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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich  Christoph  Schlosser.

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es  uns  die  Anknüpfungspunkte  seiner  welthistorischen  Arbeiten
sicherzustellen,  aber  dass  ihm  die  sämmtliehen  vorhergegangenen
Weltgeschichten  nicht  genügten,  dass  er  nach  einer  grösseren
Vertiefung  strebte,  dass  er  die  Ideen  der  Entwickelung  ernster
aufsuchen  zu  müssen  meinte,  kann  keinen  Augenblick  verkannt
werden. 1
So  lange  die  Vergangenheit  überhaupt  zum  Gegenstände
von  Darstellungen  gemacht  worden  ist,  gingen  im  Grunde  genommen, ­
  stets  zwei  Richtungen  neben  einander  durch  die
Literaturen  aller  uns  näher  stehenden  Völker.  Die  eine  suchte
ihren  Schwerpunkt  mehr  in  den  gesellschaftlichen  Verhältnissen,
in  den  staatlichen  Momenten  der  nächststehenden  Völker  oder
in  der  nationalen  Ueberlieferung,  wo  Nation  und  Staat  sich
irgend  identitieiren  Hessen,  die  andere  Tendenz  dagegen  war
universell,  ging  auf  die  Erkenntniss  dessen,  was  der  beschränkte
Gesichtskreis  Menschheit  und  Welt  nannte  und  suchte  die  bekannten ­
  Ereignisse  dieser  Welt  und  dieser  Menschheit  unter  einheitlicheren ­
  Gesichtspunkten  zu  fassen.  Die  sogenannte  römische
Weltmonarchie,  die  Selbsttäuschung  des  Christenthums  als  einer
eingebildeten  Weltreligion  und  die  humanitären  Ideen  des

1  Hier  wäre  der  Platz,  über  das  Verhältniss  Sehlosser’s  zu  Johannes  von
Müller  zu  reden,  worüber  jedoch  ausser  der  Stelle  vgl.  Note  Seite  15
keine  sicheren  Anhaltspunkte  vorliegen.  Was  Johannes  von  Müller’s
Stellung  in  der  Historiographie  überhaupt  anbelangt,  so  hat  Büdinger,
Ueber  Darstellungen  der  allgemeinen  Geschichte,  insbesondere  des  Mittelalters, ­
  Müller  gleichsam  als  den  Schlusspunkt  der  universalhistorischen
Entwicklung  bezeichnet.  Ich  bin  nun  nicht  sicher,  ob  die  24  Bücher
ohne  eingehende  Berücksichtigung  Voltaire’s  zu  verstehen  wären.  Darin
aber  stimme  ich  wie  ich  vermuthe,  mit  Büdinger  überein,  dass  nach  einer
Seite  der  Betrachtung,  nämlich  in  Bezug  auf  die  räumliche  Auffassung
der  Weltgeschichte  Müller  in  eine  ganz  andere  Reihe  gehört  als  Schlosser,
und  dass  er  in  Bezug  auf  den  universalhistorischen  Begriff  viel  vorsichtiger ­
  und  gemässigter  war  als  Schlosser.  Man  darf  auch  nicht  ausser
Acht  lassen,  dass  er  seinem  Buch  sehr  verständig  anfangs  den  Tite|
les  epoques  de  Phistoire  politique  des  principales  nations  gegeben
hatte,  wie  denn  auch  der  schliessliche  Titel  nur  von  der  ,europäischen
Menschheit 1  spricht.  Ohne  dass  ich  hierin  gerade  einen  beabsichtigten
Gegensatz  gegen  die  universalhistorische  Theorie  der  Anderen  erblicke,
scheint  mir  doch  anzuerkennen,  dass  sich  Johannes  von  Müller  klug  genug
durch  das  modern  gewordene  Stichwort  von  der  allgemeinen  Menschheit
nicht  verblenden  liess.
            
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