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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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Lorenz.

der  Menschen,  welche  den  Culturentwickelungen  des  Buddhismus ­
  folgte,  entschieden  das  gleiche  Recht  historischer  Beachtung
finden  müsste,  wie  die  geringere  Zahl  der  Völker,  die  dem
Christenthume  angehört,  und  doch  existirt  bis  auf  diesen  Tag
noch  keine  einzige  Weltgeschichte,  welche  auch  nur  ein  tiefergehendes ­
  Interesse,  eine  ernsthaftere  Einsicht  ii)  die  welthistorische
und  philosophische  Bedeutung  der  grossen  welterobernden  Religion ­
  des  östlichen  Asiens  vermitteln  würde. 1  Wenn  Schlözer
behauptete,  dass  die  Weltgeschichte  ,ihre  Neugierde  so  gut  am
Hoangho  und  Nil,  als  an  der  Tiber  und  Weichsel  weidet',  so
ist  dies  ein  schöner  Satz,  der  gleichwohl  weder  von  Schlosser
noch  von  irgend  einem  seiner  universalhistorischen  Nachfolger
zur  Wahrheit  gemacht  worden  ist.  Nach  wie  vor  ist  alles  das
was  die  Weltgeschichte  für  die  Vergangenheit  der  Menschheit
zu  leisten  verspricht  nicht  viel  mehr  als  eine  Phrase,  und  muss
mit  jeder  neuen  Entdeckung,  welche  im  Gebiete  der  Sprachwissenschaften, ­
  im  Gebiete  der  Geographie  und  Ethnographie
gemacht  wird,  in  immer  grösserem  Maassstab  leere  Phrase
bleiben.  Eine  die  Menschheit  erschöpfende  Universalgeschichte
ist  für  jeden  einzelnen  ein  frommer  Wunsch  seiner  Erkenntniss,
eine  Befriedigung  in  grossem  Sinne  wird  hierin  ein  Sterblicher
so  wenig  zu  erlangen  fähig  sein,  als  jemandem  gelingen  mag
den  gesammten  Umfang  alles  menschlichen  Wissens  und  aller
menschlichen  Erfahrung  in  sich  zu  vereinigen  und  aufzunehmen.
Denkt  man  noch  ausserdem  daran,  die  Menschheit  in  dem
ganzen  Umfange  ihrer  Thätigkeit,  in  dem  ganzen  Umfange  ihres
Könnens,  Wissens,  Schaffens  zu  erfassen  und  den  Forderungen
gerecht  zu  werden,  welche  sich  aus  dem  Causalzusammenhang
der  Ereignisse  in  Hinsicht  auf  die  Culturentwickelung  ergeben,
so  wäre  zur  Darstellung  der  Universalgeschichte  ein  Wissen
nöthig,  welches  alle  einzelnen  Wissenschaften  in  sich  begreift,
und  es  gäbe  dann  überhaupt  nur  Eine  Wissenschaft,  die  Wissenschaft ­
  von  dem  was  die  Menschheit  überhaupt  erlebt,  erforscht,
erfahren  und  geleistet  hat.  So  sehr  man  nun  auch  ein  solches
1  Man  muss  es  den  Herren  von  der  Universalgeschichte  bei  jeder  Gelegenheit ­
  ins  Gedächtniss  rufen,  dass  Schlagintweit  341  Millionen  Buddhisten
berechnet  und  die  besten  Berechnungen  für  das  Christenthum  auf  320  bis
330  Millionen  lauten.  Wo  ist  also  die  Menschheit  unserer  Geschichtsbücher. ­

            
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