetzte. Wenn Schlosser von der Verwendbarkeit
Dante’scher Weltanschauung für die Zwecke der Geschichte
spricht, so kann er dabei nothwendig nur daran gedacht haben,
dass die Geschichtschreibung jedem menschlichen Thun gegenüber
ebenso unwillkürlich Stellung nehmen müsse, wie der
Dichter der göttlichen Komödie gegenüber seinen poetisch-historischen
Gestalten. Und wenn Schlosser noch die frappante Bemerkung
macht, dass bei ,so bekannten Geschichten', wie denen
des vorigen Jahrhunderts es weniger auf die Forschung ,als
vielmehr auf die Auswahl und Stellung der Thatsachen' ankomme,
so zeigt sich auch hierin die Absicht den beurtheilenden
Standpunkt der Darstellung in den Vordergrund treten zu
lassen. Das Dante’sche Weltgericht, die Vorführung von Himmel,
Hölle und Fegefeuer, als unmittelbarste Aufgabe der Geschichtschreibung
wollte Schlosser nicht wie einen Act subjectiver
Entscheidung, sondern als den Ausdruck dessen erscheinen
lassen, was lediglich durch die Auswahl und Stellung der Thatsachen
von selbst sich bietet. Wollte man das, was auf diese
Weise beabsichtigt war, in ein grosses Wort zusammenfassen,
so könnte man sagen Werthbeurtheilung ist es, was der Geschichtschreiber
erreichen will.
Tugend zur Belohnung hinauf. Selbst in Beziehung auf seine
lasterhaften Freunde, die er in die Hölle versetzte, und auf
seine tugendhaften Feinde, denen er eine Stelle im Paradiese
gab, war er unparteiisch. Man hat ihn mit Recht oft als
den Philosophen unter den Dichtern bezeichnet, er erscheint aber noch
in einer würdigeren Rolle, als wahrer und rechtschaffener Mann.
. ... Er zeigte sich, um uns seiner eigenen Worte zu bedienen, als
furchtloser Freund der Wahrheit, entfernte von sich jegliche Lüge und
ahmte dem Winde nach, der die höchsten Gipfel am heftigsten schüttelt“.
Auch jenen Versen hatte Schlosser eine Art von divinatoriseher Bedeutung
für sich selbst gegeben: ,Verfolge deinen Weg und lasse reden die
Leute. Steh fest wie der Thurm steht, der niemals beuget die Spitze,
wenn ihn umstürmen die Winde,“