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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich  Christoph  Schlosser.

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Wissen  als  ein  Ziel  des  Strebens  betrachten  möchte,  so  leuchtet
doch  ein,  dass  damit  ein  Princip  nicht  gewonnen  wäre,  welches
die  Wissenschaft  der  Geschichte  als  solche  zu  begrenzen  fähig
wäre  und  einen  Unterschied  zwischen  den  Aufgaben  der  Geschichte ­
  und  denjenigen  anderer  Wissenschaften  constituiren
könnte.  Wie  man  also  auch  den  Begriff  der  Weltgeschichte
zeitlich  und  räumlich  fassen  würde,  so  müsste  doch  schon,  um
seine  Grenzen  gegenüber  anderen  Wissenschaften  zu  erkennen,
ein  Moment  herangezogen  werden,  welches  die  Aufgabe  specieller
und  in  Absicht  auf  eine  besondere  Erkenntniss  menschlicher
Verhältnisse  und  Zustände  kennzeichnet.  Bei  der  praktischen
Uebung  und  Anwendung  ist  denn  auch  wirklich  der  Geschichtschreiber ­
  gemeiniglich  nicht  im  Zweifel,  welchen  Erscheinungen
des  Lebens  er  seine  vorzüglichste  Aufmerksamkeit  zuzuwenden
hat;  ohne  ein  Bedenken  findet  er  in  den  gesellschaftlichen  oder
politischen  Momenten  die  Merkmale  für  die  entsprechende  Begrenzung ­
  seiner  Forschungen  und  Darstellungen.
In  Wahrheit  ist  es  fast  ausschliesslich  der  Staat,  dem  der
Geschichtschreiber  seine  Aufmerksamkeit  zuwendet  und  den  er
mit  Recht  als  das  besondere  Gebiet  seiner  Wissenschaft  betrachtet. ­
  In  der  gesellschaftlichen  Erscheinung  des  Staates
findet  der  Historiker  das  sachlich  begrenzte  Forschungsprincip,
welches  ihm  es  möglich  macht,  seine  Aufgabe  von  der  Aufgabe
anderer  Wissenschaften  zu  sondern.  In  der  Wirklichkeit  wird
sich  auch  kein  Historiker  darüber  beunruhigen,  dass  er
neben  anderen  Aeusserungen  der  menschlichen  Entwickelung
von  der  höchsten  geistigen  Leistung  der  Menschheit,  von  der
Geschichte  der  Sprache,  gemeiniglich  nichts  oder  sehr  wenig
erzählt,  in  Wirklichkeit  war,  ist  und  bleibt  der  Historiker
eben  ein  Erzähler  von  dem,  was  die  Menschheit  in  ihrem  staatlichen ­
  Leben  oder  noch  richtiger,  was  in  einer  ganz  bestimmten
Anzahl  von  gesellschaftlich  höher  entwickelten  Staaten  auf  der
jeweils  bekannten  Erde  vor  sich  gegangen  ist.  In  der  Theorie
aber,  in  der  Wissenschaftslehre  der  Geschichte  will  man  diese
wirkliche  Leistung  nicht  bescheiden  zugestehen,  man  verspricht
mehr,  man  wird  aus  lauter  Wissenschaftseifer  höchst  unwissenschaftlich ­
  und  kann  sich  von  einem  veralteten,  ursprünglich  der
Bibel  entnommenen,  vom  Christenthume  verschärften  Irrthume
über  den  Begriff  der  Menschheit  doch  nicht  losmachen.  Was
            
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