Friedrich Christoph Schlosser.
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es uns die Anknüpfungspunkte seiner welthistorischen Arbeiten
sicherzustellen, aber dass ihm die sämmtliehen vorhergegangenen
Weltgeschichten nicht genügten, dass er nach einer grösseren
Vertiefung strebte, dass er die Ideen der Entwickelung ernster
aufsuchen zu müssen meinte, kann keinen Augenblick verkannt
werden. 1
So lange die Vergangenheit überhaupt zum Gegenstände
von Darstellungen gemacht worden ist, gingen im Grunde genommen,
stets zwei Richtungen neben einander durch die
Literaturen aller uns näher stehenden Völker. Die eine suchte
ihren Schwerpunkt mehr in den gesellschaftlichen Verhältnissen,
in den staatlichen Momenten der nächststehenden Völker oder
in der nationalen Ueberlieferung, wo Nation und Staat sich
irgend identitieiren Hessen, die andere Tendenz dagegen war
universell, ging auf die Erkenntniss dessen, was der beschränkte
Gesichtskreis Menschheit und Welt nannte und suchte die bekannten
Ereignisse dieser Welt und dieser Menschheit unter einheitlicheren
Gesichtspunkten zu fassen. Die sogenannte römische
Weltmonarchie, die Selbsttäuschung des Christenthums als einer
eingebildeten Weltreligion und die humanitären Ideen des
1 Hier wäre der Platz, über das Verhältniss Sehlosser’s zu Johannes von
Müller zu reden, worüber jedoch ausser der Stelle vgl. Note Seite 15
keine sicheren Anhaltspunkte vorliegen. Was Johannes von Müller’s
Stellung in der Historiographie überhaupt anbelangt, so hat Büdinger,
Ueber Darstellungen der allgemeinen Geschichte, insbesondere des Mittelalters,
Müller gleichsam als den Schlusspunkt der universalhistorischen
Entwicklung bezeichnet. Ich bin nun nicht sicher, ob die 24 Bücher
ohne eingehende Berücksichtigung Voltaire’s zu verstehen wären. Darin
aber stimme ich wie ich vermuthe, mit Büdinger überein, dass nach einer
Seite der Betrachtung, nämlich in Bezug auf die räumliche Auffassung
der Weltgeschichte Müller in eine ganz andere Reihe gehört als Schlosser,
und dass er in Bezug auf den universalhistorischen Begriff viel vorsichtiger
und gemässigter war als Schlosser. Man darf auch nicht ausser
Acht lassen, dass er seinem Buch sehr verständig anfangs den Tite|
les epoques de Phistoire politique des principales nations gegeben
hatte, wie denn auch der schliessliche Titel nur von der ,europäischen
Menschheit 1 spricht. Ohne dass ich hierin gerade einen beabsichtigten
Gegensatz gegen die universalhistorische Theorie der Anderen erblicke,
scheint mir doch anzuerkennen, dass sich Johannes von Müller klug genug
durch das modern gewordene Stichwort von der allgemeinen Menschheit
nicht verblenden liess.