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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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Loren«.

Stellung-  Selilosser’s  in  der  deutschen  Historiographie  nicht
schon  früher  in  unbefangener  Weise  eine  allgemeinere  Verständigung ­
  zu  erzielen  vermochte,  liegt  zum  Theil  darin,  dass
die  Chronologie  seiner  Werke,  seines  Lebens  überhaupt,  nicht
ganz  parallel  mit  der  entsprechenden  allgemeinen  Entwickelung
der  Literatur  läuft,  sondern  um  einige  Jahre  zurückbleibt.  Indem
er  sich  in  verhältnissmässig  späten  Lebensjahren  zu  schriftstellerischer ­
  Production  durcharbeitete,  in  ungewöhnlich  vorgerückten ­
  Jahren  eine  akademische  Lehrthätigkeit  begann  und
zur  Vollendung  seiner  Hauptwerke  erst  in  einer  Zeit  gelangte,
wo  auf  den  Höhen  bereits  ein  sehr  verschiedener  Luftstrom
herrschte,  geschah  es,  dass  man  sich  über  seine  Stellung  und
Bedeutung  nicht  leicht  zu  orientiren  vermochte,  und  dass  um
seine  Seele  gewissermassen  ein  Kampf  zwischen  einer  älteren
und  einer  jüngeren  Generation  der  Geister  entstand,  der  zu  den
unpassendsten  Vergleichungen,  zu  den  unseligsten  Missverständnissen ­
  führte.  Hätte  Schlossers  Lebensgang  sich  nicht  einigermassen
  verspätet,  so  hätte  seine  Universalgeschichte  in  unmittelbarem ­
  Anschluss  an  Ilerder’s  Ideen  erscheinen  müssen
und  sein  18.  Jahrhundert  wäre  zu  der  Zeit,  wo  es  im  Gedanken
concipirt  war,  auch  nach  jeder  Richtung  hin  von  epochemachender ­
  Bedeutung  gewesen.  Als  seine  Werke  aber  wirklich
erschienen,  concurrirten  sie  bereits  mit  Erscheinungen  von
solchen,  die  unter  anderen  Sternen  herangewachsen  waren.
Wohl  aber  ist  es  ganz  begreiflich,  dass  jemand,  der  die  Entwickelung ­
  der  Historiographie  recht  lebendig  nachempfand  und

besteht  aber  auch  darin  keine  Uebereinstimmung,  indem  einige  das  Merkmal ­
  des  modernen  Geistes  in  reinen  Aeusserliohkeiten  suchen  können  und
daher  den  pedantischen  Gatterer  als  Vater  der  Geschichtschreibung  preisen
werden.  Sieht  man  dagegen  auf  das  Innere,  so  muss  man  schon  andere
Factoren  aufsuchen.  Was  man  heute  Wissenschaft  überhaupt,  und  im
Besonderen  Geschichtswissenschaft  nennt,  beruht  dem  Mittelalter  gegenüber ­
  auf  dem  Unglauben  und  auf  der  Verwerfung  der  Postulate  als  wirkender ­
  Mächte  —  fasse  ich  die  Geschichte  unter  diesen  Gesichtspunkt,
so  weiss  ich  keinen  anderen  Einschnitt  und  Abschnitt  zu  machen,  als
in  der  Philosophie  des  vorigen  Jahrhunderts  überhaupt,  und  ich  verwahre
mich  gleich  jetzt  ein-  für  allemal  gegen  den  Gedanken,  dass  ich  es  darauf
abgesehen  hätte,  speciell  an  Kant  als  den  Reformator  der  Geschichte  in
der  Weise  anzuknüpfen,  wie  dies  etwa  übertrieben  Buckle  mit  Voltaire,
Andere  mit  Anderen  gemacht  haben.
            
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