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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

Friedrich  Christoph  Schlosser.

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mann,  Sartorius  Gefallen  fand  und  diese  Muster  gesinnungsreicher
  Geschichtschreibung  der  Jugend  als  Leitfaden  sittlicher
Erziehung  und  politischer  Moral  empfahl?  Und  ganz  übereinstimmend ­
  mit  dieser  Auffassung  ist  wohl,  wenn  ihm  besonders
Müller’s  Schweizergeschichten  missfielen,  weil  sie  nicht  hinlänglich ­
  auf  die  Anerkennung  des  allgemeinen  Sittengesetzes,
einer  feststehenden  Moral  begründet  wären. 1  In  diesem  Sinne
ist  es  auch  ganz  richtig,  wenn  ein  neuerer  Beurtheiler  Schlosser’s
bemerkt,  dass  die  Geschichte  nur  ,iusoferne  ein  Interesse  auf
ihn  ausiibte,  das  zur  Forschung  reizte,  wenn  er  durch  die
Darstellung  irgend  einer  Epoche  sittliche  Zwecke  erfüllen  kann''.
Als  ungenau  möchte  es  aber  bezeichnet  werden  dürfen,  wenn
an  demselben  Orte  hinzugefügt  wird,  dass  diese  sittlichen
Grundsätze  sich  ,nach  den  verschiedenen  Bedürfnissen  der  ihn
umgebenden  Gegenwart  modificirt'  hätten.  2  Es  war  vielmehr
immer  derselbe  kategorische  Imperativ,  der  sich  jedem  geschichtlichen ­
  Ereigniss  und  jeder  geschichtlichen  Person  gegenüber
stellte,  und  wenn  man  Schlosser  eine  gewisse  Veränderlichkeit
in  seiner  sittlichen  Beurtheilung  zum  Vorwurfe  machen  wollte,
so  vergass  man,  dass  er  eben  auch  hierin  ein  Kind  seiner  Zeit,
der  Zeit  des  vorigen  Jahrhunderts,  ihrer  Philosophie  und  ihres
formalen  Sittenprincips  war,  eines  Princips,  welches  sich  mit
grösster  Leichtigkeit  auf  die  Geschichte  anwenden  liess  und
von  welchem  eine  starke,  entschlossene  Natur  so  erfüllt  sein
1  Besonders  zu  beachten  ist  auch  die  Stelle,  Weber  29:  ,In  dieser  Zeit  las
ich  alle  berühmten  neueren  Historiker  von  Hume  und  Rapiu  an  bis  auf
Heinrich,  Schmidt,  Voltaire  und  Johann  von  Müller.  Ich  lernte  von  dem
Letzteren  zwar  sehr  viel,  konnte  jedoch  an  dem  Gekünstelten,  an  dem
Mangel  aller  Einfalt  und  Natur,  so  wenig  als  an  Herder’s  poetischem
Schwulst  in  den  Ideen  zur  Geschichte  der  Menschheit  je  wahres  Vergnügen ­
  finden“.  Wir  kommen  auf  diese  Aeusserung  besonders  mit  Rücksicht ­
  auf  Herder  noch  mehrfach  zurück.
-  Historische  Zeitschrift  VIII.  Li4.  Es  geht  aber  viel  zu  weit,  wenn  hier
ein  Vorwurf  darin  gesehen  wird,  dass  nicht  an  und  für  sich  das  Factum
ein  Interesse  erregen  will.  Es  ist  ja  richtig:  die  geschichtliche  Thatsache
muss  den  historischen  Sinn  unbedingt  fesseln,  aber  welches  ist  denn  die
geschichtlich  fesselnde  Thatsache?  Hier  fängt  ja  eben  der  Streit  an.
Vollends  sonderbar  ist  es  aber,  wenn  auch  der  Verfasser  dieses  Artikels
eine  Seite  zuvor  auf  W.  Humboldt  recurrirt,  der  der  wahre  Anwalt  jener
Thatsachen  allein  ist,  die  durch  seine  vielgepriesenen  Ideen  erst  consecrirt
  sind.  —  Was  davon  zu  denken  ist,  bemerken  wir  später.
SitzungBher.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXXV1II.  Bd.  II.  Hfl.  10
            
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