Friedrich Christoph Schlosser.
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in dieser Beziehung für richtig, dass er ein Begründer der
neuen deutschen Geschichtschreibung genannt wurde, doch ist
eine Einschränkung dieses Titels nöthig. Die Richtung, welche
als Staatsgeschichtc neben der universalhistorischen auch in
Deutschland vorhanden war und in Göttingen vorzugsweise in
Piitter Vertretung fand, hatte durch Schlözer wenig oder keine
neuen Gesichtspunkte erhalten. Was man zu seinem Lobe in
Bezug auf die historische Kritik sagen wollte, entbehrt durchaus
der Begründung, denn was auf diesem Gebiete seit Mascow —
von Leibnitz gar nicht zu reden — gleichsam kanonisch feststand,
müsste als viel epochemachender gelten, wie das, was
Schlözer in dieser Beziehung hinzufügte. Begründend war also
weitem Blick die ganze Bühne, auf welcher jemals Rollen gespielt worden
sind. Jeder Welttheil ist ihr gleich. Nicht vier Monarchien, aus etwa
dreissig anderen ärmlich lierausgesehiedeu, nicht Volk Gottes, nicht
Griechen und Römer beschäftigen sie mit Prädilection. Sie weidet ihre
Neugier so gut am Hoangho und Nil, als an der Tiber und Weichsel 1 .
Dagegen ist Schlözer in Bezug auf den Anfang seiner Universalgeschichte
noch sehr bescheiden im Vergleich mit der von Schlosser gepflegten
Richtung, da er wenigstens die ,verzeichnete Ueberlieferung 1 als Grenze
der Geschichte ansetzt. Sehr marktschreierisch geht er aber in Bezug
auf den Umfang dessen zu Werke, was als Aeusserung menschlicher Thätigkeit
angeblich eine der politischen Geschichte gleichgestellte Bedeutung
in Anspruch nimmt: Nach seiner Ansicht ist die Universalgeschichte eben
so sehr Staats- als Kunstgeschichte, Handels- wie Gelehrtengeschichte
und beschäftigt sich auch mit den Veränderungen und Verhältnissen der
Natur, sofern hiedurch das Leben der Menschen berührt wird. Man muss
übrigens bemerken, dass Schlözer in der praktischen Anwendung der
letzteren Dinge sehr verständig im besten Sinne realistisch zu Werke
geht und heute noch als Muster gelten kann. Dass er aber auch da den
Umfang der Weltgeschichte theoretisch mehr ausstopft, als er halten
konnte, lag eben in den universalhistorischen Vorstellungen seiner Zeit-Vgl.
übrigens Wcsendonck, Die Begründung der neueren deutschen Geschichtschreibung
S. 1R5 ft'. Wie man aber in diesen rein äusseren Dingen
der Geschichtschreibung die Begründung der neueren deutschen Geschichtschreibung
sehen mag — und in einem — vom Standpunkte
der allgemeinen Literatur betrachtet — als ein Geist sechsten oder
siebenten Ranges dastehenden Gelehrten , wie Gatterer den Begründer
unserer heutigen Historiographie sehen will, beweist, wie unendlich bescheiden,
vom allgemeinen literarischen Standpunkt, der heutige Historiker
von sich denkt. Es ist übrigens schade, dass das lehrreiche Buch
von Wcsendonck in einer so wenig gerundeten Form erscheinen konnte,
zahllose Wiederholungen enthält und aus verschiedenen Theilen zusammengesetzt
ist.