Friedrich Christoph Schlosser.
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heute noch auf demselben inhaltsleeren Standpunkt, auf welchem
Herder es als ein grosses Resultat betrachtete, wenn er behaupten
konnte: ,Das Werk der Vorsehung geht nach allgemeinen
grossen Gesetzen in seinem ewigen Gange fort'. 1
Aber auch seinem äusseren Umfange nach ist der Begriff
der sogenannten Menschheitsgeschichte seit Schlosser kaum
mehr einer ernstlichen Revision unterzogen worden. Wenn man
davon absieht, dass einige moderne Universalhistoriker das
Capitel der ,urweltlichen Zeit' um einige Pfahlbauhistorien erweiterten,
so fängt die Weltgeschichte fast noch überall, wie
in Schlossers Werken mit den Aethiopen an und wandert auf
einer sehr verschiedenen Stufenleiter von Bevorzugung und
Zurücksetzung der Völker nach den wohlbekannten naheliegenden
Ländern, um endlich in den modernen Culturstätten eine
vertraute und heimatliche Basis lang ausgedehnter Erzählungen
zu finden. An eine dürftige schematische Ethnographie der
über den weitaus grössten Tlieil der Erde verbreiteten Menschheit
schliesst sich die staatsgeschichtliche Erörterung unserer
europäischen Vergangenheit mit dem Ansprüche eines für die
Menschheit allein und ausschliesslich massgebenden Werthes
in behaglichster Breite an. Unsere Weltgeschichte steht noch
immer wie zur Zeit des Eusebius auf rein subjectivem Standpunkt
und nimmt den Begriff der objectiven Menschheit dafür
in Anspruch. Man wagt heute zwar nicht mehr, wie Schlosser,
da er zu Indien gelangt, die naive Bemerkung: ,wir können uns
begnügen über die eigentliche Geschichte hinwegzuschlüpfen',
aber wer nur einigermassen in der Oekonomie der universalhistorischen
Darstellung, Gerechtigkeit walten lassen wollte,
der müsste doch gestehen, dass die Menschheit jenseit des
Indus und Ganges gar wenig berücksichtigt wird. Vom Standpunkte
der menschheitlichen Entwickelung wird man gewiss
nicht läugnen können, dass die der Zahl nach grössere Hälfte
sittlichen Anlagen, als ein Ganzes stets näher kam“. Man sieht, es ist
immer die Kantische Naturabsicht mit dem von Schlosser noch obendrauf
gesetzten persönlichen Gott, der aber auf besonderes Verlangen in vielen
anderen weltgeschichtlichen Schulbüchfern auch wegbleiben kann, ohne
dass sich dadurch viel Wesentliches an der Definition und noch viel
weniger an dem Inhalt des Buches und der Weltgeschichte verändert.
1 Herder, Ideen III., 14 am Schluss.