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Lorenz.
Theil der Herder’schen Ausführungen, die auf unsichere Erfahrungen
ein metaphysisches Gebäude errichten wollten. 1
Es mag heute nicht mehr am Platze scheinen, Schlosser
nach dem zu beurtheilen, was er als Begriff der Universalhistorie
aufstellte, so viel ist aber gewiss, dass wir die Fäden
seines Denkens greifen können, und dass sein ganzer Standpunkt
aus einer Literatur erklärt werden muss, welche der
Zeit nach in seine erste Jugendepoche fällt. Wenn wir aber
heute nach einem Jahrhundert die bei weitem grösste Zahl der
Fachgenossen den Stab über Schlosser’s Geschichtschreibung
brechen sehen, so ist die Frage berechtigt, ob wir eigentlich
über den Standpunkt des vorigen Jahrhunderts in Betreff
dessen, was unter Universalgeschichte zu verstehen sei, wesentlich
hinausgekommen sind. Man braucht nur ein Dutzend
Lehrbücher der Weltgeschichte unserer Tage, die Revue
passiren zu lassen, um sich zu überzeugen, dass allen ohne
Ausnahme die übliche Definition des Begriffs der Universalgeschichte
gedankenlos anhaftet, wie sie von Schlözer auf die
Bahn gebracht, von Kant und Herder erweitert und im Sinne
des letzteren von Schlosser wesentlich verschärft worden ist.
Alle diese Geschichtschreiber, aus denen Jugend und Alter
meistentheils ihre historische Bildung ziehen, versichern uns,
dass sie die Menschheit und ihre Entwickelung zum Gegenstände
der Darstellung und Mittheilung gemacht hätten, alle
wissen in irgend einer oder der anderen Form von den Plänen
zu erzählen, welche Gott mit der Menschheit vorhatte und die
sich in deren Geschichte verwirklichten. 2 Die meisten stehen
1 ICant’s Kritiken von Herder’s Ideen W. W. IV. 171 gehören zu den leseuswerthesten
Streitschriften des vorigen Jahrhunderts. Die prächtige Art, wie
er Herder über dessen Betrachtungen von der Kugelgestalt der Erde ironisirt
u. dgl. m. ist höchst ergötzlich zu lesen. Zugleich zeigt aber die Recension,
dass Kant die Idee des unaufhörlichen Fortschreitens der Gattung durchaus
nicht weltgeschichtlich so sicher annahm, als es nach seinem achten
Satze der Idee zu einer Weltgeschichte angenommen werden könnte.
2 Unter vielen schönen Definitionen, von denen die weltgeschichtlichen
Compendien erfüllt sind, erwähle ich zum Exempel eine, welche so lautet:
,Die allgemeine oder die Weltgeschichte umfasst das ganze menschliche
Geschlecht. (?) Sie erzählt nämlich (!), durch welche Schicksale, Begebnisse
und Tliaten jenes unter der Leitung Gottes seiner Bestimmung,
d. i. der immer vollkommeneren Ausbildung seiner geistigen Kräfte und