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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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Lorenz.

also  Scblözer  theoretisch  begründete,  was  von  Kant,  Schiller,
Herder,  Schlosser  als  universalg-eschichtliche  Aufgabe  verstanden
und  entwickelt  wurde,  ist  heute  in  der  praktischen  Werkstatt
der  geschichtlichen  Arbeit  meist  mit  Recht  über  Bord  geworfen
worden  und  wird  kaum  mehr  auferstehen.  Widerspruchsvoll  in
sich  selbst  sind  unsere  heutigen  sogenannten  Weltgeschichten
nichts  anderes  als  ein  Conglomerat  von  sehr  verschiedenen
Wissenschaften,  indem  sie  zu  einem  Theilc  eine  Länder-  und
Völkerkunde,  zum  anderen  die  Staatsgeschichte  willkürlich
auserwählter  Völker  in  einer  ungleichmässigen  und  von  der
zufälligen  Kenntniss  des  Individuums  dictirten  Weise  aneinanderreihen. ­
  1

1  Nur  erwünscht  erscheint  uns  für  diese  Betrachtung  der  soeben  erschienene
Vortrag  von  Du  Bois-Reymond.  Deutsche  Rundschau  IV.  2.  230.  Denn
von  unserem  Standpunkt  ist  nichts  dagegen  einzuwenden,  wenn  die
Naturforschung  immer  wieder  ihre  Forderungen  an  die  Geschichte  der
Menschheit  zur  Geltung  bringt.  Wenn  aber  Du  Bois-Reymond  triumphirend
ausruft:  ,da  erblicken  wir  eine  ganz  andere  Weltgeschichte,  als  die,  welche
gewöhnlich  diesen  Namen  trägt, 1  —  so  wäre  es  nicht  schwer,  ihm  nachzuweisen, ­
  dass  es  mit  seiner  Weltgeschichte  auch  nicht  übermässig  guj
bestellt  ist,  denn  was  er  über  Christenthum,  Islam,  Judenthum  und  über
viele  andere  geistige  Factoren  sagt,  wird  ohngeführ  dasselbe  Lächeln  bei
jenen  erregen,  die  von  der  Sache  mehr  verstehen,  als  er,  welches  ihm
die  Ausseraehtlassung  der  natürlichen  Factoren  der  Geschichte  erregt.
Wir  unsererseits  billigen  sehr,  wenn  es  betont  wird,  dass  man  den
geistigen  Zustand  der  Alten  schlecht  beurtheilt,  wenn  man  Dinge  nicht
weiss,  welche  Littrow  über  das  Sehen  in  der  Astronomie  bemerkt  hat.
Ob  man  die  Frage  des  Unterganges  des  römischen  Reiches  lieber  auf
das  Zurückbleiben  in  den  Naturwissenschaften  überhaupt  oder  auf  den
mangelhaften  Dünger  im  Besonderen  zurückzuführen  habe,  mag  hier  dahingestellt ­
  bleiben,  wir  freuen  uns  aber  sehr,  wenn  die  Naturforschung  ihre
Rechte  immer  mehr  geltend  macht  und  den  Beweis  liefert,  dass  ohne  ihre
Kenntniss  der  Menschheitsbegriff  in  geschichtlicher  Entwickelung  nicht
fassbar  ist.  Es  haben  ja  auch  schon  mehr  Leute  dergleichen  gesagt.
Wenn  die  Naturforsehung  dem  gewöhnlichen  Geschichtsbetrieb  immer
mehr  und  mehr  entzieht,  so  ist  dies  für  eine  schliessliche  Verständigung
der  Wissenschaften  untereinander  gewiss  nur  erspriesslich;  verfehlt  wäre
nur,  wenn  die  Naturforschung  meinte,  dass  das  was  sie  vom  quaternären
Menschen  an  bis  auf  Du  Bois-Reymond  Und  Virchow  als  Weltgeschichte
ausgeben  würde,  weniger  einseitig  sein  würde.  Wie  verächtlich  man
auch  von  dem  reden  mag,  was  man  das  Steigen  und  Fallen  der  Könige
und  Reiche,  Völkerhetzen,  Morden  u.  s.  w.  nennt,  —  man  versuche  es
nur,  die  elementaren  gesellschaftlichen  Factoren  ausser  Acht  zu  lassen,
            
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