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Lorenz.
sittlichen Erfolge, der durch ihre Verbreitung gewonnen wird,
auf ihren Werth oder Unwerth geschlossen werden kann.
,Der Glaube an Schriftlehren, die eigentlich haben offenhart
werden müssen/ so sagt Kant, ,wenn sie haben gekannt werden
sollen, hat an sich kein Verdienst und der Mangel desselben,
ja sogar der ihm entgegenstehende Zweifel ist an sich keine
Verschuldung, sondern Alles kommt in der Religion aufs Thun
an und diese Endabsicht, mithin auch ein dieser gemässer Sinn
muss allen biblischen Glaubenslehren untergelegt werden/ Und
weiter: ,Nehme ich das Glauben ohne diese moralische Rücksicht
blos in der Bedeutung eines theoretischen Fürwahrhaltens,
z. B. dessen, was sich auf dem Zeugnisse Anderer geschichtmässig
gründet, oder auch, weil ich mir gewisse gegebene Erscheinungen
nicht anders, als unter dieser oder jener Voraussetzung
erklären kann, zu einem Princip an, so ist ein solcher
Glaube, weil er weder einen besseren Menschen macht, noch
einen solchen beweiset, gar kein Stück der Religion 1 , u. s. w. 1
Ist es nicht auch durch und durch die Grundanschauung
Schlosser’s in allen religiösen Fragen den moralischen Werth
zum Maasstabe ihrer Beurtheilung zu machen ? Kann man eine
deutlichere Verwandtschaft in geistigen Dingen finden als die
zwischen den Schlosser’schen Urtheilen und jenen Kantischen
Sätzen? Schlosser selbst, der zur Kenntniss des Mittelalters
den Aristoteles für erforderlich hält, würde ohne Zweifel wenig
gegen unser Resultat einzuwenden haben, dass zu seinem Verständniss
fast überall Kant und seine Philosophie nöthig erscheint.
Hier ist also die Quelle der von Gervinus so oft und so
volltönend gepriesenen ,sittlichen Kritik', welcher ,ganz innerliche
mit seinem Charakter tief zusammenhängende Motive' zu
Grunde liegen sollten. Hätte man sich bemüht, unsern Geschichtschreiber
weniger wie einen aus sich selbst herausgewachsenen
Baum, als vielmehr wie einen mitten in der Literatur und Bewegung
seiner Zeit stehenden Denker zu betrachten, so konnte
man sich viel Streit ersparen. Es war ein allgemeiner Vorzug,
oder, wie Andere sagen mögen, ein allgemeines Uebel, dass
fast alle Gelehrte seiner Zeit in der kritischen Philosophie wie
1 Kant, W. W. VII. 359.