Centralasiatische Studien. I.
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Zweistromlandes eindrang und sich gleichfalls in Lebenseinrichtungen
Sitten und Ceremonien äusserte; so heisst es in
obigem Bericht (p. 228): ,Les usages relatifs aux mariages et
aux funerailles sont les memes que chez les Turcs“, und an
das Wesen des Schamanenthums gemahnen uns Bemerkungen
solcher Art (p. 230): ,11s adressent des sacrifices aux esprits
malins, et executent des operations magiques. A la onzieme
lune, on frappe des tambours pour demander du froid, etc“.
Im grossen Ganzen aber mögen sich dennoch die herrschenden
Stämme — namentlich von den Kusänen lässt sich dies behaupten
— den Einflüssen der höheren Cultur der ansässigen
Iranier und auch dem Glauben derselben zugänglich erwiesen
haben. Und so dürfen wir wohl Recht haben, wenn wir später
versuchen werden den Gott Te-si, welcher den sinischen Nachrichten
zufolge in Tsao (Sogd) verehrt wurde, mit zarathustrischen
Göttergestalten zusammenzustellen und aus iranischen
Sprachmitteln zu deuten.
Es scheint überhaupt in keinem iranischen Lande der
zarathustrische Glaube seit Alters so sehr in den Volksgeist
eingedrungen zu sein wie ;n Sogdiana, ja wir können behaupten,
Sogdiana sei die älteste Culturstätte gewesen, wo sich
das iranische Volksleben von der ursprünglichen nomadischpatriarchalischen
Lebensweise zu einem höher entwickelten
politischen Dasein, zu complicierteren staatlichen Verhältnissen
erhoben hat. So wie das Vordringen der östlichen Arier in
den indischen Landen mehrere Phasen und Stillstände aufzuweisen
hat, so haben auch die westlichen Stämme oder die
Iranier in ihrer stetigen Ausbreitung nach Süd und West, entlang
den grossen Strömen und den binnenländischen Wasseradern
und Canälen, an mehreren Ruhepunkten sich gesammelt
und entwickelt, um wiederholt ein ,ver sacrum“ auszusenden
und immer weitere Gebiete der iranischen Welt zu erobern,
bis endlich die Berge Armenien’s und der Frät dem Vordringen
ein Ziel setzten. Der älteste dieser Ruhepunkte, der ursprünglichen
Heimat der Arier an den Ufern des Jaxartes zunächst
gelegen, war unstreitig Sogdiana, das breite fruchtbare Thal,
welches der Zarafsän durchfliesst. Es ist wohl kein Zufall,
dass die älteste Urkunde des iranischen Geisteslebens, das
Zendavesta, in dem ersten Fargard des Vendldäd, worin Ahura-