Friedrich Christoph Schlosser.
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Wissen als ein Ziel des Strebens betrachten möchte, so leuchtet
doch ein, dass damit ein Princip nicht gewonnen wäre, welches
die Wissenschaft der Geschichte als solche zu begrenzen fähig
wäre und einen Unterschied zwischen den Aufgaben der Geschichte
und denjenigen anderer Wissenschaften constituiren
könnte. Wie man also auch den Begriff der Weltgeschichte
zeitlich und räumlich fassen würde, so müsste doch schon, um
seine Grenzen gegenüber anderen Wissenschaften zu erkennen,
ein Moment herangezogen werden, welches die Aufgabe specieller
und in Absicht auf eine besondere Erkenntniss menschlicher
Verhältnisse und Zustände kennzeichnet. Bei der praktischen
Uebung und Anwendung ist denn auch wirklich der Geschichtschreiber
gemeiniglich nicht im Zweifel, welchen Erscheinungen
des Lebens er seine vorzüglichste Aufmerksamkeit zuzuwenden
hat; ohne ein Bedenken findet er in den gesellschaftlichen oder
politischen Momenten die Merkmale für die entsprechende Begrenzung
seiner Forschungen und Darstellungen.
In Wahrheit ist es fast ausschliesslich der Staat, dem der
Geschichtschreiber seine Aufmerksamkeit zuwendet und den er
mit Recht als das besondere Gebiet seiner Wissenschaft betrachtet.
In der gesellschaftlichen Erscheinung des Staates
findet der Historiker das sachlich begrenzte Forschungsprincip,
welches ihm es möglich macht, seine Aufgabe von der Aufgabe
anderer Wissenschaften zu sondern. In der Wirklichkeit wird
sich auch kein Historiker darüber beunruhigen, dass er
neben anderen Aeusserungen der menschlichen Entwickelung
von der höchsten geistigen Leistung der Menschheit, von der
Geschichte der Sprache, gemeiniglich nichts oder sehr wenig
erzählt, in Wirklichkeit war, ist und bleibt der Historiker
eben ein Erzähler von dem, was die Menschheit in ihrem staatlichen
Leben oder noch richtiger, was in einer ganz bestimmten
Anzahl von gesellschaftlich höher entwickelten Staaten auf der
jeweils bekannten Erde vor sich gegangen ist. In der Theorie
aber, in der Wissenschaftslehre der Geschichte will man diese
wirkliche Leistung nicht bescheiden zugestehen, man verspricht
mehr, man wird aus lauter Wissenschaftseifer höchst unwissenschaftlich
und kann sich von einem veralteten, ursprünglich der
Bibel entnommenen, vom Christenthume verschärften Irrthume
über den Begriff der Menschheit doch nicht losmachen. Was