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L orenz.
Die Unterrichtsmethoden jener Zeit hegünstig'ten in frühestem
Knabenalter eine auf das Sachliche gerichtete cursorische Lcctüre,
die es möglich machte, dass junge Leute, wie Ritter, Niebuhr
in einer Zeit bereits sich einer ansehnlichen Kenntniss der
classisclien Welt erfreuten, in welcher unsere heutigen Jünglinge
gemeiniglich noch nicht über die Einleitungen der philologischen
Gelehrsamkeit und kritischen Verständigung hinweggekommen
sind. Dass aber die überhastete Aufnahme eines
gewaltigen Stoffes auch manche geistige Nachtheile schuf, wird
nicht geläugnet werden können, und vielleicht hängt es damit
auch bei Schlosser zusammen, wenn ihn neuere Beurtheiler so
häufig eines Mangels scharfer kritischer Durchdringung seines
Gegenstandes anklagten. Aus seiner Selbstbiographie ist man
schlechterdings nicht im Stande zu ersehen, von welchen
Richtungen Schlosser besonders angeregt war, welchen Autoren
er mit Vorliebe gefolgt, wo er seine eigene Gedankenarbeit am
liebsten einsetzte. Seine Bücher und deren Vorreden, welche ohnehin
erst in eine Zeit fallen, wo er zum fertigen Mann herangereift
war, enthalten nicht das Mindeste, was uns auf die Spuren
seiner inneren Entwickelung leiten könnte. Kein Buch, kein
Gelehrter, kein Lehrer wurde je von Schlosser irgendwo vorzugsweise
als Leitstern seiner Bildung, seiner Weltanschauung bezeichnet.
So überraschend indessen diese Erscheinung uns bei
einem Schriftsteller von so ausgeprägten, festen und unbeugsamen
Ueberzeugungen entgegentritt, so wenig ungewöhnlich ist
dieselbe bei den meisten Historikern vom Fache. Philosophen,
Juristen, Medicinern liegt es viel näher, und es ist unter ihnen
ein althergebrachter Gebrauch, die Beziehungen zu nennen, in
welchen sie zu ihren Vorgängern stehen, das System zu bezeichnen,
an welches sie sich halten. Der moderne Historiker
dagegen wird in sich selbst eine gewisse Abneigung erziehen,
geklagt, dass es ihm an einer richtigen Leitung seiner Studien gefehlt
habe, dass er dadurch auf viele Irrwege gerathen sei. Lebensnachrichten
I. S. 24. Ueber das rasche und cursorische Lesen der Classiker —
nebenbei bemerkt, gerade die entgegengesetzte Methode von jener, die
heute bewirkt, dass man nicht gut lateinisch und griechisch lernt —
vgl. Schlosser’s eigene Angaben, Weber 14, wo auch behauptet wird,
dass Schlosser in Zeit von drei Jahren über viertausend Bücher durchlaufen
habe.