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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich  Christoph  Schlosser.

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reden  —  durch  diese  kritische  Sonderung  eines,  wie  es  schien,
sicli  selbst  widersprechenden  Begriffs  beruhigt.  Eine  aufrichtige,
man  könnte  sagen,  fromme  Verehrung  für  das,  was  ,innerhalb
der  Grenzen  der  Vernunft'  die  Religion  zu  leisten  vermochte,
und  eine  scharfe  Opposition  gegen  das,  was  der  Kirchenglaube
in  seinen  Abwandlungen  fordert,  waren  die  Resultate  dieser
Kantischen  Lehre  in  der  Grundstimmung  der  meisten  und  hervorragendsten ­
  Männer  der  Zeit.  Die  Entschiedenheit,  mit
welcher  Kant  in  dem  Streit  der  Fac.ultäten  die  Werthschätzung
der  fundamentalsten  Glaubenssätze  auf  ihre  Wirkung  für  das
jeweilig  Praktische  und  Moralische  zurückführte,  ist,  wenn  man
die  Geschichtschreibung  jener  Zeit  ins  Auge  fasst,  auf  die
Urtheile  Schlosser’s  in  den  bilderstürmenden  Kaisern  übergegangen. ­

Was  wollte  Schlosser  mit  der  Darstellung  einer  entlegenen
Zeitperiode,  welche  durch  den  grössten  Meinungskampf  in  der
speculativen  Dogmatik  ausgezeichnet  ist,  eigentlich  gesagt
haben?  Was  war  seine  eigene  Ansicht  über  die  dogmatische
Speculation  ?  Charakteristisch  genug  für  ihn  ist  es,  dass  er
sich  fast  nie  mit  der  begrifflichen  Deduction  der  streitigen
Lehren  des  7.  und  8.  Jahrhunderts  lange  aufhält;  er  verweist
die  Lehre  nicht  nur  aus  Bequemlichkeit  auf  die  gangbaren
Kirchen-  und  Dogmengeschichten,  es  widerstrebt  ihm,  sich  in
die  Irrgänge  der  dogmatischen  Speculation  zu  verlieren,  aber
er  vernichtet  sie  durch  die  Erzählung  der  Thatsachen  und
durch  ein  rücksichtsloses  Urtheil  über  die  handelnden  Personen.
Wenn  man  die  Geschichte  der  bilderstürmenden  Kaiser  auf
ihren  allgemeinen  philosophischen  Gehalt  zurückführen  wollte,
so  könnte  man  das  Werk  vielleicht  als  den  Nachweis  bezeichnen,
dass  der  religiöse  Lehrsatz  an  und  für  sich  so  gut  wie  gar
keine  Bedeutung  besitze,  sondern  dass  nur  aus  dem  moralischen
Sinne,  welcher  in  die  Glaubenssätze  hineingelegt  und  aus  dem

Verwandtschaft  der  Ideen  Schlosser’s  mit  Kant  ist  so  gross,  dass  ich
übrigens  noch  vorsorglich  die  Bemerkung  machen  muss,  dass  ich  nicht
etwa  glaube,  Schlosser  habe  einen  Satz  wie  den  citirten  speciell  sich
abgeschrieben  und  immer  vor  Augen  gehalten,  als  er  seine  bilderstürmenden ­
  Kaiser  verfasste;  allein  um  die  Fäden  handelt  es  sich  in  Sachen
des  Geistes,  die  von  einem  zum  andern  hiniiberleiten.
            
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