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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich  Christoph  Schlosser.

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heute  noch  auf  demselben  inhaltsleeren  Standpunkt,  auf  welchem
Herder  es  als  ein  grosses  Resultat  betrachtete,  wenn  er  behaupten ­
  konnte:  ,Das  Werk  der  Vorsehung  geht  nach  allgemeinen ­
  grossen  Gesetzen  in  seinem  ewigen  Gange  fort'. 1
Aber  auch  seinem  äusseren  Umfange  nach  ist  der  Begriff
der  sogenannten  Menschheitsgeschichte  seit  Schlosser  kaum
mehr  einer  ernstlichen  Revision  unterzogen  worden.  Wenn  man
davon  absieht,  dass  einige  moderne  Universalhistoriker  das
Capitel  der  ,urweltlichen  Zeit'  um  einige  Pfahlbauhistorien  erweiterten, ­
  so  fängt  die  Weltgeschichte  fast  noch  überall,  wie
in  Schlossers  Werken  mit  den  Aethiopen  an  und  wandert  auf
einer  sehr  verschiedenen  Stufenleiter  von  Bevorzugung  und
Zurücksetzung  der  Völker  nach  den  wohlbekannten  naheliegenden ­
  Ländern,  um  endlich  in  den  modernen  Culturstätten  eine
vertraute  und  heimatliche  Basis  lang  ausgedehnter  Erzählungen
zu  finden.  An  eine  dürftige  schematische  Ethnographie  der
über  den  weitaus  grössten  Tlieil  der  Erde  verbreiteten  Menschheit ­
  schliesst  sich  die  staatsgeschichtliche  Erörterung  unserer
europäischen  Vergangenheit  mit  dem  Ansprüche  eines  für  die
Menschheit  allein  und  ausschliesslich  massgebenden  Werthes
in  behaglichster  Breite  an.  Unsere  Weltgeschichte  steht  noch
immer  wie  zur  Zeit  des  Eusebius  auf  rein  subjectivem  Standpunkt ­
  und  nimmt  den  Begriff  der  objectiven  Menschheit  dafür
in  Anspruch.  Man  wagt  heute  zwar  nicht  mehr,  wie  Schlosser,
da  er  zu  Indien  gelangt,  die  naive  Bemerkung:  ,wir  können  uns
begnügen  über  die  eigentliche  Geschichte  hinwegzuschlüpfen',
aber  wer  nur  einigermassen  in  der  Oekonomie  der  universalhistorischen ­
  Darstellung,  Gerechtigkeit  walten  lassen  wollte,
der  müsste  doch  gestehen,  dass  die  Menschheit  jenseit  des
Indus  und  Ganges  gar  wenig  berücksichtigt  wird.  Vom  Standpunkte ­
  der  menschheitlichen  Entwickelung  wird  man  gewiss
nicht  läugnen  können,  dass  die  der  Zahl  nach  grössere  Hälfte

sittlichen  Anlagen,  als  ein  Ganzes  stets  näher  kam“.  Man  sieht,  es  ist
immer  die  Kantische  Naturabsicht  mit  dem  von  Schlosser  noch  obendrauf
gesetzten  persönlichen  Gott,  der  aber  auf  besonderes  Verlangen  in  vielen
anderen  weltgeschichtlichen  Schulbüchfern  auch  wegbleiben  kann,  ohne
dass  sich  dadurch  viel  Wesentliches  an  der  Definition  und  noch  viel
weniger  an  dem  Inhalt  des  Buches  und  der  Weltgeschichte  verändert.
1  Herder,  Ideen  III.,  14  am  Schluss.
            
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