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Lorenz.
wiegend ein literarisch-culturgeschichtliches Raisonnement, dessen
Wissenswürdigkeit sicher nicht in Zweifel gezogen werden
will, welches jedoch nur eine sehr ungenügende Vorstellung
von dem Staatsleben jener Völker geben kann. Ganz anders
gestaltet sich die Darstellung Sehlosser’s und seiner Nachfolger
gemeiniglich von den Persern ab, an deren Geschichte Griechenland
und Rom sich ansehliesst und von deren Auftreten sich
Kraft und Aufmerksamkeit des Historikers auf die staatlichen
Vorgänge bis in ihre kleinsten Umstände erstrecken. Es hat
Tausende von Feldherren auch vor Darius gegeben, doch wehe,
wenn wir einen von jenen, die zwischen Persern und Griechen
Schlachten geschlagen haben, in der Weltgeschichte nicht erfahren
würden! Man missverstehe uns nicht; was wir bemerken
wollen, ist nur dies, dass tliatsächlich die Darstellungen der
Weltgeschichte fünfhundert Jahre vor Christus einen absolut
verschiedenen Charakter annehmen, und dass das staatsgeschichtliche
Moment nun in gleichem Maasse vorherrscht, als es vor
dem vernachlässigt erschien.
Unsicherheit über die Aufgabe der Geschichte zeigt sich
aber auch in Schlosser’s staatsgeschichtlichen Ausführungen. Er
fühlt sich nirgends sicher, ob er auch wirklich genug thut, wenn
er den staatsgeschichtlichen Entwickelungen folgt, er greift daher
überall, wo er nur irgend kann, in andere Gebiete über und ein
aus einem allgemeinen Erkenntnissprincip hervorgehendes Ebenmaass
der Darstellung zeigt sich nicht. Er verändert daher häufig
die Form. In der Darstellung der Kreuzzüge (vgl. Weltgesch.
III. 2.) findet er es besser von der ,nackten bloss andeutenden
und zusammenhängenden Form so weit abzugehen, als der Zweck
des Werkes und seine ,Grundsätze' nur immer erlauben möchten'.
In der Anzeige von Reinganum’s Uebersicht der Geschichte des
Mittelalters versicherte er, dass man die Einzelnheiten bei einer
weltgeschichtlichen Darstellung fast gänzlich entbehren könne.
In der alten Geschichte behandelte er selbst bei den Griechen
und Römern fast jede Periode in sehr verschiedener Ausführlichkeit.
Detaillirt ist eigentlich überall nur die Literaturgeschichte
in Betracht gezogen worden. Bei aller dieser Ungleichheit
der Behandlung seines Stoffes hat Schlosser indessen
dennoch nach einer Seite hin eine nie genug hochzuschätzende
Einwirkung geübt. Er hat die so lange herrschende Genügsamkeit