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Lorenz.
der Menschen, welche den Culturentwickelungen des Buddhismus
folgte, entschieden das gleiche Recht historischer Beachtung
finden müsste, wie die geringere Zahl der Völker, die dem
Christenthume angehört, und doch existirt bis auf diesen Tag
noch keine einzige Weltgeschichte, welche auch nur ein tiefergehendes
Interesse, eine ernsthaftere Einsicht ii) die welthistorische
und philosophische Bedeutung der grossen welterobernden Religion
des östlichen Asiens vermitteln würde. 1 Wenn Schlözer
behauptete, dass die Weltgeschichte ,ihre Neugierde so gut am
Hoangho und Nil, als an der Tiber und Weichsel weidet', so
ist dies ein schöner Satz, der gleichwohl weder von Schlosser
noch von irgend einem seiner universalhistorischen Nachfolger
zur Wahrheit gemacht worden ist. Nach wie vor ist alles das
was die Weltgeschichte für die Vergangenheit der Menschheit
zu leisten verspricht nicht viel mehr als eine Phrase, und muss
mit jeder neuen Entdeckung, welche im Gebiete der Sprachwissenschaften,
im Gebiete der Geographie und Ethnographie
gemacht wird, in immer grösserem Maassstab leere Phrase
bleiben. Eine die Menschheit erschöpfende Universalgeschichte
ist für jeden einzelnen ein frommer Wunsch seiner Erkenntniss,
eine Befriedigung in grossem Sinne wird hierin ein Sterblicher
so wenig zu erlangen fähig sein, als jemandem gelingen mag
den gesammten Umfang alles menschlichen Wissens und aller
menschlichen Erfahrung in sich zu vereinigen und aufzunehmen.
Denkt man noch ausserdem daran, die Menschheit in dem
ganzen Umfange ihrer Thätigkeit, in dem ganzen Umfange ihres
Könnens, Wissens, Schaffens zu erfassen und den Forderungen
gerecht zu werden, welche sich aus dem Causalzusammenhang
der Ereignisse in Hinsicht auf die Culturentwickelung ergeben,
so wäre zur Darstellung der Universalgeschichte ein Wissen
nöthig, welches alle einzelnen Wissenschaften in sich begreift,
und es gäbe dann überhaupt nur Eine Wissenschaft, die Wissenschaft
von dem was die Menschheit überhaupt erlebt, erforscht,
erfahren und geleistet hat. So sehr man nun auch ein solches
1 Man muss es den Herren von der Universalgeschichte bei jeder Gelegenheit
ins Gedächtniss rufen, dass Schlagintweit 341 Millionen Buddhisten
berechnet und die besten Berechnungen für das Christenthum auf 320 bis
330 Millionen lauten. Wo ist also die Menschheit unserer Geschichtsbücher.