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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Lore  ii  7..

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er  gleichmässig  scheute,  war  einerseits  jede  philosophische  Einseitigkeit, ­
  welche  sich  über  die  unmittelbar  gegebene  Erfahrung
erhebt,  und  andererseits  die  Selbstgenügsamkeit  und  Trockenheit
jenex - ,  welche  in  dem  äusseren  Gerüste  das  Wohnhaus  erblicken.
Wie  freilich  Gervinus  behaupten  konnte,  dass  es  sein  Meister
in  der  Vermittlung  dieser  Gegensätze  zu  einer  canonischen
Harmonie  für  die  Geschichtschreibung  gebracht  hätte,  ist  von
einem  entfernteren  Platze  besehen,  allerdings  unbegreiflich  gewesen. ­
  Ebensowenig  aber  hatten  spätere  ein  Recht  Schlosser
darüber  Vorwürfe  zu  machen,  dass  er  es  bei  seinem  kritischen
Bestreben  in  der  Enthüllung  der  Ideen  nicht  weiter  gebracht  hat.
Man  'hat  sich  bei  dieser  Gelegenheit  zuweilen  der  Streitigkeiten ­
  erinnert,  welche  Schlosser  in  Gegensatz  zu  F.  A.  Wolf,
Niebuhr  und  Otfried  Müller  brachten,  und  glaubte  in  der  geringen ­
  Würdigung  philologischer  Kritik  von  Seite  Schlosser’s
die  Ursache  mancher  sachlichen  Irrthümer  und  Misserfolge  der
alten  Geschichte  erblicken  zu  sollen.  Wenn  aber  Schlosser  die
Philologen  überhaupt  und  F.  A.  Wolf  für  besonders  eingebildet
hielt,  so  ist  dies  freilich  kein  Gegenstand,  bei  welchem  eine  exacte
Entscheidung  über  sachliche  Fragen  gewonnen  werden  konnte.
Da  man  aber  nachträglich  den  Siegespreis  in  diesen  Dingen
mit  Leichtigkeit  und  ohne  grossen  Scharfsinn  vertheilen  kann,
so  dürfte  zu  erinnern  sein,  dass  andere  auch  fragen  können,
wie  viel  denn  heute  in  Bezug  auf  die  Einzelnheiten  der  Forschung ­
  von  Niebuhr  und  Otfried  Müller  aufrecht  besteht.  Beachtet ­
  man  die  Wandelbarkeit,  die  sich  in  den  Urtheilen  und
Auffassungen  über  das  einzelne  Moment  der  geschichtlichen
Erscheinungen  zeigt,  so  wird  man  genöthigt  sein,  auf  den
ephemeren  Streit  der  Gelehrten  nur  eine  sehr  untergeordnete
Rücksicht  zu  nehmen,  falls  man  eine  richtige  Summe  von  dem
Leben  und  der  Thätigkeit  eines  schriftstellerischen  Geistes
ziehen  und  seine  Stellung  in  der  Literatur  im  allgemeinen  bezeichnen ­
  will.  Es  würde  hier  auch  viel  zu  weit  führen,  jede
einzelne  Frage  der  Kritik  in  ihrer  nur  für  die  Gelehrtengeschichte ­
  wichtigen  Stellung  zu  erörtern.  War  es  uns  doch
nur  zur  Aufgabe  gemacht,  Schlosser’s  allgemeine  Leistungen
im  Gebiete  der  sogenannten  Universalhistorie  zu  bezeichnen.  1
1  Ich  erinnere  hier  nur  noch,  dass  von  Schlosser’s  Schriften  überhaupt  nur
jene  berührt  werden,  welche  für  die  principiellen  Fragen  der  Geschieht-
            
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