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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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Lorenz.

in  dieser  Beziehung-  als  ein  Gebot  der  Geschichtschreibung
erschien,  einen  wesentlichen  Schritt  über  Schlözer  und  selbst
über  Johannes  Müller  noch  hinaus  zu  machen,  so  wird  es
auch  noch  in  unserer  Zeit  ein  stetes  Bedürfniss  bleiben,
immer  wieder  und  mit  aller  Energie  jene  Begründung  des
äusseren  Zusammenhanges  der  Ereignisse  zu  fordern,  welche
nur  aus  dem  Zurückgehen  auf  die  in  der  staatlichen  Gesellschaft
herrschenden  Ideen  und  geistigen  Bestrebungen  gewonnen  werden
kann.  In  diesem  Punkte  aber  ein  sehr  grosses  Beispiel  gegeben
zu  haben,  wird  immer  das  Verdienst  Schlosser’s,  sowohl  in
seiner  universalgeschichtlichen  Uebersicht  der  alten  Welt,  wie
auch  in  seiner  Geschichte  des  18.  Jahrhunderts  bleiben,  von
welcher  noch  nachher  eingehender  zu  sprechen  sein  wird.
Es  mag  sein,  dass  der  geistige  Bestand  der  politischen  Welt
von  Schlosser  und  seinen  Anhängern,  manchmal  etwas  zu  einseitig ­
  aus  den  Literaturverhältnissen  der  Nationen  hergeleitet
werden  will,  und  dass  den  rein  doctrinären  Richtungen  der  Zeit
ein  zu  grosser  Einfluss  auf  die  praktisch  thätige  Welt  im  Staat
zugeschrieben  wird,  aber  sicherlich  würde  von  einem  Verständniss
der  in  einer  Zeit  wirksamen  Ideen  überhaupt  nicht  geredet
werden  können,  wenn  man  die  Literatur  eines  Volkes  nicht
gleichzeitig  in  beständige  Berücksichtigung  nähme.  Uebor.diesen
Punkt  wenigstens  kann  man  sagen,  dass  unter  allen  Geschichtschreibern ­
  unserer  heutigen  Zeit  eine  im  allgemeinen  feststehende ­
  Uebereinstimmung  herrscht,  zu  der  doch  wohl  Schlosser
jedenfalls  sehr  wesentlich  beitrug,  obwohl  Löbell  gegen  Gervinus
  auch  nicht  zugeben  wollte,  dass  er  hierin  ,bahnbrechend'
gewesen  sei.  Allerdings  beruft  man  sich  auf  französische  und
englische  Vorgänger,  welche  längst  vor  Schlosser  Staatgeschichte
und  Bildungsgeschichte  miteinander  verbunden  hätten,  indem
sie  dem  Zustande  der  Literatur,  der  Philosophie  der  schönen
Künste  besondere  Abschnitte  in  ihren  Werken  widmeten;  allein
die  Methode,  welche  Schlosser  in  seiner  universalhistorischen
Uebersicht  der  alten  Welt  und  wie  sich  noch  zeigen  wird,  am
gewöhnlich  ebenso  wie  die  Universalgeschichte,  und  wenn  Du  Bois-Keymoml
  gegen  die  letztere  den  Vorwurf  schleudert,  dass  sie  selten  erkennt, ­
  wie  die  ostasiatischen  Völker  den  Griechen  und  Römern  in  vielen
Zweigen  der  Cultur  frühzeitig  und  immer  überlegen  waren,  so  trifft  dieser
Vorwurf  meist  ganz  ebenso  die  Culturgesehichte.
            
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