auch von unseren heutigen sogenannten exacten Forschern des
Mittelalters nicht abgesprochen werden können, welche die
Idee gewiss recht sehr belächeln mögen, dass man den Aristoteles
erst lesen sollte, um Autoren des 12. Jahrhunderts zu behandeln.
Für uns mag diese methodische Frage vorläufig offen
gelassen werden, das geschichtliche Bedürfniss der classischen
Literaturepoche aber war unzweifelhaft philosophischer Natur
und speculativen Ursprungs; sich speciell bei Schlosser über
diese allgemeine Grundstimmung historischer Denker zu verwundern
, hiesse wahrlich einen Beweis der Unkenntniss des
literarischen Geistes in Deutschland in der Kantischen und
Nachkantischen Epoche geben. Auch die zunächst in Angriff
genommenen Arbeiten über Theodor Beza und Peter Martir
Vermili tragen das Gepräge eines vorwiegend auf die sittlichen
und religiösen Fragen gerichteten Interesses an sich, obwohl
Schlosser zu diesem Stoffe nicht auf dem Wege des eigenen
Studienganges, sondern durch äussere Anregung gelangt war.
Er erhielt durch den Generalsuperintendenten Löffler in Gotha
,den kostbaren Band handschriftlicher Briefe der Reformatoren',
welchem er das bis dahin fast gänzlich unbekannte Material
entnahm. Seine theologische Vorbildung machte ihm möglich,
den Gegenstand in ausserordentlich kurzer Zeit zu erledigen,
seinen Standpunkt bei der Darstellung desselben aber zu begreifen,
wird wieder nur dann gelingen, wenn man sich an das
lebhafte Eindringen des Kantischen Rationalismus in die Theologie
jener Zeit erinnert. So heisst es in der Einleitung zum
Beza: ,Da der positiven Religion und dem positiven oder dogmatischen
Theile der christlichen Religion besonders eine gänzliche
Veränderung zu drohen scheint, so ist es allerdings jetzt eine
ungünstige Periode, um das Andenken an Männer zu erneuern,
die im 16. Jahrhundert mit heissem Eifer die reine Bibellehre
als einzige göttliche Offenbarung zu vertheidigen und an die
Stelle eines leeren Ceremoniendienstes zu setzen sich bemühten'.
So bestimmt sich Schlosser selbst nun aber zu einem Gottesglauben
bekennt, der sich von demjenigen seiner ,Glaubenshelden'
nicht unwesentlich unterscheidet, so bemüht er sich in
diesem frühen Werke mehr, als er es später that, sein eigenes
Urtheil über jedes einzelne zurückzudrängen. In der Einleitung
beruhigt er sich über die Verschiedenheit seines Standpunktes: