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Loren«.
Stellung- Selilosser’s in der deutschen Historiographie nicht
schon früher in unbefangener Weise eine allgemeinere Verständigung
zu erzielen vermochte, liegt zum Theil darin, dass
die Chronologie seiner Werke, seines Lebens überhaupt, nicht
ganz parallel mit der entsprechenden allgemeinen Entwickelung
der Literatur läuft, sondern um einige Jahre zurückbleibt. Indem
er sich in verhältnissmässig späten Lebensjahren zu schriftstellerischer
Production durcharbeitete, in ungewöhnlich vorgerückten
Jahren eine akademische Lehrthätigkeit begann und
zur Vollendung seiner Hauptwerke erst in einer Zeit gelangte,
wo auf den Höhen bereits ein sehr verschiedener Luftstrom
herrschte, geschah es, dass man sich über seine Stellung und
Bedeutung nicht leicht zu orientiren vermochte, und dass um
seine Seele gewissermassen ein Kampf zwischen einer älteren
und einer jüngeren Generation der Geister entstand, der zu den
unpassendsten Vergleichungen, zu den unseligsten Missverständnissen
führte. Hätte Schlossers Lebensgang sich nicht einigermassen
verspätet, so hätte seine Universalgeschichte in unmittelbarem
Anschluss an Ilerder’s Ideen erscheinen müssen
und sein 18. Jahrhundert wäre zu der Zeit, wo es im Gedanken
concipirt war, auch nach jeder Richtung hin von epochemachender
Bedeutung gewesen. Als seine Werke aber wirklich
erschienen, concurrirten sie bereits mit Erscheinungen von
solchen, die unter anderen Sternen herangewachsen waren.
Wohl aber ist es ganz begreiflich, dass jemand, der die Entwickelung
der Historiographie recht lebendig nachempfand und
besteht aber auch darin keine Uebereinstimmung, indem einige das Merkmal
des modernen Geistes in reinen Aeusserliohkeiten suchen können und
daher den pedantischen Gatterer als Vater der Geschichtschreibung preisen
werden. Sieht man dagegen auf das Innere, so muss man schon andere
Factoren aufsuchen. Was man heute Wissenschaft überhaupt, und im
Besonderen Geschichtswissenschaft nennt, beruht dem Mittelalter gegenüber
auf dem Unglauben und auf der Verwerfung der Postulate als wirkender
Mächte — fasse ich die Geschichte unter diesen Gesichtspunkt,
so weiss ich keinen anderen Einschnitt und Abschnitt zu machen, als
in der Philosophie des vorigen Jahrhunderts überhaupt, und ich verwahre
mich gleich jetzt ein- für allemal gegen den Gedanken, dass ich es darauf
abgesehen hätte, speciell an Kant als den Reformator der Geschichte in
der Weise anzuknüpfen, wie dies etwa übertrieben Buckle mit Voltaire,
Andere mit Anderen gemacht haben.