Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

170

Lorenz.

wiegend  ein  literarisch-culturgeschichtliches  Raisonnement,  dessen
Wissenswürdigkeit  sicher  nicht  in  Zweifel  gezogen  werden
will,  welches  jedoch  nur  eine  sehr  ungenügende  Vorstellung
von  dem  Staatsleben  jener  Völker  geben  kann.  Ganz  anders
gestaltet  sich  die  Darstellung  Sehlosser’s  und  seiner  Nachfolger
gemeiniglich  von  den  Persern  ab,  an  deren  Geschichte  Griechenland ­
  und  Rom  sich  ansehliesst  und  von  deren  Auftreten  sich
Kraft  und  Aufmerksamkeit  des  Historikers  auf  die  staatlichen
Vorgänge  bis  in  ihre  kleinsten  Umstände  erstrecken.  Es  hat
Tausende  von  Feldherren  auch  vor  Darius  gegeben,  doch  wehe,
wenn  wir  einen  von  jenen,  die  zwischen  Persern  und  Griechen
Schlachten  geschlagen  haben,  in  der  Weltgeschichte  nicht  erfahren ­
  würden!  Man  missverstehe  uns  nicht;  was  wir  bemerken
wollen,  ist  nur  dies,  dass  tliatsächlich  die  Darstellungen  der
Weltgeschichte  fünfhundert  Jahre  vor  Christus  einen  absolut
verschiedenen  Charakter  annehmen,  und  dass  das  staatsgeschichtliche ­
  Moment  nun  in  gleichem  Maasse  vorherrscht,  als  es  vor
dem  vernachlässigt  erschien.
Unsicherheit  über  die  Aufgabe  der  Geschichte  zeigt  sich
aber  auch  in  Schlosser’s  staatsgeschichtlichen  Ausführungen.  Er
fühlt  sich  nirgends  sicher,  ob  er  auch  wirklich  genug  thut,  wenn
er  den  staatsgeschichtlichen  Entwickelungen  folgt,  er  greift  daher
überall,  wo  er  nur  irgend  kann,  in  andere  Gebiete  über  und  ein
aus  einem  allgemeinen  Erkenntnissprincip  hervorgehendes  Ebenmaass
  der  Darstellung  zeigt  sich  nicht.  Er  verändert  daher  häufig
die  Form.  In  der  Darstellung  der  Kreuzzüge  (vgl.  Weltgesch.
III.  2.)  findet  er  es  besser  von  der  ,nackten  bloss  andeutenden
und  zusammenhängenden  Form  so  weit  abzugehen,  als  der  Zweck
des  Werkes  und  seine  ,Grundsätze'  nur  immer  erlauben  möchten'.
In  der  Anzeige  von  Reinganum’s  Uebersicht  der  Geschichte  des
Mittelalters  versicherte  er,  dass  man  die  Einzelnheiten  bei  einer
weltgeschichtlichen  Darstellung  fast  gänzlich  entbehren  könne.
In  der  alten  Geschichte  behandelte  er  selbst  bei  den  Griechen
und  Römern  fast  jede  Periode  in  sehr  verschiedener  Ausführlichkeit. ­
  Detaillirt  ist  eigentlich  überall  nur  die  Literaturgeschichte ­
  in  Betracht  gezogen  worden.  Bei  aller  dieser  Ungleichheit ­
  der  Behandlung  seines  Stoffes  hat  Schlosser  indessen
dennoch  nach  einer  Seite  hin  eine  nie  genug  hochzuschätzende
Einwirkung  geübt.  Er  hat  die  so  lange  herrschende  Genügsamkeit
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.