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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 88. Band, (Jahrgang 1877)

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Lorenz.

will  nicht  der  Frosch  in  der  Fabel  sein,  ,der  so  gross  werden
will'.  Er  möchte  so  wenig  als  möglich  sagen  und  schüttet  doch
mächtig  sein  Herz  aus.  Er  glaubt,  durch  tausend  Rücksichten
verhindert  zu  sein,  den  Gang  seines  Lebens  aufzuschliessen,
und  doch  gibt  er  in  jedem  Satze  ein  markiges  Urtheil  über
sich  selbst,  über  seine  Umgebung,  seine  Zeit,  seine  Lehrer,
seine  Eltern.  ,Ich  erkannte  früh',  sagt  er  unter  Anderrn,  ,dass
die  deutschen  Professoren,  Schriftsteller,  Gelehrte,  ßedactoren
gelehrter  und  ungelehrter  Blätter  sich  unter  einander  verständen,
das  Publicum  und  die  Nachwelt  zu  betrügen  und  nahm  mir
vor,  mich  nie  unter  eine  Menge  von  eingebildeten  Menschen
zu  mischen,  wo  der,  welcher  sich  nicht  vor  Jedem  bückt  und
nicht  Partei  macht,  oder  welcher  irgend  Einen  in  seinem  eiteln
Treiben  stört,  nur  Steinwürfe  der  Parteimänner  und  Schmähungen ­
  der  Gassenbuben,  die  sich  berühmt  machen  wollen,  zu
erwarten  hat“.  Von  seinem  eigenen  Vater  versichert  er  uns,  dass
es  ein  rechtes  Glück  gewesen  sei,  ihn  in  seinem  sechsten  Jahre
verloren  zu.  haben.  Von  der  harten  Behandlung  der  Mutter,
von  den  Schlägen  seiner  Mitschüler,  von  der  Peitsche  und  den
Ohrfeigen  ,des  wackeren  ersten  Lehrers',  von  der  Misswirtschaft ­
  des  Landesherrn  und  der  Beamten,  von  der  Rohheit  des
Soldatenthums  erzählt  er  uns  mit  rücksichtslosester  Lebhaftigkeit ­
  und  im  Tone  von  stahlhartem  Selbstbewusstsein:  ,1m
achten  bis  zehnten  Jahr  Scenen  sehen,  wie  die,  welche  ich  sah,
unterrichtet  werden,  wie  ich  es  ward,  Menschen  kennen  lernen,
wie  diese,  hätte  bei  stärkeren  Leidenschaften  und  mehr  Gelegenheit ­
  auszuschweifen,  als  ich  je  gehabt  habe,  sehr  viel
schaden  müssen;  an  mir  ging  es  vorüber'.
Wer  diese  Selbstbiographie  liest  und  diese  Eindrücke  nachempfindet, ­
  der  muss  es  errathen  können,  wie  dieser  Mann  Geschichte ­
  schreiben  wird,  auch  wenn  er  kein  einziges  Buch  von
ihm  gelesen  hätte.  Seine  friesische  Heimat  mag  ihm  geholfen
haben,  alle  weichliche  Regung  des  Herzens  unter  die  Ueberzeugung
  eiserner  Nothwendigkeiten  zu  beugen.  Das  kleine  Land
Jever  war  in  politischer  Beziehung  den  Launen  seines  Zerbster
Tyrannen  gerade  so  unterworfen,  wie  die  friesische  Küste  den
Stürmen  des  Meeres  und  gehörte,  da  es  zur  Zeit  der  Kreiseintheilung
  keinem  Reichsstand  unterthan  war  und  selbst  keine
Reichsstandschaft  besass,  noch  zur  Zeit  von  Schlosser’s  Geburt
            
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