Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 87. Band, (Jahrgang 1877)

Demostlienisclie  Studien.

61

mischung  eines  besseren  Elements  athenischer  Bürger,  welche
für  das  Interesse  ihres  Staates  kämpften,  den  Geist  der  Truppe
hob  und  kräftigte?  ,Konnte  und  musste  Demosthenes  wissen/
dass  dieses  Heer  die  eigenen  Bundesgenossen  plündern  würde,
nachdem  auf  diese  Art  die  Erhaltung  der  Disciplin  mit  allen
erdenklichen  Garantien  umgehen  war?
Weiter  bezeichnet  Weidner  (S.  252)  es  als  ,merkwürdig,  dass
auch  das  cir^pLtov  nur  für  ein  Jahr  berechnet  wird,  während
doch  diese  Ausgabe  eine  Reihe  von  Jahren  ertragen  werden
musste,  wenn  das  Heer  als  cuve/e?  oder  cuvscrr^/.s;  bestand  und
Wirkung  haben  sollte'.  Unter  allen  Einwürfen,  die  wider  Demosthenes ­
  erhoben  wurden,  scheint  mir  dies  der  merkwürdigste.
In  nichts  zeigt  sich  nämlich  die  einschneidende  Bedeutung  der
demostlienischen  Reform  klarer  als  in  der  Art,  wie  er  ihre
Bedeckung  bespricht.  Wenn  es  sich  nur  um  eine  Expedition
nach  einem  Punkt  der  makedonischen  Küste  handelte,  um
einen  kurzen  Jahresfeldzug,  dann  brauchte  Demosthenes,  nachdem ­
  er  das  crcYjpscicv  für  ein  Jahr  berechnet,  kein  Wort  mehr
zu  verlieren.  Es  galt  dann  nur  die  Bestreitung  einer  ausserordentlichen ­
  einmaligen  Ausgabe,  für  welche  vermuthlich  die
Geldmittel,  welche  bereits  für  die  seit  Monaten  geplante  thrakische
  Expedition  in  Aussicht  genommen  waren,  doppelt  und
dreifach  genügt  hätten.  Oder  es  bedurfte  des  einfachen  Antrags ­
  auf  Ausschreibung  einer  Vermögenssteuer,  womit  sonst
vorübergehende  Ausgaben  gedeckt  wurden.  Indem  aber  mit
der  Aufstellung  eines  stehenden  Heeres  eine  dauernde,  jährlich
sich  wiederholende  Ausgabe  geschaffen  war,  musste  in  den  regelmässigen ­
  Einnahmen  des  Staates  dafür  nach  einer  Bedeckung
gesucht  werden,  und  diese  entwickelte  ein  sorgfältig  ausgearbeiteter ­
  Finanzplan,  welchen  der  Redner  als  Basis  der  weiteren  Berathung
  in  seiner  Rede  mittheilte.  Wie  konnte  aber  Demosthenes
dabei  anders  vorgehen,  als  dass  er  die  Kriegskosten  für  ein  Jahr
berechnete?  Leider  ist  uns  dieses  Finanzprogramm  verloren
gegangen  und  wir  können  demnach  nicht  wissen,  wie  er  den
Mehrauslagen  durch  Ersparungen  im  Budget  oder  Vermehrung
der  Einnahmen  gerecht  wurde.  Nur  so  viel  steht  auch  ohne
Einsicht  in  dieses  Programm  fest,  dass  er  die  Kosten  für  seine
militärische  Reform  nicht  in  einer  vorübergehenden  Massregel
gefunden  haben  wird.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.