Demostlienisclie Studien.
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dadurch den Staat stark und widerstandsfähig zu machen, die
Mehreinnahmen auf Feste und für Besoldung des Volkes, welches
sich das gern gefallen Hess, verwendet, und setzten diese Politik
zu der Zeit, da sich Athens Schicksal entscheiden sollte,
unbedenklich fort. Wenn in diesen Männern Demosthenes die
Mithelfei' von Philipp sieht, ist er nicht im Unrecht; dass er
sie des bewussten Verrathes zeiht, was übrigens in diesen Reden
nicht geschieht, mag unbillig und ungerechtfertigt sein. Seine
Heilmittel zu ertragen, war Athen nicht mehr stark genug.
Eine moralische Umwandlung des siechen Volksgeist.es, dessen
nationale Regungen in erhabenen Seelen selbst bei einem
Platon fast erstorben erscheinen, von der Rednerbühne aus zu
bewirken, dünkt uns von vornherein ein vergebliches Bemühen;
ihm däuchte es eine patriotische Pflicht, und darin liegt der
tragische Zug, der Demosthenes’ Leben und Streben durchzieht,
das von Jahr zu Jahr an getäuschten Illusionen reicher, doch
immer wieder hoffend und übermenschlich ringend, endlich
jener grossem Macht der Verhältnisse unterliegt, nicht ohne
durch manche Schuld den Ausgang zu rechtfertigen. Dieser
Schuld nicht bloss im Allgemeinen zu gedenken, sondern sie
im Einzelnen zu suchen, zu bestimmen, zu begrenzen, halte
ich für eine Pflicht der historischen Wissenschaft, und bin weit
entfernt, den kritisch-politischen Versuch Weidners als einen
principiell unberechtigten zu verwerfen. Nur meine ich nicht,
dass davon sich viel oder auch nur etwas in jener Sturm- und
Drangperiode, in welche die besprochenen Reden fallen, werde
nachweisen lassen. Die Ausführlichkeit der Begründung dieser
Meinung möge durch die Bedeutung des Gegenstandes für genügend
entschuldigt gelten.
Dass das von Demosthenes in der ersten philippischen
Rede vorgelegte Programm nicht durchgedrungen ist, unterliegt
keinem Zweifel. Demosthenes schweigt von dem Erfolg seiner
Anträge, ja noch mehr, er schweigt von den Anträgen selbst, wo
sich eine Gelegenheit ihrer zu gedenken bot, wie § 4 der dritten
olynthischen Rede. Er versagt es sich, in nutzlosen Recriminationen
gegen jene aufzutreten, die rechtzeitige, wohl überlegte
und leicht ausführbare Vorkehrungen zu treffen verschmähten.
Um so weniger darf es befremden, dass Demosthenes in den
olynthischen Reden an keiner Stelle den euboeischen Feldzug,
Sitzungsber. d. phil.-hist. CI. LXXXVII. Bd. I. Hft. 5