Fünf unedirte Ehrenreden Peter Suchenwirts.
101
vorliegenden Originale einige Blätter herausgerissen waren,
wird aber dadurch wieder aufgewogen, dass die Schlierbacher
Handschrift fünf Gedichte enthält, die nach Sprache und Inhalt
zu schliessen, unbedingt aus Suchenwirts Feder geflossen
sind. Von diesen sind die von mir mit I, II, III, IV bezeiehneten
bisher ganz unbekannt geblieben, von V kannte
Primisser nur die letzten sieben Verse, welche er auch ,um ein
zukünftiges Auffinden zu erleichtern', in der Vorrede seiner
Ausgabe (pag. XLV) anführte.
Das von mir sub I angezeigte Lobgedicht ist leider ein
Bruchstück, da ihm der Anfang fehlt. Der in demselben gefeierte
Held Moriz von Iiaunfeld entstammte dem steiermärkischen
auch in Nieder-Oesterreich begüterten Hause Haunfeld,
als dessen Stammburg Hainfeld in der Nähe von Feldbach in
Steiermark gilt.
Unter dem in II gepriesenen Helden Janns von Chappel
ist sonder Zweifel Janns T. zu verstehen, welcher 1357 aus
dem Leben schied. Leider sind in dieser Ehrenrede die
ersten zehn Verse verstümmelt.
Das Gedicht III preist Herzog Albrecht 11. von Oesterreich,
den die Geschichte den Lahmen oder Weisen nennt.
Der in IV gefeierte Albrecht von Rauhenstein gehörte
dem mächtigen Hause Ilintberg - Pilichdorf an. Er war der
zweite dieses Namens und starb 1354.
Das mit V bezeiehnete Poem ist ein satirisches. Primisser’s
Ausgabe nennt den Helden Gunolf, während die
Schlierbacher-Ilandschrift Sumolff hat.
Die unter VI und VII aufgeführten Bruchstücke ergänzen
die Lücken von III (,Von herezog Albrecht von Oesterreich')
und VII (,Von purgraf Albrcchten von Nürnberg') bei Primisser.
Um zum Schlüsse noch die Frage zu berühren, von
welchem Originale Baron Enenkl seine Abschrift gemacht
habe, so dürften die den Gedichten Vorgesetzten Worte des
Abschreibers vielleicht einigen Aufschluss gewähren. Sie
lauten: ,Dises Heldenbuch oder beschreibung XX Oesterreichischer
umb die 1300, 1330, 1350, 1380 berümbten beiden
Ritterlicher Thatten Ist abgenommen vnd geschriben mit vnderschribnes
banden aus dem alt vor 200 Jahren gescliribenen
buech bei lieren Wolf Christoffen Velderndorfer zum Neidenstein