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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Centralasiatische  Studien.  I.

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Zweistromlandes  eindrang  und  sich  gleichfalls  in  Lebenseinrichtungen
  Sitten  und  Ceremonien  äusserte;  so  heisst  es  in
obigem  Bericht  (p.  228):  ,Les  usages  relatifs  aux  mariages  et
aux  funerailles  sont  les  memes  que  chez  les  Turcs“,  und  an
das  Wesen  des  Schamanenthums  gemahnen  uns  Bemerkungen
solcher  Art  (p.  230):  ,11s  adressent  des  sacrifices  aux  esprits
malins,  et  executent  des  operations  magiques.  A  la  onzieme
lune,  on  frappe  des  tambours  pour  demander  du  froid,  etc“.
Im  grossen  Ganzen  aber  mögen  sich  dennoch  die  herrschenden
Stämme  —  namentlich  von  den  Kusänen  lässt  sich  dies  behaupten ­
  —  den  Einflüssen  der  höheren  Cultur  der  ansässigen
Iranier  und  auch  dem  Glauben  derselben  zugänglich  erwiesen
haben.  Und  so  dürfen  wir  wohl  Recht  haben,  wenn  wir  später
versuchen  werden  den  Gott  Te-si,  welcher  den  sinischen  Nachrichten ­
  zufolge  in  Tsao  (Sogd)  verehrt  wurde,  mit  zarathustrischen
  Göttergestalten  zusammenzustellen  und  aus  iranischen
Sprachmitteln  zu  deuten.
Es  scheint  überhaupt  in  keinem  iranischen  Lande  der
zarathustrische  Glaube  seit  Alters  so  sehr  in  den  Volksgeist
eingedrungen  zu  sein  wie  ;n  Sogdiana,  ja  wir  können  behaupten, ­
  Sogdiana  sei  die  älteste  Culturstätte  gewesen,  wo  sich
das  iranische  Volksleben  von  der  ursprünglichen  nomadischpatriarchalischen ­
  Lebensweise  zu  einem  höher  entwickelten
politischen  Dasein,  zu  complicierteren  staatlichen  Verhältnissen
erhoben  hat.  So  wie  das  Vordringen  der  östlichen  Arier  in
den  indischen  Landen  mehrere  Phasen  und  Stillstände  aufzuweisen ­
  hat,  so  haben  auch  die  westlichen  Stämme  oder  die
Iranier  in  ihrer  stetigen  Ausbreitung  nach  Süd  und  West,  entlang ­
  den  grossen  Strömen  und  den  binnenländischen  Wasseradern ­
  und  Canälen,  an  mehreren  Ruhepunkten  sich  gesammelt
und  entwickelt,  um  wiederholt  ein  ,ver  sacrum“  auszusenden
und  immer  weitere  Gebiete  der  iranischen  Welt  zu  erobern,
bis  endlich  die  Berge  Armenien’s  und  der  Frät  dem  Vordringen
ein  Ziel  setzten.  Der  älteste  dieser  Ruhepunkte,  der  ursprünglichen ­
  Heimat  der  Arier  an  den  Ufern  des  Jaxartes  zunächst
gelegen,  war  unstreitig  Sogdiana,  das  breite  fruchtbare  Thal,
welches  der  Zarafsän  durchfliesst.  Es  ist  wohl  kein  Zufall,
dass  die  älteste  Urkunde  des  iranischen  Geisteslebens,  das
Zendavesta,  in  dem  ersten  Fargard  des  Vendldäd,  worin  Ahura-
            
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