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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Demostlienisclie  Studien.

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dadurch  den  Staat  stark  und  widerstandsfähig  zu  machen,  die
Mehreinnahmen  auf  Feste  und  für  Besoldung  des  Volkes,  welches
sich  das  gern  gefallen  Hess,  verwendet,  und  setzten  diese  Politik
zu  der  Zeit,  da  sich  Athens  Schicksal  entscheiden  sollte,
unbedenklich  fort.  Wenn  in  diesen  Männern  Demosthenes  die
Mithelfei'  von  Philipp  sieht,  ist  er  nicht  im  Unrecht;  dass  er
sie  des  bewussten  Verrathes  zeiht,  was  übrigens  in  diesen  Reden
nicht  geschieht,  mag  unbillig  und  ungerechtfertigt  sein.  Seine
Heilmittel  zu  ertragen,  war  Athen  nicht  mehr  stark  genug.
Eine  moralische  Umwandlung  des  siechen  Volksgeist.es,  dessen
nationale  Regungen  in  erhabenen  Seelen  selbst  bei  einem
Platon  fast  erstorben  erscheinen,  von  der  Rednerbühne  aus  zu
bewirken,  dünkt  uns  von  vornherein  ein  vergebliches  Bemühen;
ihm  däuchte  es  eine  patriotische  Pflicht,  und  darin  liegt  der
tragische  Zug,  der  Demosthenes’  Leben  und  Streben  durchzieht,
das  von  Jahr  zu  Jahr  an  getäuschten  Illusionen  reicher,  doch
immer  wieder  hoffend  und  übermenschlich  ringend,  endlich
jener  grossem  Macht  der  Verhältnisse  unterliegt,  nicht  ohne
durch  manche  Schuld  den  Ausgang  zu  rechtfertigen.  Dieser
Schuld  nicht  bloss  im  Allgemeinen  zu  gedenken,  sondern  sie
im  Einzelnen  zu  suchen,  zu  bestimmen,  zu  begrenzen,  halte
ich  für  eine  Pflicht  der  historischen  Wissenschaft,  und  bin  weit
entfernt,  den  kritisch-politischen  Versuch  Weidners  als  einen
principiell  unberechtigten  zu  verwerfen.  Nur  meine  ich  nicht,
dass  davon  sich  viel  oder  auch  nur  etwas  in  jener  Sturm-  und
Drangperiode,  in  welche  die  besprochenen  Reden  fallen,  werde
nachweisen  lassen.  Die  Ausführlichkeit  der  Begründung  dieser
Meinung  möge  durch  die  Bedeutung  des  Gegenstandes  für  genügend ­
  entschuldigt  gelten.
Dass  das  von  Demosthenes  in  der  ersten  philippischen
Rede  vorgelegte  Programm  nicht  durchgedrungen  ist,  unterliegt
keinem  Zweifel.  Demosthenes  schweigt  von  dem  Erfolg  seiner
Anträge,  ja  noch  mehr,  er  schweigt  von  den  Anträgen  selbst,  wo
sich  eine  Gelegenheit  ihrer  zu  gedenken  bot,  wie  §  4  der  dritten
olynthischen  Rede.  Er  versagt  es  sich,  in  nutzlosen  Recriminationen
  gegen  jene  aufzutreten,  die  rechtzeitige,  wohl  überlegte
und  leicht  ausführbare  Vorkehrungen  zu  treffen  verschmähten.
Um  so  weniger  darf  es  befremden,  dass  Demosthenes  in  den
olynthischen  Reden  an  keiner  Stelle  den  euboeischen  Feldzug,
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXXVII.  Bd.  I.  Hft.  5
            
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